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George Gordon Noël Byron: Gedichte - Kapitel 4
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typepoem
authorGeorge Byron
titleGedichte
publisherVerlag von Phillip Reclam jun.
seriesLord Byrons sämtliche Werke
volumeDritter Band
translatorAdolf Seubert
correctorreuters@abc.de
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1808–1809.

 

Wohl! du bist glücklich.

Wohl! du bist glücklich, und ich meine,
Daß ich auch glücklich sollte sein,
Denn dein Glück ist noch stets das meine,
Mit alter Wärme denk' ich dein.

Dein Mann ist glücklich, und mich fassen
Die tiefsten Qualen, dies zu sehn.
Doch sei es so! Ich würd' ihn hassen,
Könnt' seine Liebe schon vergehn.

Als jüngst dein holdes Kind ich, schaute,
Da glaubt' ich fast, mir brech' das Herz;
Doch da gelächelt nun das traute,
Da küßt' ich's, und dacht' dein in Schmerz.

Ich küßt's, und hemmt' der Thränen Lauge,
Als ich in ihm den Vater sah;
Es hatte doch der Mutter Auge,
Für meine Lieb' war Alles da!

Leb', Mary, wohl! Ich muß – ich gehe!
Doch klag' ich nicht, da du beglückt.
Nur trag' ich's nicht in deiner Nähe,
Mein Herz wär' bald aufs Neu' verrückt.

Ich glaubte, meine kind'schen Flammen
Hab' endlich Stolz gelöscht, und Zeit;
Erst als ich war mit dir zusammen,
Fühlt' ich in mir den alten Streit.

Doch war ich ruhig! Es gab Zeiten,
Wo ich gebebt vor deinem Blick;
Dies jetzt zu thun, muß ich vermeiden,
Kein Nerv' verrieth mein hart Geschick.

Als du ins Antlitz mir gesehen,
Gewahrtest kein Erregen du,
Nur Ein Gefühl mocht'st du erspähen:
Nur der Verzweiflung dumpfe Ruh'.

Fort, fort! Nie wieder darf erwecken
Erinn'ung meinen Traum und – dich!
Wo kann ich Lethe's Strom entdecken?
Mein närrisch Herz! schweig' oder brich!

Den 2. November 1808.

 

Auf das Denkmal eines Newfoundländers.

Dieses Denkmal bildet noch eine hervorragende Zierde im Garten von Newstead. Folgendes ist die Inschrift, die den Versen vorangeht:

In der Nähe dieses Orts
Liegen die Ueberreste Eines,
Der Schönheit besaß ohne Eitelkeit,
Stärke ohne Frechheit,
Muth ohne Grausamkeit
Und alle Tugenden des Menschen ohne dessen Laster.
Dieses Lob, welches unsinnige Schmeichelei wäre.
Wenn über der Asche eines Menschen eingegraben.
Ist nur ein gerechter Tribut für das Andenken an
Boatswain, einen Hund
Der geboren ward zu Newfoundland im Mai 1803
Und starb zu Newstead Abbey am 18. November 1808.

Lord Byron meldete Hrn. Hodgson den Tod seines Lieblings mit folgenden Worten: »Boatswain ist todt! – Er starb am 18. in einem Zustand von Tollheit und nach vielen Leiden; doch behielt er die Liebenswürdigkeit seines Wesens bis zum letzten Augenblick und fügte keinem in seiner Umgebung ein Leid zu. Ich habe jetzt außer dem alten Murray Alles verloren.« – In seinem Testament, welches er im Jahre 1811 aufsetzte, bestimmte er, daß sein Leichnam in einer Gruft in seinem Garten in der Nähe seines treuen Hundes beigesetzt werden solle.

Wenn heim zur Erd' ein stolzes Weltkind geht,
Das Ruhm nicht kennt, Geburt nur einst gebläht,
Zahlt Bildners reiche Kunst des Weh's Tribut
Und schmucke Urnen melden, wer dort ruht.
Wenn Alles aus, ersieht man an dem Grab,
Nicht was er war, nein! wie er sich einst gab.
Jedoch der Hund, des Menschen treuster Freund,
Der stets zuerst beim Gruß und Kampf erscheint,
Deß ehrlich Herz ganz seinem Herrn gehört,
Der für ihn ficht und lebt und sieht und hört,
Geht ungeehrt und ungeschätzt zu Grab,
Man spricht die Seel', die er gezeigt, ihm ab.
Der Mensch jedoch will hochgewürdigt sein
Und einen Himmel für sich ganz allein.
O Mensch! der kaum die Stunde hat in Pacht,
Beschmutzt durch Knechtschaft und verderbt durch Macht,
Mit Ekel läßt dich, wer dich recht erkennt,
Belebten Staub's gemeines Element!
Lust ist dein Lieben, deine Freundschaft Trug,
Dem Lächeln Heucheln, deine Worte Lug.
Schlecht von Natur, schön durch des Namens Zier,
Könnt' dich beschämen jed' verwandtes Thier.
Geht, die ihr diese simple Urne schaut!
Ihr klagt doch nicht um diese biedre Haut.
Der Stein deckt eines Freundes Neste mir,
Ich kannte Einen nur – und der liegt hier.

Newstead Abbey, den 30. November 1803.

 

An eine Dame,

die mich fragte, warum ich England verlasse.

Als aus dem Paradies vertrieben
Der Mensch noch säumte an dem Thor,
Da sah er ach! was ihm geblieben
Und fluchte dem, was stand bevor.

Doch wie er zog durch ferne Weiten,
Lernt' tragen er des Kummers Last;
Er seufzte zwar um jene Zeiten,
Doch, gab ihm Arbeit Trost und Rast.

So, Theure, will's auch mir ergehen:
Ich muß ja deine Reize fliehn,
Denn blieb' ich, um sie noch zu sehen,
Sie würden stets mich zu dir ziehn.

Den Schlingen kann ich nur entgehen,
Wenn ich entfliehe meiner Pein;
Ich kann mein Paradies nicht sehen!
Daß ich nicht wünschte, drin zu sein!

Den 2. December 1808.

 

Mahne mich, o mahn' mich nimmer!

Mahne mich, o mahn' mich nimmer
An die süß verschwundnen Stunden,
Da dir meine Seel' gehörte,
An die Stunden, leuchtend immer,
Bis die Lebenskraft verschwunden,
Dich und mich die Zeit zerstörte!

Ach kann ich, kannst du vergessen,
Wie in deinem Haar ich wühlte!
Wie dein flüchtig Herzchen bebte!
Wie du da bei mir gesessen,
Auge sprach und Busen fühlte,
Lippe stumm nach Liebe strebte!

Wie du an mein Herz dich hängtest,
Wie die Augen feurig quollen,
Halb in Zorn, halb in Begehren.
Du mir nah und näher drängtest,
Wie die Lippen glühend schwollen,
Sich in Küssen aufzuzehren!

Wie die Augen matt sich schlossen,
Sich begegneten die Lider,
Um den blauen Stern zu decken!
Wie die schwarzen Wimpern flossen
Auf die blassen Wangen nieder,
Rabenhaar auf Schnee'es Strecken!

Gestern träumt' ich, unsre Liebe
Sei zurück; und süßer däuchte
Mir der Traum in seinem Scheine,
Als für Andre neue Triebe,
Ach für Augen, die nicht feuchte
Von der Liebe Rausch wie deine.

Darum schweig' und mahn' mich nimmer
An die Stunden, die verschwunden,
Doch ein Traum zurück kann bringen,
Bis man uns vergißt für immer
Unterm kalten Stein da drunten,
Der besagt, daß wir vergingen.

 

'S gab eine Zeit, warum sie nennen?

'S gab eine Zeit, warum sie nennen?
Sie wird doch nie vergessen sein –
Da Eins war unsrer Herzen Brennen,
Wie dir jetzt meines brennt allein.

Und keine Stund' – seit deine Lippe
Mir Liebe heiß, wie meine, schwur,
Wenn auch, mein Herz an manche Klippe,
Die du nicht sahst, noch fühltest, fuhr –

Und keine Stunde ist gesunken
So tief, als da die Liebe dein
Floh wie der Kuß, den ich getrunken,
Doch floh aus deiner Brust allein.

Doch wollte es zum Trost mir dienen,
Als jüngst dein Mund zu Tag gebracht
In Tönen, die einst treu mir schienen:
Daß du der alten Zeit gedacht!

Ja, Theure! härteste der Frauen!
Willst du auch lieben nimmermehr,
Ist mir's doch doppelt süß zu schauen,
Daß du der Liebe denkst noch sehr.

Ja, der Gedanke kann erheben;
Ich will nicht länger traurig sein.
Was du auch bist und magst erleben,
Du warst einst ganz und einzig mein.

