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Ferdinand Sauter: Gedichte - Kapitel 1
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typepoem
authorFerdinand Sauter
titleGedichte
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firstpub
translator
correctorJosef Muehlgasner
senderwww.gaga.net
created201301
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An die Poesie!

Dich, o Abglanz alles Schönen,
Himmelstochter Poesie,
Will ich preisen in den Tönen,
Die mir deine Huld verlieh.

Als das Licht die Welt umflossen,
Und enthüllt die Schöpfung lag,
Hast du liebend dich ergossen
In den jungen Strahlentag.

Haine flüstern, Wälder rauschen,
Du erregtest Sturm und West,
Lustberauschte Vögel tauschen
Lieb um Lieb im Schattennest.

Wolken wandern, glatte Wogen
Kräuseln frische Winde gern,
Und am dunklen Ätherbogen
Sieht dein Auge Stern an Stern.

Bächlein ist ein Schwelger worden,
Stürzend sich in Schaum und Schwall,
Und in schmelzenden Akkorden
Klagt im Busch die Nachtigall.

Streuest Blüten, bindest Garben
In der Jahreszeiten Streit,
Hüllst in Regenbogenfarben
Bleichende Vergänglichkeit.

Schauest in der Sonne Gluten
Unverwandt im Adlerflug,
Flatterst über Meeresfluten
Sehnend mit dem Kranichzug.

So in tausendfält'gen Formen
Waltest du im Wechselspiel,
Kennend keine andren Normen
Als Begeistrung und Gefühl.

Doch dem Laien ist Versäumnis,
Was sein Auge nicht gewahrt,
Denn dein innerstes Geheimnis
Bleibt dem Sänger aufgespart.

Schauend in der Zukunft Zeiten,
Schwelgend in des Tages Glück,
Siehst die Stunden du entgleiten,
Kränzend jeden Augenblick.

In des Busens tiefen Schachten
Steigst du kühn und sicher ein,
Bringend bunte Muscheltrachten,
Gold und reinsten Edelstein.

Leidenschaften werden Spiegel,
Rückgestrahlt von deiner Hand,
Seelen leihst du Rosenflügel
In der Sehnsucht Feenland.

Lieben kannst du überschwänglich,
Trotzend jedem Ungemach,
Und die Jugend, leicht empfänglich,
Jubelt dir die Lieder nach.

Spröde Massen hingeschmolzen
Durch der Dichtung Feuerkraft,
Ringen sich in herrlich stolzen
Rhythmen los aus ihrer Kraft.

Und verkünden dem Entzückten
Wunder der Historia,
Und es klingt dem Fernentrückten,
Wie beseelte Musica.

Der vergißt des Lebens Mühen,
Den dein Zauberhauch berührt,
Und ihn unter Melodien
Ins Gebiet der Schönheit führt.

Mit des Ruhmes grünstem Kranze
Schmückt sich freie Huldigung,
Strahlend im Verklärungsglanze
Seliger Vergötterung.

Sieh mich an mit holden Blicken,
Du mein Alles, du mein Hort,
Wie mit loderndem Entzücken
Ich erhob mein flammend Wort;

Und im wüsten Weltgetümmel,
Das den Wankenden umkreist,
Laß mir deinen Freudenhimmel
Und durchläutre meinen Geist!

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