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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 124
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Zum Abschied des Amtsgenossen Eduard ***.

(Vorgetragen in dem Fest im zoologischen Garten zu Breslau 1890.)

            Als es hieß: »Er geht nach Halle!«
    Klagten die Collegen alle.
Denn warum? Es wohnt Vernunft
    Selbst in der Gelehrtenzunft.
Klar war denen aufgegangen,
    Was sie hatten an dem Langen. –

Aber das ist wunderbar:
    Selbst der wilden Thiere Schar,
        Der unzünft'gen,
        Unvernünft'gen,
Klagte, daß er uns nicht bliebe!
    Wie schon Prinz Tamino singt,
Wann die Zauberflöte klingt:
    »Selbst wilde Thiere fühlen Liebe.«

Deßhalb ward die Abschiedsfeier
    Auch hieher verlegt, o ***,
Daß, bevor Du ziehst gen Halle,
    Dich noch seh'n die Thierlein alle.
Denn zum Fest für Dich, o ***,
    Würde spielen selbst der Leier-
Schwanz auf seinem Instrument,
    Wenn der Vogel hier sich fänd'!

Und es klagte das Kamel:
    »Ach, wer kennt mich, meiner Seel!
Hier so gut wie dieser Reisende,
    Oft auf meinem Rücken Speisende?«

Und es sprach der Elephant:
    »Dieser *** hat Verstand.
Wenn er nicht Professor wäre,
    Jeden Tag könnt' er – auf Ehre! –
Traun das klügste Thier auf Erden,
    Elephant könnt' *** werden,
Und bei reiferem Verstand
    Selbst geheimer Elephant.«

Und es seufzten still die Affen:
    »Wenig hat er stets zu schaffen
Ach! mit uns sich machen wollen,
    Und wir sollten *** grollen,
Weil sogar nicht, wann er taufte,
    Er von uns sich einen kaufte.
Dennoch schätzen wir ihn sehr.«

Und es stöhnt des Eises Bär,
    Und er schüttelt auf und nieder
Seinen Kopf (Just thut er's wieder!)
    Hinter seinen Eisenreifen:
»Ich,« sprach er, »kann's nicht begreifen!
    Wenn mich hier so liebten Alle, –
Wahrlich, ich ging' nicht nach Halle!
    Doch ich bin nicht so beliebt, –
Weil's Gerechtigkeit nicht giebt!«

Nur Ein Thier – kann's nicht verschweigen! –
    Wollte kein Bedauern zeigen:
Doch 's ist *** keine Schande,
    Daß es dieses nicht verdroß:
Nashorn heißt es hier zu Lande:
    's ist halt ein Rhinoceros!

Doch es schluchzte die Giraffe:
    »Reicht mir eine Todeswaffe!
Denn, ach, dieser Ruf nach Halle
    Trifft mich härter als euch Alle:
Eduard *** war nach mir
    Hier das längste Säugethier.«
Und sie stimmten sämmtlich zu,
    Selbst das Nilpferd und das Gnu:
»Ja, nun stehst vereinzelt Du!«

Also ehret selbst das Thier,
    Was an Geist und Leib hervorragt,
Und wie selbst der Bestien-Chor klagt, –
    Amtsgenossen, thun auch wir.
Laßt uns hoch die Becher heben:
    »Unsrem Freunde sei vergeben,
Daß er fort will sich begeben:
    Unser Langer, – er soll leben!«

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