 

Und wenn ich sterbe, willst du weinen?

Und wenn ich sterbe, willst du weinen?
O Theure, sag' das noch einmal!
Doch nein! es könnte grausam scheinen,
Und nie möcht' ich dir bringen Qual.

Mein Herz ist trüb, dahin mein Hoffen,
Es fließt mein Blut so kalt und matt.
Nur du wirst, fahr' ich hin, betroffen
Und weinst an meiner Ruhestatt.

Und doch! durch meine Schmerzensnächte
Bricht, wie mir dünkt, ein Friedensstrahl,
Der meinen Kummer freundlich schwächte:
Ich weiß, dein Herz, fühlt meine Qual.

O Theure! Segen diesen Thränen!
Um Einen, der nicht weinen kann!
So kostbar Naß freut doppelt Jenen,
In dessen Aug' es längst gerann.

Einst war mein Herz so warm, Geliebte,
Es fühlte weich, und ganz mit dir;
Doch selbst der Schönheit Reiz zerstiebte
Für mich, der nur zum Elend hier.

Doch wenn ich sterbe, willst du weinen;
O Theure, sag' es noch einmal!
Doch nein! es könnte grausam scheinen,
Und nie möcht' ich dir bringen Qual.

 

Füll' wieder den Becher!

Füll' wieder den Becher, denn niemals zuvor
Empfand ich im Herzen so heißen Rumor!
Kommt, trinket! Wer nicht? Denn dies wechselnde Rund
Zeigt nur in dem Becher nicht Täuschung am Grund.

Ich schmeckte, was Leben nur bieten gekonnt,
Ich hab' mich in funkelnden Augen gesonnt:
Ich liebte! Wer nicht? Doch wer faselt noch kühn,
Daß Glück er gefunden in liebendem Glühn?

In Tagen der Jugend, da's Herz noch im Mai
Und träumet, daß Neigung unwandelbar sei,
Da hatt' ich auch Freunde! Wer nicht? Doch wer fand,
Daß so treu je ein Freund wie der Wein zu ihm stand?

Das Herz der Geliebten kann stehlen ein Wicht,
Mit der Sonn' wechselt Freundschaft, doch du wechselst nicht.
Alt wirst wol auch du. Und wer nicht? Doch sagt an,
Weß Güte wie deine durch's Alter gewann?

Vom Höchsten beglückt, was die Liebe gewährt,
Wenn nun ein Rival zu dem Liebchen! sich kehrt,
Da werden wir wild! Und wer nicht? Du bist hin,
Stets herzlicher freun im Genuß wir uns dein.

Und wenn dann die Jugend und Eitelkeit hin,
Zum Becher als letztem Asyle wir fliehn
Und finden – wer nicht? daß die Seele uns schwillt
Und Wahrheit wie eh'dem im Becher nur quillt.

Als einst sich die Büchse Pandora's erschloß
Und Leid über Freude Triumphe genoß,
Blieb Hoffnung noch übrig. War's nicht? Doch wer trinkt,
Braucht Hoffnung nicht mehr, weil ihm Sicherheit winkt.

Lang lebe die Rebe! Wenn Sommerlust hin,
Erquickt alter Nektar des Alters Ruin.
Wir sterben. Wer nicht? Doch vergebe uns Gott!
Und Hebe im Himmel bewirthe uns flott.

 

An Frau Musters,

als Byron England verließ.

Es ist geschehn! Im Winde bebt
Der Barke Segel, weiß entfaltet!
Die frische Brise sich erhebt
Und mit dem Maste pfeifend schaltet,
Und ich muß fort als wie im Bann!
Weil ich nur Eine lieben kann!

Doch könnt' ich sein, wie ich einst war
Und könnt' ich sehn, was ich gesehen,
Könnt' ich am Herzen ruhen gar,
Dem einst gegolten Wunsch und Flehen,
Nicht in die Fremde zog ich dann,
Weil ich nur Eine lieben kann.

Lang ist's, daß ich das Auge sah,
Das Glück und Elend mir gegeben;
Vergebens rang ich, ihrer ja
Nicht mehr zu denken hier im Leben,
Denn wenn ich auf die Flucht auch sann,
Ich doch nur Eine lieben kann.

Dem Vogel gleich, dem's Weibchen floh,
Ist mein ermüdet Herz verlassen;
Ich schau umher, kann nirgendwo
Ein Lächeln, einen Gruß erfassen:
Ich bin allein bei Jedermann,
Da ich nur Eine lieben kann.

Ich will durchziehn den weißen Schaum,
Ein Heim erspähn nach allen Winden;
Erst wenn dein hold Gesicht nur Traum,
Dein falsches! kann ich Ruhe finden.
Mein eigner Spleen ist mein Tyrann,
Da ich nur Eine lieben kann.

Es findet auch der ärmste Wicht
Noch einen Herd auf dieser Erde,
Wo Freundschaft, wo der Liebe Licht
Ihm lächelt, daß ihm besser werde.
Nicht Freund, noch Liebchen ich gewann.
Da ich nur Eine lieben kann.

Ich geh'! Wohin mich führt mein Schmerz,
Da ist kein Aug', um mich zu weinen,
Da ist kein lieb, sympathisch Herz,
Mit dem ich könnte meines einen,
Auch du weinst nicht, mein Herzgespann,
Obschon ich dich nur lieben kann.

Zu denken deß, was einst geblüht,
Deß, was wir sind und was wir waren,
Zermalmte wol ein weich Gemüth,
Das meine ach! ist nicht zerfahren;
Doch schlägt mein Herz noch, wie's begann,
Da ich nur Eine lieben kann.

Doch wer die Heißgeliebte sei,
Gemeine Augen nicht erkennen;
Warum der Liebe Glück vorbei,
Du weißt's, ich fühl's und will's nicht nennen.
Doch selten wol ein andrer Mann
So lang' nur Eine lieben kann.

Ich hab's versucht mit Andern mehr,
Die wol nicht minder reizend waren;
Gern liebte ich auch sie so sehr,
Doch war vergebens mein Gebahren;
Ein Zauber hielt mein Herz im Bann,
Da ich nur Eine lieben kann.

Ich hätte gern dich noch gesehn,
Mein Lebewohl dir noch zu sagen;
Doch, soll dein Aug' nicht übergehn,
Um Den, der über's Meer verschlagen,
Dem Heimat, Jugend, Lieb' zerrauf,
Doch Der nur Eine lieben kann!

1809.

 

An Herrn Hodgson

an Bord des Lissaboner Postschiffes.

Hurrah, Hodgson! Bald wir gehen,
Frei von des Embargo's Last,
Günst'ge Winde wehn und blähen
Alle Leinwand überm Mast.
Das Signal flaggt schon von Oben,
Horch! Der Abschiedsschuß erschallt,
Weiberkreischen, Seemannstoben
Mahnet, daß wir fahren bald.
Hier die Kralle
Faßt uns Alle,
Reicht zum Zollhaus weit heraus:
Koffer rührend,
Schachteln spürend,
In der Ecke nicht die Maus
Bleibt verschont von dem Barbaren,
Eh' wir mit dem Postschiff fahren.

Mannschaft löst die Ankerschnecke,
Ruder hebet jede Hand,
Von dem Kai kommt das Gepäcke,
Ungeduld treibt uns vom Land.
»Gebet Acht! Dies hält Getränke!
Halt! – O Gott! mir wird so schlecht!«
»»Schlecht, Madame? Das kommt, ich denke,
Wenn wir fahren, erst noch recht.««
Männer, Frauen,
Schrein, miauen,
Herren, Damen, Knecht und Magd!
Welch' Verwirren!
Hadern, Girren!
Alles in einander hakt!
So das Lärmen und Gebahren,
Wenn wir nach dem Postschiff fahren.

