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Gedichte

Felix Dahn: Gedichte - Kapitel 104
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorFelix (und Therese) Dahn
year1892
publisherBreitkopf & Haertel
addressLeipzig
titleGedichte
pagesIII-XII
created20050922
sendergerd.bouillon
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Der Braut eines Reichsbankbeamten in Königsberg.

        Die Reichsbank, liebes Kind, ist gut,
    Ein höchst solides Institut,
Und Ehrenmänner magst du seh'n
    In ihren Hauptbankstellen steh'n.
Doch rath' ich nicht, Dein ganzes Leben
    Ihr im Lombardgeschäft zu geben.
Dazu vielmehr such' du Dir aus
    Ein unvergleichlich ältres Haus
Mit äußerst schwunghaftem Betriebe:
    Es ist die alte Firma »Liebe«:
Sie steht, – man zählt es leicht ihr nach, –
    Seit Aepfel Jungfrau Eva brach,
Sie wird besteh'n, so lang' auf Erden
    Noch Knab' und Maid geboren werden.
Sie wankt und wackelt nicht, die Firma,
    Giebt's Krieg in Serbien oder Birma,
Und ständen eines schönen Tages
    Die Russen vor dem Königsthor,
Und träfen donnergleichen Schlages
    Granaten den Dom-Kirchenchor,
Ja, drängen die Kosaken ein, –
    Sie stellt' die Zahlungen nicht ein!
Sie giebt ob, ach wie oft betrogen,
    Credit noch immer dar auf's Neu':
Sichtwechsel, die auf sie gezogen,
    Zahlt sie sofort, mit prompter Treu',
Sie diskontirt und prolongirt
    (Doch liebt sie nicht, daß man girirt!)
Und forschest Du nach Referenzen, –
    In Liebesliedern ohne Grenzen,
Erschallt ihr Lob in jeder Weise
    Von Salomo bis auf Paul Heyse.
Ja, – dieser Bank, du holde Braut,
    Sei Deine Zukunft anvertraut.
Ihr Andern sollt die Becher heben:
    Die Braut und ihr Bankier, – sie leben!
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