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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 120
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Zur Taufe von Mechthild Bezzenberger.

        Saßen da selig oben in Asgardh die Asinnen alle.
Nachmittag nämlich war es geworden, wann Weiber wünschen
Worte zu wechseln. – Die göttlichen Gatten, Saehrimnirs satt
Und unendlichen Aeles, sanken in süße Siesta,
Und wäre Walhall zugänglich Zigarren, so hätten die Hohen
Schmunzelnd geschmaucht. – Die Zeit der Zigarren für Männer ist Mädchen
Wie Weibern die des köstlichen Kafes, – wenn sie kriegen ihn können.
Aber in Asgardh kennt man nicht Kafe, und es müssen mit Milch –
Mit Geißmilch gar! – sich bescheiden die Schönen.

Da fuhr Fulla herein in die Halle, das muntere Mädchen
Mit breiter Brust: »Freue Dich, Frigga!« rief sie, »'s ist richtig!
Ein Kind ist gekommen, ein minniges Mädchen,
Dem wortgewaltigen Wurzelentwirrer und der hohen Hausfrau,
Der langen Lene, klaräugig, klug, die graue Greise
Scheuen im Schachspiel.
»Mechthild«: – Machtkampf, so nennen sie es mit Namen,
Und ich schenkte schützend bei der Wasserweihe,
Bei der Namen-Nennung dem Kind ein Kleinod
Eigner Art, wie es meinem Wesen eignet:
Seht, den silbernen leuchtenden Löffel,
Freudiger Fülle ziemendes Zeichen, breit und behäbig:
Nicht läppernd, nein, lustig und löfflings
Der Lust des Lebens koste die Kleine.«

Freia die Freudige griff in den Gürtel:
»Der Walküren Weiserin, der Kühnsten Königin,
Rühmt man mit Recht mich! Wohl will ich's erweisen
An der muthigen Mechthild. – Auch dem Weib ist gewoben
Im Leben oft leidige hart hindernde Hemmniß:
Wohl! Wie die Walküre mit schwingendem Schwert
Soll sieghaft zersägen Hemmniß und Hind'rung
Mit diesem Messer Mechthild das Mädchen.«

Doch aus schimmerndem Schrein hob die hehrste
Der Frauen, Frigga, ein spitziges, spaltiges, grades Geräth:
Sie lächelte lieblich: »Was fruchtet Fulla's Fülle,
Was der Wanin Walkürenweise dem Bezzenberger'schen Baby?
Der Löffel wird leidig, das Messer wird müssig,
Mißt das Mädchen den Mann.
Denn wir wonnigen Weiber, wir wollen es wispernd still uns gestehn:
– (Es hört uns ja hier der göttlichen Gatten,
Der Asen, nicht Einer: die herrlichen Helden,
Auf breiten Bären-Fellen, die Faulen, schnarchen sie schnöde!) –
Wehe dem Weibe, das misset den Mann für die Länge des Lebens!
Drum diene dem Dirnlein, der minnigen Mechthild,
Mein schimmernd Geschenk: die glänzende Gabel.
Vier fügte ich der zierlichen Zinken: dreimal soll drohend
Werbern sie wehren, dreimal dringendem Freier freislich
Zürnend zeigen die Zinken der göttingegebenen Gabel:
Aber am Ende soll sie selig mit der vierten den Freund
Den Richtigen, Rechten erobern auf Erden:
Wie mit spitzigem Speere soll sie spähend und spürend ihn spicken,
Daß der Gute, gestochen in's heimlichste Herz,
Nur der Einen noch achte: der minnigen Mechthild.
Dann wird erst wonnig der Löffel sie laben,
Ihm die Suppe zu salzen und das Messer, dem Mann
Das braune Brod an dem Tische zu theilen:
Denn wahrlich, dem Weib ist die Liebe das Leben!«

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