Wir sind da! Hier commandiret
Der Cap'tän, ein Biedermann;
Unsre Schaar wird installiret,
Das Gemurr, Gespei' fängt an.
»Heda! nennt ihr das Kabine?
Vier Quadratschuh sind es kaum,
Platz hat kaum hier eine Biene,
Wer hält's aus in solchem Raum?«
»»Wer, Herr? – Grafen!
Zwanzig trafen
Jüngst auf meinem Schiff sich doch!««
»Wirklich? Himmel!
Welch Gewimmel!
Wollte Gott, sie thäten's noch,
Das würd' mir die Pein ersparen,
In dem Postschiff heut' zu fahren!««

Fletcher! Murray! Bob! Die Diener Byron's. Wo seid ihr?
Da! wie Klötze auf dem Grund.
Hilf mir, Freund Matros, und leih' mir
Dort dies Tauend' für die Hund'!
Hobhouse murmelt Schreckensflüche.
Wie er durch die Luke rollt,
Und dem Meere erst der Küche
Werke, dann sein eignes zollt.
»Hier die Stanza
Auf Braganza,
Gib –!« – Ein Verschen? – »Nein! ein Glas
Mit warm Wasser –«
Solch ein Hasser? –
»Still! mir kommt's! Das ist kein Spaß!
Kann uns denn kein Gott bewahren
Vor dem bösen Postschifffahren?«

Endlich geht's zum Türkenlande!
Gott weiß, wann man wiederkehrt!
Plötzlich sitzt man auf dem Strande,
Wenn daher das Wetter fährt.
Doch da höchster Spaß das Leben,
Wie der Philosoph docirt,
Muß man sich dem Spaß ergeben.
Also lacht, wie ich's probirt,
Ueber jede
That und Rede,
Krank, gesund, zur See, zu Land!
Laßt uns lachen!
Netzt den Rachen!
Scheert euch nichts um andern Tand!
Guten Wein her! Nur kein Sparen,
Wenn man muß im Postschiff fahren.

Falmouth Roads, den 30. Juni 1809.

 

In ein Album zu Malta.

Wie auf dem kalten Grabessteine
Ein Namen zu dem Wandrer spricht,
So mög' auf diesem Blatt der meine
Einst fesseln deiner Augen Licht.

Und fällt in, späteren Perioden
Der Namen neu ins Auge dir,
So denk' an mich als einen Todten
Und denk': »sein Herz begrub er hier!«
Den 14. September 1809.

 

An Florence Mrs. Spencer-Smith, die sich in Machinationen gegen Napoleon eingelassen und hierdurch in manche Bedrängnisse gerathen war, litt auch Schiffbruch.

Als ich den weißen Strand verlassen,
Wo ich das Leben einst empfing,
Da hofft' ich nicht mehr zu erdlassen,
Wenn sonstwo es zum Scheiden ging'.

Doch hier auf diesem öden Flecke, Malta.
Wo traurig düster die Natur,
Wo ich dein Lächeln einzig schmecke,'
Denk' ich mit Angst des Abschieds nur.

Bin ich auch fern von Englands Laren,
Von ihm getrennt durchs blaue Meer,
Trägt mich's vielleicht nach wenig Jahren
Zurück zu seinem Klippenheer.

Doch wo ich künftig auch mag schweifen
Durch heiße Zonen, wilde See,
Mag ich die Heimat wieder streifen –
Dich seh' ich nicht mehr, holde Fee:

Dich, die da prangt in jenen Reizen,
Die Herzen fesseln immerdar,
Wo schaun bewundern heißt und heizen
– Verzeih' das Wort! – der Lieb' Altar.

Verzeih' das Wort! es soll nicht kränken
Dich holde, theure Zauberin;
Und kannst du mir dein Herz nicht schenken,
Glaub' mir, daß ich dein Freund doch bin.

Wer könnt' dich schaun, wenn er auch wollte,
Und würde nicht von dir durchloht?
Wer würde nicht, was Jeder sollte,
Der Freund der Schönheit, die in Noch?

Wer glaubte wol, daß diese Hülle
Durcheilt die Pfade der Gefahr,
Getrotzt des Wettersturms Gebrülle,
Despotenzorn entflohen gar?

Wenn ich nun stehe vor dem Walle,
Wo einst Byzanz sich streckte frei,
Und Stambuls morgenländ'sche Halle
Jetzt hegt des Türken Tyrannei,

Dann trägt – so hochberühmt noch immer
Auch gelten mag die stolze Stadt – !
Sie mir doch keinen schönern Schimmer,
Als daß sie dich geboren hat.

Wenn jetzt ich Lebewohl dir sage
Um bald die Wunderstadt zu sehn,
Wird, da ich nicht zu bleiben wage,
Mir's süß sein, wo du gingst, zu gehst.

September 1809.

 

Bei einem Gewitter.

Der Nachtwind ist so wüst und kalt,
Wo Hindus sich erhebt,
Und wilder Wolkenguß erschallt,
Als ob der Himmel bebt'.

Die Führer fort! Die Hoffnung hin!,
Es zeigt der Blitze Schein
Nur, wie die Felsen uns umziehn
Mit Strömen im Verein.

Ist's einer Hütte matter Schein,
Was dort beim Blitze winkt?
Willkomm'nes Obdach war's! Ach nein!
Ein Türkengrab nur blinkt.

Durch das Getös' der Wasserflut
Schallt her ein banger Ton;
Mein Landsmann ist's in trübem Muth,
Er ruft sein Albion.

Ein Schuß ertönt! Ist's Freund? Ist's Feind?
Noch einer! Er beweist,
Daß schon des Berges Sohn erscheint
Und uns der Noth entreißt.

Wer wagt in solcher wilder Nacht
In solche Wildniß sich?
Wer hört, wenn laut der Donner krocht,
Sein Nothsignal und mich?

Und wer, der unsern Ruf gehört,
Steht auf und wagt den Pfad
Und glaubt nicht, daß Geschrei ihn stört
Von Räubervolk, das naht?

Die Wolke bricht, der Himmel bebt,
Der Sturmwind heult Allarm,
Doch Ein Gedanke hier noch lebt
Und hält den Busen warm.

Ich wandre durch zerriss'nen Pfad
Auf Busch und Felsen zu,
Wo uns Natur im Zorn genaht –
Wo, Florence, bist jetzt du?

Nicht auf der See, nicht auf der See,
Dein Schiff ist längst davon.
O mög' der Sturm, der mir bracht' Weh'
Dein Haupt nicht auch bedrohn!

Scirocco blies mit voller Macht,
Als ich den Mund dir schloß,
Und jagte deine flotte Jacht
Hinaus mit wildem Stoß.

Nun bist du sicher; lange schon
Liegst du an Spaniens Strand.
Wie grausam, wär' der Schönheit Kron'
Aufs weite Meer gebannt!

Und weil ich jetzt gedachte dein,
Da Angst mich, Nacht befiel,
Wie in der Stunde holdem Schein
Bei Lust und Saitenspiel,

So schau auch du von Cadix' Wall,
Wenn er noch frei von Strauß,
Von Zeit zu Zeit von hoher Hall'
Aufs blaue Meer hinaus.

Denk' an Calypso's Insel dann, Malta.
Gar manchen Tag uns lieb,
Und lächelst du auch manchem Mann,
Mir einen Seufzer gib.

Und wenn dein Freierkreis entdeckt,
Wie blaß dein Angesicht,
Wie eine Thräne sich versteckt,
Ein Funken drin sich bricht,

Dann lächelst du, wirst roth und lenkst
Der Narren Spott wol ab
Und gibst nicht zu, daß Deß du denkst,
Der dein denkt bis ans Grab.

Zwar Lächeln ist und Seufzen leer,
Wo ferne klagt ein Herz,
Doch flieht mein Geist wol übers Meer
Und sucht nach dir im Schmerz.

 

Im Golf von Ambracia.

Im Silberschein strahlt neu geboren
Der Mond auf Actiums Küste hin;
Hier ward gewonnen und verloren
Die Welt um Memphis Königin.

Nun schau ich auf die gleiche Zone,
Wo manches Römers blaues Grab,
Wo Ehrgeiz einst die schönste Krone
Dahin für eine Schöne gab.

Florence, für die ich fühle Triebe,
Wie je sie sang des Dichters Schwung,
(Seit Höllen sprengte Orpheus' Liebe)
So lang du schön bist und ich jung, –

Florence, das waren schöne Zeiten,
Als man die Welt gab für 'nen Kuß;
Könnt' ich durch Reime Reich' erstreiten,
Dir blühte ein Antonius.

Die Zeit ist jetzt dafür zu trocken,
Doch «kann ich keine Welt um dich
Verlieren, möcht' – bei deinen Locken!
Dich um die Welt nicht lassen ich.

Den 14. November 1809.

 

Der Zauber brach, der Reiz verflog.

Athen, den 16. Januar 1810.

Der Zauber brach, der Reiz, verflog!
So geht's mit unsern Liebesnöthen:
Man' lächelt, wo man sollt' erröthen,
Daß Wahnwitz uns so lang betrog.

Ein Lichtblick, den der Geist erwirbt,
Zeigt ihm, daß Weh' uns stets, umgebe;
Wer als ein Weiser thun will, lebe
Als Dulder, wie der Heil'ge stirbt.

 

Nachdem Byron von Sestos nach Abydos geschwommen war.

