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George Gordon Noël Byron: Gedichte - Kapitel 6
Quellenangabe
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typepoem
authorGeorge Byron
titleGedichte
publisherVerlag von Phillip Reclam jun.
seriesLord Byrons sämtliche Werke
volumeDritter Band
translatorAdolf Seubert
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120731
projectida106605c
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Anhang.

 

Lebewohl an Malta.

Adieu, du La Valettens Wonne!
Adieu, Shirocco, Schweiß und Sonne!
Du kaum besuchter Amts-Palast!
Adieu, ihr Häuser, wo ich Gast!
Adieu, ihr schnöden Treppenstraßen!
(Wer euch ersteigt, wird fluchend blasen.)
Adieu, ihr Krämer, oft uns prellend!
Adieu, du Pöbel, immer bellend!
Ihr Postschiff', wo die Briefe selten!
Ihr Affen aller Hochgestellten!
Adieu, verdammte Quarantaine,
Du gabst mir Fieber und Migraine!
Adieu, Theater, wo man gähnt, Sir! Dieser Reim ist eine genaue Nachahmung des Originals.
Adieu, ihr Excellenzen-Tänzer!
Adieu, o Peter, Alles klärend,
Nur Obersten nicht walzen lehrend!
Adieu, ihr Damen, Huldgeschöpfe!
Adieu, ihr Rothröck, röth're Köpfe!
Adieu, du übermüth'ges Air
Des stolzen Hahns en militaire!
Ich gehe, Gott weiß wann, warum?
Zum Rauch- und Wolken-Heiligthum,
Dahin, wo – Wahrheit sei bewahrt! –
Es grad so schlecht, nur andrer Art.
Lebt wohl – Adieu wär' hier zu lau –
Ihr Sieger auf dem treusten Blau!
Euch rühmt die weite Adria,
Die Flotten, die versanken da,
Diners bei Tag, die Gunst bei Nacht,
Als Sieger in der Lieb' und Schlacht.
Verzeiht dem Plaudern des Gedichts
Und nehmt den Vers, er kostet nichts.

Nun zog ich hin zu Mistreß Fraser,
Doch nicht als ihres Lobs Verweser;
Zwar wär' ich Geck genug, zu denken,
Mein Lob sei schon der Tinte werth,
Zwei Zeilen nicht zu viel begehrt,
Da ich kein Schmeicheln brauch' zu schenken;
Doch wird sie froh sein zu erscheinen
In bessern Reimen als den meinen.
Bei offnem Herzen, frischem Drang,
Bequemlichkeit, doch ohne Zwang,
Kann heiter ihre Zeit hingleiten,
Braucht nicht den Beistand eitler Saiten.

Nun, Malta, wo ich hingerathen,
Du kleines Treibhaus der Soldaten,
Ich will dich nicht mit Worten kränken,
Noch gröblich dich dem Teufel schenken.
Nein, aus dem Fenster schau ich nur
Und frage, wozu die Mixtur?
Dann kehr' ich in mein Nest zurück
Und schmiere, lese auch ein Stück,
Nehm' dann Arz'nei, so lang es geht
(Zwei Löffel, wie's im Hefte steht),
Zieh' meine Nachtmütz' vor dem Biber
Und danke Gott für dies mein – Fieber!

Den 26. Mai 1811.

 

An Dives.

Ein Fragment.

Unsel'ger Dives! den zur Schuld gebracht
Der bösen Stunde Lockung und Kabale!
Des Glückes Günstling, fühlst du seine Macht,
Ob deinem Haupte barst des Zornes Schaale.
Der Erste einst an Reichthum, an Genie,
Wie stieg dein Morgen auf in hellstem Scheine!
Doch dich ergriff unheilige Manie
Zu dunkler That, bald standest du alleine,
Verachtet und geflohn, der Qualen Qual war deine!

1811.

 

Aus dem Französischen.

Aglaja, Dichterin
Und Schöne, hat zwei Sünden:
Sie macht wol ihr Gesicht,
Die Verse nicht – aus Gründen!

Eingeschobene Adresse. Unter den an das Drury-Lany-Comité eingeschickten Adressen war eine des Dr. Busby, betitelt der Monolog, wovon Obiges eine Parodie ist.

Von Dr. Plagiarius.

Halb gestohlen, wie zugestanden wird, und bestimmt bei Eröffnung des neuen Theaters in unarticulirten Tönen von Meister P. gesprochen zu werden. Die gestohlenen Sätze sind durch Gansfüßchen bezeichnet.

»Wenn mächt'ger Stoff die Menschen umgetrieben,«
Wird Gott weiß was von Gott weiß wem geschrieben.
»Hier folgt ein Monolog bescheidner Art,«
Der »jüngst« gezischt von dem Theater ward,
Als schrieb' Sir Tretful jenen Vers »zum Schlafen,«
Um durch den »Schundvortrag« des Sohns zu strafen.
»Doch würdet ihr darob nicht sehr erstaunen,«
Säht ihr, welch' Zeug entströmt des Dichters Launen.
»Ein Lächeln könntet ihr nicht unterdrücken,«
Säht ihr die Vers' – die besten zum Verrücken!
»Glut, Feuer, Flammen!« (aus Lucrez beschworen),
»Vergleiche, die uns Wunden hau'n« gleich Thoren
»Und Qual, die schläft, erwecken – doch hinweg!«
(Der Teufel hol' mich, wenn ich komm' vom Fleck)
»Schau! Hoffnung breitet ihre Schwingen aus,«
Was Busby schrieb, spricht Meister G. dem Haus,
»Wenn Große man vergleichen darf mit Kleinen«
(Entnommen der Grammatik für die Feinen!),
Fährt der dramat'sche »Geist 'nen Siegerwagen,«
Und läßt aus Moskau »Theerfaß«-gluten schlagen.
»So Wellington in Spanien hatt' den Namen,«
Er liefre Drurylane die Melodramen;
»Ein zweiter Marlb'rough weist auf Blenheim hin«
Und Georg und ich dramatisiren ihn.