Am 3. Mai 1810, während die »Salsette« (Capitän Bathurst) in den Dardanellen vor Anker lag, schwamm Lieutenant Ekenhead dieser Fregatte und ich vom europäischen nach dem asiatischen Ufer (von Abydos nach Sestos wäre, das Richtigere gewesen). Die ganze Entfernung von dem Punkte, wo wir abgingen, bis zu dem Landungspunkte jenseits, betrug, die Strecke, wo wir von der Strömung getragen wurden, mit eingeschlossen, nach dem Urtheil der an Nord der Fregatte Befindlichen, etwas mehr als vier englische Meilen, während die directe Entfernung nur eine beträgt. Die Gewalt der Strömung ist aber so groß, daß kein Boot gerade hinüber fahren kann, weshalb die Strecke auch von den Einen in 1 Stunde und 5 Minuten, von den Andern in 1 Stunde und 10 Minuten zurückgelegt wird. Das Wasser war in Folge des Schmelzens des Gebirgsschnees sehr kalt. Wir hatten schon drei Wochen früher, im April, einen Versuch gemacht; da wir aber an diesen Tage schon eine große Strecke geritten waren und das Wasser eisig kalt war, hielten wir es für nothwendig den Versuch auf später zu verschieben, bis die Fregatte unter den Schlössern ankerte; wo wir ihn dann in der angegebenen Weise ausführten und dabei bedeutend oberhalb dem europäischen Fort ausgingen und unterhalb dem asiatischen landeten. Chevalier behauptet, ein junger Jude habe seiner Geliebte zu lieb den gleichen Weg gemacht; Oliver sagt dasselbe von einem Neapolitaner; unser Consul Tarragona erinnerte sich jedoch dieser Fälle nicht, und versuchte uns die Sache auszureden. Mehrere Matrosen von der »Salsette« sollen übrigens eine größere Strecke geschwommen sein; es wundert mich nur, daß, da die Geschichte Leanders bezweifelt wurde, bis dahin noch kein Reisender den Versuch gemacht hat, die Möglichkeit zu erproben.

Wenn einst Leander nach Berichte
Im finsteren Decembermond
(Welch Mädchen weiß nicht die Geschichte?)
Dich oft durchschwamm, mein Hellespont!

Wenn, als des Winters Stürme gossen,
Er Hero heimgesucht durchs Meer
Und, dann der Strom so kalt geflossen
Wie heut', bedaur' ich beide sehr.

Mir, dem modernen, weichen Wichte
Hängt's, ob der Mai schon längst fing an,
Am nassen Leib wie Bleigewichte,
Mir ist, als hätt' ich viel gethan.

Doch da die Strömung er durchschwommen
Um, wie die Wundermähr uns sagt,
Zur Lieb' und Gott weiß was – zu kommen,
Wie ich mich für den Ruhm geplagt,

Kann Keiner sich den Kranz erlügen,
Die Götter schonten beide nicht;
Ihm nahm's den Lohn, mir das Vergnügen,
Denn er ertrank, ich fand die – Gicht!

Den 9. Mai 1810.

 

Attisch Kind, ich scheid' von dir.

Ζώη μού, σάς άγαπώ

Attisch Kind, ich scheid' von dir,
Gib zurück mein Herze mir!
Oder da es einmal dein,
Wahr's und nimm, was jetzt noch mein!
Hör den Schwur, er lautet so:
Ζώη μού, σάς άγαπώ

Bei den Locken, los und lind,
Die bewegt Aegea's Wind,
Bei des Lides schwarzer Frans'.
Die da küßt der Wange Glanz,
Bei dem Aug' wie's Reh, wenn's floh:
Ζώη μού, σάς άγαπώ

Bei der Lippe süßer Lust,
Bei der hochgewölbten Brust,
Bei dem Blumenspruch, Im Orient (wo die Damen nicht schreiben lernen, damit sie keine Wechsel ausstellen) verdollmetschen Blumen, Kohle, Kiesel etc. die Empfindung der Liebende den durch Vermittelung Merkurs, d. h. eines alten Weibes. Kohle bedeutet: Ich brenne für dich! ein Blumenstrauß mit Haaren gebunden: Nimm mich hin und fliehe! aber ein Kiesel bedeutet – was sonst Nichts ausdrücken kann. der sagt,
Was kein Wort so deutlich wagt,
Bei der Liebe, trüb und froh:
Ζώη μού, σάς άγαπώ

Attisch Mädchen, ich bin fort,
Denke mein am fernen Ort!
Eil' ich auch nach Stambul hin,
Hält Athen mir Herz und Sinn,
Kann ich dein vergessen wo?
Ζώη μού, σάς άγαπώ Eine neugriechische Phrase der Zärtlichkeit; wenn ich sie übersetze, beleidige ich die Herren, weil es aussieht, als glaube ich, sie könnten es nicht; thu ich es aber nicht, so zürnen mir die Damen. Damit diese aber den Satz nicht falsch auffassen, will ich es doch thun, und bitte die Gelehrten um Verzeihung. Es heißt: »Mein Leben, ich liebe dich!« was in allen Sprachen recht hübsch klingt, und gegenwärtig in Griechenland so Mode ist, wie die zwei ersten Worte nach Juvenal es bei den römischen Damen waren, deren Liebesausdrücke sämmtlich helleinsirt waren.

1811-13.

 

Unter ein Gemälde.

Du theures Ziel verlor'ner Kämpfe!
Verlassen von der Lieb' und dir,
Blieb', daß ich meinen Jammer dämpfe,
Dein Bild und meine Thräne mir!

Die Zeit soll lindern alle Wunden;
Doch daß dies nicht so, fühl' ich hier,
Es ward, als Hoffnung mir entschwunden,
Unsterblich die Erinn'rung mir.

Athen, im Januar 1811.

 

Statt einer Grabschrift.

Mein lieber Leser, lache oder weine!
Harold ruht hier! Doch wo die Schrift zum Steine?
Such' in Westminster, tausend wirst du lesen,
Die wie gemacht für ihn und dich gewesen.

Athen.

 

Das griechische Kriegslied:

Δεύτε παιδες τών Έλλήνων! Dieses Lied ist von Riga, der bei dem Versuch, einen Aufstand in Griechenland hervorzurufen, zu Grunde ging.

Übersetzung.

Auf, Söhne der Hellenen!
Der Tag des Ruhms ist da,
Zeigt, daß ihr stammt von jenen,
Die Hellas' Sonne sah.

Chor.

Auf, Söhne der Hellenen,
In Waffen auf den Feind!
Bis ihm aus Aug' und Zähnen
Die blut'ge Thräne weint.
Verachtung dem Tyrannen
Und Haß dem Türkenjoch!
Fürs Vaterland Ermannen,
Dann bricht die Kette doch.
Ihr Schatten alter Helden,
Seht, es beginnt der Streit,
Hellenen todter Welten,
Auf, daß ihr mit befreit!
Beim Schalle der Trompete
Erwacht, des Schlafes satt!
Kämpft, bis uns führt die Fehde
Zur Siebenhügelstadt!
           Auf Söhne der Hellenen! etc.

O Sparta, warum schlafen?
Auf! zeig' dich als Hellen'
Und schicke deine Braven
Zum alten Freund Athen!
Gedenk' der alten Sänge
Von Fürst Leonidas,
Der einst aus dem Gedränge
Gerettet euch am Paß,
Als er dahingezogen
Zum Thor Thermopylä,
Bekämpft die Perserwogen
Für's Vaterland so zäh.
Mit den Dreihundert Allen
Führt' er die Schlacht so gut,
Ist Löwen gleich gefallen
In einem Meer von Blut.
           Auf Söhne der Hellenen! etc.

 

Das romaische Lied:

Μπενω μες' τσ' πέριβολι
Ώραιόταιη Xάη δή, ec. Dieses Lied ist bei den jungen Athenerinnen aller Classen sehr beliebt. Es wird als Rundgesang gesungen und alle Anwesenden bilden den Chor. Ich habe es im Winter 1810–1811 bei unsern χόροι oft gehört. Die Melodie ist sehr hübsch und klagend.

Übersetzung.

Ich komm' in den Garten der Rosen
Geliebte und schöne Haidee!
Mit Flora dort täglich zu kosen,
Denn wahrlich in dir seh' ich sie.
Ich stehe m Demuth: o Süße!
Glaub', was dir gestehet mein Mund,
Sein Lied bringt dir feurige Grüße,
Er bebt, gibt er Solches du kund;
Wie Zweige die Bäume vergnügen
Durch Früchte und Duftes Magie,
So schimmert aus Augen und Zügen
Die Seele der jungen Haidee.
Doch der herrlichste Garten verödet,
Wo Liebe verläßt das Revier.
Gib Schierling! – Da meine mich tödtet,
Er duftet am herrlichsten mir.
Das Gift, das dem Kelche entflossen,
Verleihet dem Trunke wol Pein,
Doch geschlürft deiner Bosheit zum Possen,
Wird lieblich der Seele es sein.
Du Harte! umsonst ist mein Ringen,
Mein Herze zu retten davor;
Kann nichts dich wieder mir bringen,
So öffne das Grab mir sein Thor.

Wie der Krieger zum blutigen Tanze,
Hinstürmt seines Sieges gewiß,
So dein Aug' mir wie eine Lanze
Den Kern meines Herzens durchsticht.
O sag', muß das Leben ich lassen,
Wo mich heilte ein lächelnder Strahl?
Würde Hoffnung, die einst ich durft' fassen,
Zu gut mir vergelten die Qual?
Wie öd' ist der Garten der Rosen,
Geliebte, doch, falsche Haidee!
Dort welket ja Flora verstoßen,
Du fliehest mich Armen und sie.

 

Im Fremdenbuch von Orchomenus.

Ein Tourist hatte in dasselbe geschrieben:

»Schön Albion sieht seinen Sprossen gehn,
Die Wiege und das Haus der Kunst zu sehn;
Das Ziel ist edel, herrlich das Panier:
Er schaut Athen und schreibt den Namen hier.«

Darunter schrieb Byron:

Vom Namen singt bescheiden der Poet,
Doch schweigt er weislich, wo der seine steht.
Doch wer er sei, sein Name klingt gewiß
Weit besser als der Vers, den er hier ließ.

 

Beim Scheiden.

Der Kuß, den deine Lippe mir
Geschenkt, soll dort verbleiben,
Bis schön're Stunden wieder dir
Ihn auf die Lippen schreiben.

Dein Scheideblick, der zärtlich strahlt,
Soll gleiche Liebe schauen,
Die Thräne, die dein Wimper malt,
Nie wegen Untreu thauen.

Ich will kein Pfand, um es beglückt
Zu schaun, wenn ich alleine,
Kein Zeichen, das mein Herz entzückt;
Mein Denken ist das deine.

Ich schreib' auch nicht; die Feder kann
Doch, was ich fühl', nicht sagen;
Was nützen eitle Worte dann,
Darf dich das Herz nicht fragen?

Bei Tag und Nacht, in Freud' und Leid
Wird dieses Herz, dein eigen,
In Liebe glühn für dich, o Maid,
Doch seufzend nie sie zeigen.

Im März 1811.

 

Grabschrift

auf Joseph »Schwarzer«, weiland Dichter und Schuster.

Sieh, Wandrer, hier beisammen ruhn
Gelehrtes und des Leders Thun;
Der arme Sepp ist hin und warf
In seine Bude Ahl und Harf'.
Oft waren seine Werke sein
Genäht, geleimt in Maroquin.
Tritt sachte, wo der Dichter ruht,
Weil er dich nicht mehr neu beschuht.
Doch ihm ist in der Grube wohl,
Sein Vers so ewig wie die Sohl';
Er hielt an dem Geschäfte treu,
Auch an Apollo ohne Reu'.
Wer höhnte drum, sein Genius
Sei Leder nur und »Zwetschenmuß?«
Selbst an Charakter fehlt's ihm nie,
Ihn »schwärzen« wäre Blasphemie.

Malta, den 16. Mai 1811

 

Auf Moore's letzte Opernposse oder Possenoper.

Preisstücke schwer sprossen
Drum schreibet Moore Possen.
Das schmutzt seinen Titel
Bis jetzt wußt' man nur:
Der Little sei Moore,
Jetzt ist Moore auch noch little. Moore schrieb zuerst unter dem Namen Little; daher das Wortspiel. Little = klein, gering.

 

An einen Freund.

Auf die Ermahnung, heiter zu sein und die Sorgen zu lassen.

»Die Sorgen lassen!« – Immer wieder
Sagst du mir vor dies Lied der Lieder!
Auch ich sings wol in wilden Nächten,
Wenn jene Freuden mich umflechten
Womit Verzweiflungs arme Söhne
Einlullen ihres Herzes Töne.
Doch nicht in kühler Morgenstunde
Wo aufbricht alt' und neue Wunde
Wo, was ich liebt', ich seh' verloren,
Gieß' solchen Hohn in meine Ohren:
Denn die Gedanken – doch laß fahren
Du weißt, ich bin nicht wie vor Jahren,
Und willst du einen Platz behalten
Im Herzen, das kann erhalten,
Bei Allem, was die Menschen ehren,
Bei deiner Seele Hochaltären
Bei ew'gen Hoffen ird'schen Trieben
Sprich, was du willst, nur nicht vom Lieben! –

Lang wär' und eitel zu erwähnen
Das Schicksal Deß, der haßt die Tränen
Ich könnte dir nur wenig sagen,
Was auch ein Bess'rer würd' beklagen.
Doch traf mein Herz ein schwerer Quälen,
Als möcht' Philosophie erzählen.
Ich sah mein Lieb' als Weib des Andern,
Sah sie an seiner Seite wandern;
Sah dann am Kind, das sie getragen,
Ihr Lächeln aus den schönen Tagen,
Da sie mit mir zusammen lachte,
Unschuldig, wie ihr Kind es machte;
Sah ihre Augen kalt mich fragen,
Ob stille Schmerzen an mir nagen?
Ich spielte trefflich meine Rolle:
Das Auge heiter, trotz dem Grolle,
Gab ihr zurück die kalten Blicke,
Doch fühlt' ich, daß ich innen knicke.
Wie absichtslos küßt' ich das Kleine,
Das hätte sollen sein das meine,
Und zeigte ach! an jedem Kusse,
Wie sehr der alte Drang im Flusse!
Genug davon! Ich will nicht flennen,
Nicht mehr in fremde Länder rennen.
Der Welt paßt solcher Geistessprudel,
Drum werf' ich neu mich in den Strudel.
Doch wenn du einst in künft'gen Jahren,
Wenn Englands »Mai verwelkt, zerfahren«,
Von Einem hörst, deß dunkle Thaten
Den schwärzesten der Mitwelt nahten,
Den Liebe, Mitleid nicht erhoben,
Nicht Ruhmesdurst, der Edeln Loben,
Den finstrer Ehrgeiz so verblendet,
Daß er von Blut nicht ab sich wendet,
Den der Geschichte Blätter reihten
Zu den Empörern aller Zeiten, –
So kennst du ihn, und wirst's verstehen,
Der Wirkung Grund nicht übersehen.

Newstead Abbey, den 11. October 1811.

 

An Thyrza

Kein Stein gibt, wo du ruhst, Bericht
Und sagt, was Wahrheit durfte sagen;
Vergessen, nur von Einem nicht,
Wardst du zu früh hinausgetragen.

Getrennt durch Meere und Gestad',
Warst du geliebt, wenn auch vergebens;
Vergangenheit und Zukunft bat
Um Wiedersehn! – Nein! nicht zeitlebens!

Wenn es geschah – ein Wort, ein Blick,
Der sprach: »Wir scheiden jetzt in Frieden!«
Er lehrt' mich tragen das Geschick,
Dich nimmermehr zu schaun hienieden.

Und sehnt'st du dich, als dir den Speer
Der Tod gesendet ohne Schmerzen,
Nach Dem nicht, den du sahst nicht mehr,
Doch der dich hielt und hält im Herzen?

Wie hätt' ich über dir gewacht,
Dein gläsern Aug' bemerkt mit Schrecken
In jener Stunde, eh' es Nacht,
Wenn Schmerz die Seufzer will verstecken,

Bis Alles aus! – Doch wenn nicht mehr
Du dich um menschlich Weh bekümmert,
Floß doch mein Liebesquell so sehr,
Wie jetzt er fließt, da du zertrümmert.

Sollt' er es nicht, da oft und viel
In jenen mir nun öden Hallen,
Eh' mich, verlockt ein fernes Ziel,
Gemeinsam Thränen uns entfallen?

Die Blicke, die sonst Niemand sah,
Das Lächeln, das kein Mensch verstanden,
Gedanken, leis geflüstert da,
Der Druck der Hand, der sanft umspannten,

Der Kuß, so schuldlos und so gut,
Daß Lieb' vergaß, noch mehr zu wollen;
Das Auge von zu reiner Flut,
Um je in ird'scher Lust zu rollen.

Der Ton, der Freude mich gelehrt,
Wenn ich geneigt schon war zu klagen,
Dein Sang, des hohen Himmels werth –
– Sie waren süß mir, nicht zu sagen!

Und unser Pfand – ich trag' es noch,
Wohin ist deins, bist du gezogen?
Oft trug ich schwer des Elends Joch,
Doch heut' erst hat es mich gebogen.

Wol ließest du den Kelch der Pein
In meines Lebens Mai mich leeren;
Und wenn im Grabe Ruh' allein,
So mögest du nicht wiederkehren.