»In Kunst und Wissen glänzte Albion«
(Ich hab's entdeckt, nur lch, und lange schon),
»O Poesie, die meinen Vers durchpflügt«
– Wenn ich kein Esel bin und Fama lügt –
»Dich rufen wir! Ruf' du den Schwesterkünsten«
Mit »Leier«, »Pinsel« und noch andern Dünsten.
Wenn so wir uns gewannen alle Musen,
Ziehn hinterher unfehlbar die Medusen:
»Drei, die Cupido ihren Reiz gestohlen«
(Ihr wißt wer's ist, sonst – sollen sie euch holen),
»Harmonisch Volk,« das ich behielt in petto,
Um's einzureihn im »göttlichen «sestetto,«
»Indeß die Dichtkunst« mit den Göttermetzen
»Die Rolle spielt« in allen »obern« Plätzen.
»So werdet ihr dahin erhaben schweben«
In dem Ballon, den Busby's Sänge heben,
»Und glänzen durch Kostüm, Coulisse, Spiel«
(Ein freier Tag ward Georg für diesen Stil),
»Nie flog alt Drury solchen hohen Strich,«
So sagt der Dirigent, so sag' auch ich.
»Halt ein, sprecht ihr, mit diesem eiteln Loben,«
Ist dies das Werk, das man bei Seit' geschoben?
»Ja, ja! dies könnt' wohl mindern unser Blähen;«
Noch schau, man druckt, was ihr beliebt zu schmähen.
»Wir müssen auf euch schaun, ihr gebt den Lohn;«
Zwanzig Guineen, wie wir erfahren schon;
»Und euer Lohn wird doppelt uns zum Segen.«
Ich wollte drum, ich dürfte ihn schon wägen.
»Der Doppelwunsch aus Doppelgrund entsteht:«
Mein Sohn und ich um euern Beifall fleht.
Die nächste Subscriptionslist' sagt in Zahlen
»Wie ihr uns leben laßt in euern Strahlen.«

October 1812..

 

Auf ein Sommerhaus in Hales-Owen. In Warwickshire.

Wenn Drydens Thor, der Langweil' zu entgehen,
Die Zeit verpfiff aus Mangel an Ideen, Siehe Cymon und Iphigenie.
So füllte dieser Pinsel seine Leere
Durch arglos Thun und blieb in seiner Sphäre;
Und füllten Cymons heutige Kam'raden
Die Mußezeit mit solchen Cymonsthaten,
So sähen nicht die Gäste mit Erröthen
Die grünen Gänge hier beschmutzt durch Kröten.
Doch straft das Schicksal dadurch diese Narren,
Daß Schmutz und Thorheit zeichnet, wo sie scharren,
Wie auf der Wand, wo krochen gift'ge Schlangen,
Der Geifer sagt, daß sie hier hingegangen.

 

Martial. l. Buch. 1. Epigr.

Hic est, quem legis, ille quem requiris,
Toto notus in orbe Martialis.

Der den du lies'st und den du liebst zumal,
Ist jener weltbekannte Martial,
Der Epigramme schreibt. Gib ihm die Ehr',
Die du ihm weihst, so lang am Leben er:
Er hört, er fühlt, er kennet sie doch dann,
Der Nachruf trifft den Dichter nicht mehr an.

 

Neues Duett

Nach der Melodie: Ei du kecke Dirne.

Ei du unverschämter Tom,
Lasse dein Getrampel!
Mit Kritik ich sonst dir komm'
Ueber den Herrn Campbell.

 

Antwort.

Ei du saubrer Pfarrer Bowles,
Trunkenster der Pfaffen!
( Zum Publikum.) Wie kann euer Witz und Stolz
Hören diesen Affen?

 

Epigramme.

O Castlereagh, du bist jetzt Patriot!
Cato starb für sein Land – auch du – helf Gott!
Er starb, um Rom zu schauen nicht in Ketten,
Du schnittst den Hals dir ab, dein Land – zu retten.

So schnitt sich Castlereagh den Hals ab – ach!
'S war leider nicht der erste, den er brach.

So hat er sich den Hals denn abgeschnitten. –
Wer? – Er, durch den sein Land dies längst erlitten.

 

Grabschrift.

Die Nachwelt weiht wol nie mehr ein
Ein edler Grab als dieses!
Hier ruhet Castlereagh's Gebein,
Steh, Wandrer, und bep– es.

 

Die Eroberung.

Dieses Fragment wurde unter Lord Byron's Papieren gefunden, nachdem er von Genua nach Griechenland abgereist war.

8.–9. März 1823.

I.

Der Liebe, Sohn, des Krieges Herrn ich singe,
Der England beugte durch die Normandie,
Erob'rer mehr als König durch die Klinge,
Ließ er den Namen seiner Dynastie.
Nicht nur getragen von des Sieges Schwinge
Schuf einen Thron sein kräftiges Genie.
Der Bastard hielt, ein Leu, die Beute jetzt,
Der beste Sieger Englands kam zuletzt.

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