Doch wenn in Welten höhern Heils
Dein frommes Herz sucht seine Sphäre,
Schenk' mir ein Stück des Segentheils,
Daß meiner Qual ich mich erwehre.

Lehr' mich – den du zu früh gelehrt!
Verzieh'n, verzeihend Alles tragen:
So that es deine Lieb' auf Erd',
Mög' sie im Himmel auch mir tagen!

Den 11. October 1811.

 

Hinweg, hinweg, ihr Schmerzenstöne!

Hinweg, hinweg, ihr Schmerzenstöne!
Schweig still, du einst so süßer Sang!
Sonst jagt mich euer ernst Gedröhne,
Ich darf nicht glauben eurem Klang!
Er redet mir von schönern Tagen;
Drum, Saiten, schweigt für immerdar,
Ich darf nicht denken, darf nicht sagen,
Was ich jetzt bin, was ich einst war!

Die Stimme, die euch so versüßte,
Ist stumm, und euer Reiz entflieht;
Nun ist's, als ob aus euch mich grüßte
Ein Trauersang, ein Todtenlied.
Von dir, o Thyrza, hat's gesungen,
Geliebter Staub, weil Staub du bist,
Und was harmonisch einst geklungen,
Dem Herzen mehr als Mißton ist.

Nun schweigt's! – Doch will es mich bethören,
Als kling' im Ohr bekannter Laut,
Ich höre, was ich nicht möcht' hören,
O schwiege diese Stimme traut!
Oft wird sie durch die Seele rauschen,
Dem Schlummer selbst gehört ihr Ton,
Bis ich erwache, um zu lauschen –
Dann ist der holde Traum entflohn.

O Thyrza, ob ich schlafe, wache,
Du bist nur noch ein holder Traum,
Ein Stern, der schien am Himmelsdache,
Dann sich gewandt vom Erdenraum.
Doch wer auf Lebens Schreckensgange
Den zorn'gen Himmel schaut verhüllt,
Wird jammern um den Stern noch lange,
Der seinen Pfad mit Licht erfüllt.

Den 6. December 1811.

 

Noch einen Kampf.

Noch einen Kampf und ich bin los
Der Qualen, die mein Herz zerreißen!
Für dich noch einen Herzensstoß,
Zurück dann zu des Lebens Gleisen.
Mir taugt es, mich mit Dingen jetzt,
Mir früher widrig, zu befassen.
Da keine Freude mich mehr letzt,
Wird auch der Gram mich künftig lassen.

So bringt Gesellschaft, bringt mir Wein!
Der Mensch ist da sich zu vereinen,
Ich will ein Geck, ein leichter, sein,
Mit Allen lachen, Keinem weinen.
Es war nicht so, als du noch mein,
Nie kam ich zu so tiefem Falle,
Doch du bist fort, ich hin allein,
Seit du mir Nichts, sind mir es Alle.

Umsonst versucht mein Lied den Scherz;
Das Lächeln, das der Gram will zeigen,
Höhnt nur den innern Seelenschmerz,
Wie Rosen, die aus Gräbern steigen.
Wenn auch die Freunde bei dem Glas
Das Wehgefühl einmal vertreiben,
Wenn mich einmal entflammt ein Spaß,
Das Herz – das Herz muß einsam bleiben.

In mancher stillen, holden Nacht
War mir's so süß, empor zu schauen;
Dann dacht' ich, wie der Sterne Pracht
Ihr Auge traf in gleichem Thauen.
Oft dacht' ich, wenn im Vollmond ganz
Ich durchs Aegeer Meer gefahren:
»Nun schaut auch Thyrza seinen Glanz!«
– Ach nur ihr Grab sollt' er gewahren!

Wenn auf des Fiebers Flammenrost
Ich mich in Schmerzen mußte drehen,
Da sprach ich schwach: »Es ist mein Trost,
Daß Thyrza mich nicht so kann sehen.«
Wie Freiheit nimmermehr ein Glück
Dem Sklaven, den die Zeit verbrauchte,
So kam das Leben mir zurück,
Als meine Thyrza nicht mehr hauchte!

Ach Thyrza's Pfand aus bess'rer Zeit,
Als Liebe jung noch war und Leben,
Wie siehst du aus, da Schmerz dich weiht,
Da Kummers Farben an dir kleben!
Das Herz, das einst mit dir sich gab,
Ist still – ach wär' es auch das meine!
Denn ob es kalt auch wie das Grab,
Fühlt's doch das Eis in Mark und Beine.

Du bitter Pfand, du traur'ge Zier,
So theuer meines Herzens Schlägen,
Kannst du die Lieb' nicht wahren mir,
So brich das Herz, wo du gelegen.
Zeit mäßigt Liebe, tilgt sie nicht,
Sie wird nur heil'ger ohne Hoffen,
Wie manches Aug' auch zu mir spricht,
Der Todten bleibt mein Herz nur offen!

 

Euthanasia.

Wenn früher oder später Zeit
Den festen Todesschlaf mir sendet,
Dann wehe sanft, Vergessenheit,
Ob meinem Bette, wenn es endet.

Nicht Freundes-, nicht der Erben Schaar
Mög' meinen Tod erflehn – beweinen,
Kein Mädchen mit gelöstem Haar
Schmerz heucheln oder wirklich weinen.

Nein! laß mich still in mein Gelaß
Und ohne officielle Trauer,
Ich möcht' verderben keinen Spaß,
Der Freundschaft machen keinen Schauer.

Doch Liebe, wenn zu solcher Stund'
Heroisch sie die Seufzer meidet,
Sie gebe ihre Macht dann kund,
An Der die lebt, an Dem der scheidet.

Süß wär' es, Psyche, wenn mit Scherz
Du noch an meinem Bett gesessen,
Wenn dann gelächelt selbst der Schmerz
Und den vergangenen Kampf vergessen.

Jedoch umsonst! Die Schönheit pflegt
Wie Athems letzter Hauch zu beben;
Des Weibes Thräne, leicht erregt,
Macht weich im Tod und täuscht im Leben.

Drum sei allein und thränenleer
Die letzte meiner Lebensstunden;
Schon Vielen war der Tod nicht schwer,
Sein Schmerz nur kurz, oft nicht empfunden.

»Ach sterben nur und gehn dahin,«
Wohin ja Alle einmal schreiten!
Nichts sein, wie ich gewesen bin,
Eh' ich zum Leben kam und Leiden!

Die Freuden zähl', die du erlebt,
Die Tage frei von Gram und Zähre,
Und fühle, was du auch erstrebt,
Daß Nichtsein doch noch besser wäre.

 

Und du bist todt!

Heu, quanto minus est cum reliquis versari quam tui meminisso

Und du bist todt! so jung, so hold,
Wie je ein sterblich Wesen!
So seltner Reiz, so rein wie Gold
Zu bald mußt' er verwesen.
Doch ruht auch in der Erd' dein Wreck
Und fegt die Menge drüber weg
In Lust als wie ein Besen,
Ein Auge gibt's, das sich nicht traut
Und einmal auf dies Grab nur schaut.

Ich will nicht fragen nach dem Ort,
Noch nach dem Hügel gehen,
Blum' oder Unkraut wachse dort,
Ich werde sie nicht sehen.
Mir ist genug schon, daß ich weiß,
Daß, was ich liebt' und liebe heiß,
Wie Spreu gekonnt verwehen.
Kein Stein sag' mir, daß nichts es gibt,
Was tiefer ich, als Sie geliebt!

Doch liebte ich dich bis zuletzt
So heiß, nicht zu beschreiben,
Wie du, die nie die Treu' verletzt
Und jetzt dir gleich wirst bleiben.
Die Lieb', die trägt des Todes Maal,
Macht Zeit nicht kalt, raubt kein Rival,
Verräth nicht falsches Treiben;
Und nimmer, was noch ärger schier,
Siehst Untreu, Wechsel du an mir.

Uns ward des Lebens schönster Tag,
Mir werden schlimme tagen,
Der Sonne Blick, des Wetters Schlag
Wird dich nun nicht mehr plagen.
Zu sehr beneid' ich deinen Traum,
Um jetzt dem Schmerz zu geben Raum.
Auch sollte ich nicht klagen,
Daß all' der holde Reiz dahin,
Ich säh' ihn nur sonst langsam fliehn.

Die Blume, die herangereift,
Muß fallen, um zu schmücken;
Wenn auch von keiner Hand gestreift,
Muß Blatt um Blatt zerstücken;
Und doch pflegt's näher uns zu gehn,
Allmählich welken sie zu sehn,
Als wenn sie Hände pflücken;
Denn Menschenauge wird beschwert,
Wenn schön in häßlich sich verkehrt.

Ich weiß nicht, ob ich den Ruin
Von deinem Reiz ertragen;
Wenn Nacht auf solchen Tag erschien,
Sie müßte schrecklich ragen.
Dein Tag verging so wolkenlos,
Du warst noch bis zuletzt die Ros,
Verwelkt nicht, nein! zerschlagen.
Ein Stern, der fällt vom Himmelszelt,
Scheint dann am hellsten, wenn er fällt.

Wenn weinen ich, wie einst gekonnt,
Ich hätte dürfen weinen,
Daß mir bei dir nicht war vergönnt,
Am Bette zu erscheinen;
Zu schauen in dein Antlitz warm,
Zu nehmen sanft dich in den Arm,
Daß mein Kopf stützte deinen,
Und fühlen nochmals jene Glut,
Die dir und mir nun ewig ruht.

O wie viel schaaler dünkte mir,
Den du nun frei gegeben,
Die schönste Blüt' zu pflücken hier,
Als dir im Geist zu leben!
Das was nicht sterben kann von dir
In jenem ew'gen Nachtrevier,
Wird wieder zu mir schweben,
Und mehr ist mir dein Traum-Gesicht
Als Alles, nur dein lebend nicht.

Februar 1815

 

Wenn manchmal.

Wenn manchmal in der Menschen Kreise
Dein Bild im Herzen mir erblaßt,
Kommt in der stillen Stunde leise
Mir wieder der geliebte Gast.
Und heut' stellt diese trübe Stunde
So viel von dir mir wieder her,
Daß Gram eröffnet seine Wunde,
Wie er's schon lang gewagt nicht mehr.

Verzeih, wenn vor dem Volk ich einen
Gedanken bringe, der doch dein,
Wenn Blick und Mund zu lächeln scheinen,
Als könnten sie dir treulos sein.
Mein, dein Gedächtniß bleibt mir theuer,
Scheint auch vergessen meine Pein,
Ich mag nicht, daß ein Narr die Steuer
Der Seufzer schaut, die ganz nur dein.

Schein' ich den Becher nicht zu hassen,
Geschieht's nicht, daß die Sorge flieh',
Er müßt' ein tödtlich Maß denn fassen,
Das Lethe der Verzweiflung lieh'.
Doch könnt' Vergessen mich befreien
Von Allem, was die Seele denkt,
Dem Tod würd' ich den Becher weihen,
Der einen Traum von dir ertränkt'.

Denn wärst dem Herzen du entschwunden,
Wo wändte sich das leere hin?
Wer würde noch alsdann hier unten
An deiner Urne ehrend knie'n?
Nein, nein! mein Schmerz brennt sie zu nässen,
Zu üben diese letzte Pflicht;
Wenn dich die ganze Welt vergessen,
Darf ich vergessen deiner nicht.

Denn so – das weiß ich'– wär gewesen
Dein hold Bemühen um den Mann,
Der unbeweint nun wird verwesen,
Da deine Lieb' er nur gewann.
Doch ach! ich fühl's, du warst ein Segen,
Der nimmer war mir zugedacht,
Du schrittst zu sehr auf Himmelswegen,
Warst nicht für ird'sche Lieb' gemacht.

Den 14. März 1812

 

An ein zerbrochenes Herz von Carneol.

Unselig Herz! kann's möglich sein?
Du bist so ganz zertrümmert?
Hab' ich um dich Jahr aus Jahr ein
Vergebens mich bekümmert?

Doch kostbar bist du, auch verletzt,
Ja theurer jetzt und rarer,
Denn deinem Träger zeigst du jetzt
Des Herzens Abbild wahrer.

 

An eine Weinende.

(Die Prinzessin Charlotte, Tochter Georgs IV. und muthmaßliche Thronfolgerin.)

Beweine, Kind vom Königshaus,
Des Herrn Geschick, des Reichs Verfallen,
Wüsch' jede Thräne Einen aus
Von deines Vaters Flecken allen!

Wein', denn die Tugend weint in dir,
Glück kündend diesen Inselreichen,
Mög' jeden Tropfen künftig hier
Ein Dankesblick des Volks begleichen!

März 1812.

 

Die Kette, die ich gab.

Nach dem Türkischen.

Die Kette, die ich gab, war fein,
Die Laute süß zu hören,
Das Herz, das beide bot, so rein,
Verdiente kein Bethören.

In beiden Gaben lag die Kraft,
Die Untreu abzuwehren,
Sie haben redlich dran geschafft;
Dich konnten sie's nicht lehren.

Fest war der Kette Bau, bis ihn
Des Fremden Griff durft' schänden,
Süß war die Laute, bis dir schien:
Sie sei's in andern Händen.

Der dir vom Hals die Kette nahm
Und ließ die Ringe krachen,
Der dir die Laute machte lahm,
Mög beide wieder machen.

 

Auf ein weißes Blatt in den »Freuden der Erinnerung« von Roger.

O Freund! magst fern, magst nah du weilen,
Ein holder Zauber dich umzieht;
Es fühlen's Alle, die sich theilen
In dein Gespräch und in dein Lied.


Wenn aber kommt die schlimme Stunde
– Zu früh der Freundschaft immerdar –
Wo weint »Erinn'rung« ob der Kunde,
Daß auch ihr Sänger sterblich war,

Wie zärtlich wird sie dann vergelten,
Daß du so warm gehuldigt ihr,
Und knüpfen, mit den künft'gen Welten
Den eig'nen Namen fest mit dir.

Den 19. April 1812.

 

Zur Eröffnung des Drurylane-Theaters

am 10. October 1812.

Mit Seufzen sah in einer Nacht voll Graus
Die Stadt, wie sank des Drama's stolzes Haus;
In einer Stunde sah die wilde Brunst,
Apollo's Fall, den Fall von Shakespeare's Kunst.

Die ihr geschaut – (o Anblick wunderbar,
Deß hohe Pracht fast höhnte die Gefahr!)
Wie mächt'ge Brände durch die Luft gekracht,
Als Moses Säulen Tag gemacht aus Nacht;
Die ihr geschaut, wie jene Feuerglut
Den rothen Schein warf in der Themse
Indessen Tausend' um das Haus gepreßt
In Angst gezittert für das eig'ne Nest,
Wie Flammen zuckten an dem Firmament
Und Blitze, wie der Himmel nur sie kennt,
Bis schwarze Asche und der öde Wall
Bezeichneten des Musentempels Fall –
O sprecht: soll dieser neue Bau, der steht,
Wo einst der Insel größter sich gebläht.
Das werden, was den alten so geehrt:
Shakespeare's Altar und Seiner, eurer werth?
Ja, so soll's sein! Des Namens Zauberklang,
Er trotzt den Flammen, trotzt der Zeit noch lang,
Er setzt die Bühne an den alten Ort
Und läßt das Drama hier bestehen fort.
Ja dieser Bau bezeugt des Zaubers Macht;
O schmeichelt uns und sagt: Er thut's mit Pracht!

O möcht' Vergangenheit ein Omen sein
Nicht für das Aeuß're dieses Bau's allein!
Auch Namen mögen diesem Haus erstehn,
Wie das zerstörte herrlich sie gesehn.
Hier hob der Siddons Spiel mit einem Streich
Das weichste Herz, das härteste ward weich.
In Drury sproßte Garrick's letzter Kranz,
Und als er abging, eurer Thränen Glanz;
Hier schmolz er selbst beim Lebewohle ganz.
Doch auch den Lebenden blüh' hier der Strauß,
Der sonst auf Gräbern nur sich breitet aus.
Das fordert Drury; und gewiß, ihr gebt
Der Muse das, was wieder sie belebt,
Laßt auch Menanders Haupt nicht Kränze-leer,
Und gebt den Todten nicht allein die Ehr'!

Wie sind die Tage jenes Ruhms uns lieb,
Eh' Garrick schwand und Brinsley nicht mehr schrieb!
Wie hochgeborne Erben sind auch wir
Auf unsre Ahnen stolz und ihr Panier.
Doch wenn Erinn'rung Banko's Spiegel reicht,
Daß euch darin manch hoher Schatten bleicht
Und mancher Name, der unsterblich glänzt,
Den unser Lied von Neuem stets bekränzt,
So haltet an, eh' ihr den Sprößling schmäht,
Er thut gar hart nach solcher Majestät.

Ihr Bühnenfreunde, die um gnäd'gen Gruß
Schauspiel und Spieler gleich' sehr bitten muß,
Die ihr durch Zuruf übet mit Bedacht
Des Lobs und Tadels grenzenlose Macht,
Wenn zur Berühmtheit Schlüpfrigkeit genügt
Und wir erröthen, daß ihr's nicht gerügt,
Wenn je die Bühne schmeichelnd niederbog
Zum Ungeschmack, den sie nicht besser zog,
So werde alter Vorwurf hier geschwächt
Und die Kritik verstumme jetzt mit Recht.
O da von euch des Drama's Loos geht aus,
Verhöhnt uns nicht durch fälschlichen Applaus.
So wird erhöht des Künstlers Kraft und Macht.
Durch euch in uns der Wahrheit Licht entfacht.

Nach diesem Gruß, womit nach alter Sitt'
Des Drama's Herold heute vor euch tritt,
Seid uns willkommen, und von Herzen, hier!
Wie gern gewännen eure Herzen wir!
Der Vorhang hebt sich – möge unsre Bühn'
Des alten Drurys würdig neu erblühn!
Wo Britten Richter, Führer die Natur,
Erwarten wir's – prüft lange, lange nur!

 

An die Zeit.

Zeit! auf deren Schwingen blind
Stunden weilen bald, bald fliehen,
Winter langsam, Lenz geschwind
Uns zum Tode schleppen, ziehen,

Heil dir! die du früh mir hast
Dein bekannt Geschenk gegeben;
Besser trag' ich deine Last
Seit ich sie allein muß heben.

Nimmer möcht' ich, daß ein Herz
Mit mir theilen müßt' dein Quälen,
Und verzeih's, daß heimatwärts
Du geführt so theure Seelen.

Freude sei mit ihnen, Ruh'!
Mich wirst nimmermehr du plagen;
Jahre liehest nur mir du,
Die mit Schmerz ich abgetragen.

Doch zum Trost ward selbst der Schmerz,
Deine Macht ließ er vergessen;
Länger fühlte dich das Herz,
Doch es mochte dich nicht messen.

In der Lust hab' ich's beklagt,
Daß dein Tritt bald langsam gehe;
Sonnen hast du wol verjagt,
Machtest dunkler nicht mein Wehe.

Denn des Himmels tiefste Nacht
Paßte damals meinem Neigen,
Ein Stern nur schoß vor in Pracht,
– Daß sie ewig nicht, zu zeigen.

Er versank, nun bist du leer;
Zum Berechnen und Verfluchen,
Dient dein ödes Stunden-Heer,
Das doch Alle neu versuchen.

Eines änderst du auch nicht:
Daß dein Flug doch führt zum Hafen,
Wenn herab der Sturm einst bricht,
Den wir dann gesund verschlafen.

Lächeln kann ich, wenn ich denk',
Wie so schwach nun bald dein Kläffen,
Wie dein Zorn und dein Gezänk
Nur noch einen Stein wird treffen!

 

Ein romaisches Liebeslied.

Uebersetzung.

Ach gab es eine Liebe je
Ganz ohne Zweifel, Noth und Weh'?
Sie nagen immerdar mein Herz
Und machen Tag und Nacht mir Schmerz.

Kein Freund vernimmt es, wie ich klag',
Ermattet sterb' ich von dem Schlag;
Ich wußt', daß Amor Pfeile führt,
Doch nicht, daß sie von Gift berührt.

Ihr freien Vögel flieht das Netz,
Womit euch Lieb' umgarnet stets;
Denn wenn euch diese Glut umstellt,
Verbrennt das Herz, die Hoffnung fällt.

Ein Vogel war ich, sorglos, frei,
Gar mancher Lenz ging so vorbei;
Gefangen jetzt in feiner Schling'
Verseng' und flattr' ich armes Ding.

Wer nie geliebt, nicht recht geliebt,
Der fühlt den Schmerz nicht, den uns gibt
Ein scheeler Blick, ein kalter Knix,
Der Blitz des zorn'gen Liebesblicks.

Im Traume hielt ich dich für mein,
Nun stürzt – mit mir – die Hoffnung ein;
Wie schmelzend Wachs, wie welke Blüt'
Fühl' ich mein Herz an dir verglüht.

Ach sprich, warum, du mein Geschick,
Der kalte Mund, der fremde Blick?
Mein Vögelchen, hold Täubchen mein,
Wie kannst du so ganz anders sein?

Mein Auge fließet wie ein Bach,
Wer tauscht mit mir sein Ungemach?
Gib nach, mein Vögelchen! Ein Ton
Gibt mir zurück das Leben schon.

Mein Blut, so heiß und toll zumal,
Ertrage ich in stummer Qual;
Doch dein Herz theilt die Schmerzen nicht,
Es jubelt, wenn das meine bricht.

Gieß zu das Gift, scheu nicht dein Thun,
Kannst mehr doch morden nicht als nun!
Ich fluch' des Lebens erstem Tag
Der Liebe langsam tück'schem Schlag.

Du wunde Seele, blutend Herz,
Bringt dir Geduld zur Ruh' den Schmerz?
Ach 's ist zu spät, ich weiß, zu gut!
Auf Freude folgt der Thränen Flut.

 

Du bist nicht falsch.

Du bist nicht falsch, doch flatterhaft
Mit Denen, die du suchtest heiß;
Und bittrer fließt der Thräne Saft,
Seit ich so Schlimmes von dir weiß;
Das bricht das Herz, das dir gewallt,
Du liebst zu sehr, gibst auf zu bald.

Die gänzlich Falsche flieht das Herz,
Verachtet Lügnerin und Lug;
Doch Die nicht Freude birgt noch Schmerz,
Die offen stets die Liebe trug,
Wenn Die sich ändert, die so wahr,
Dann fühlt's, was jüngst mein Schicksal war.

Von Freude träumen, doch zu Leid
Erwachen wird, wer liebt und lebt!
Doch wenn in Morgens Nüchternheit
Uns schmerzt, was Phantasie gewebt,
Die uns getäuscht so süß im Schlaf,
Daß wachend größre Pein uns traf,

Was fühlt erst Der, den nicht ein Traum,
Nein! wahrste, tiefste Lieb' umfing,
Doch die so schnell verflog zu Schaum,
Als ob ein Traum vorüberging?
Ach wol nur Wahn ist dieser Schmerz,
Mir träumte nur, daß kalt dein Herz?

 

Auf die Frage: wie Liebe komme?

»Wie Liebe komme?« fragst du mich;
Warum so grausam mich befragen?
Da dir so viele Augen sagen:
Sie komme, wenn man schauet dich!

Und willst du wissen, wann sie geht?
Mein fürchtend Herze ahnt es bange:
Abzehren wird sie stumm und lange,
Doch leben – bis mein Sein verweht.

 

Gedenke sein

Gedenke sein, dem tiefste Wunde
Die Liebe schlug in hartem Spiel!
Gedenke jener bangen Stunde,
Da trotz der Lieb' Keins von uns fiel.

Dein schmelzend Aug', dein weiches Zagen
Lud mächtig ein zum höchsten Glück,
Doch sanftes Bitten, leises Klagen
Trieb meinen wilden Wunsch zurück.

Ich fühl', daß Alles ich verloren,
Doch dir das reine Herz bewahrt.
Was thut's, daß Qualen mich durchbohren,
Uns blieb die Reue doch erspart!

Doch denke dran, wenn falsche Zungen
Dem Herzen Böses reden nach,
Das dich geliebt, das du bezwungen,
Und meinem Namen drohn mit Schmach.

Denk', daß, wie ich auch fehlt' und fehle,
Ich dir mein Glück zum Opfer bracht';
Ich segne deine rein're Seele
Darum in stiller Mitternacht.

O hätt' es mich zu dir getrieben,
Da frei noch deine theure Hand,
Da ohne Schuld du durftest lieben,
Ich deiner noch mich würd'ger fand.

O möchten deine Tage fliehen
Wie einst, fern dieser Flitterwelt!
Möcht' weiter diese Wolke ziehen,
Dies sein dein letztes Prüfungsfeld!

Dies Herz voll gährender Gefühle,
Könnt', selbst zerstört, zerstören nur;
Und träf' ich dich im Weltgewühle,
Es weckte böser Hoffnung Spur.

Drum überlaß die Welt nur denen,
An deren Wohl und Weh nichts liegt.
Wie Einer ich, – und meide Scenen,
Wo, wer empfindet, wird besiegt.

Dein Jugendreiz, dein zärtlich Wesen,
Dein Herz durch Einsamkeit so rein,
Mag sich aus unserem Kampfe lesen,
Was seiner harrte dort an Pein.

Verzeihe, daß dir jene Thränen
– Die Tugend nicht umsonst vergoß –
Entriß mein allzu feurig Sehnen;
Um mich ring' keine mehr sich los.

So traurig mir auch der Gedanke,
Daß wir uns treffen nimmermehr,
Verdien' ich doch die harte Schranke;
Fast süß erscheint mir dein Begehr.

Doch würd' ich nicht so für dich brennen,
Ich opferte auch nicht so viel,
Nicht halb so schwer fällt mir das Trennen,
Als wenn dein Herz durch meines fiel.

1813

 

Lord Thurlow's Gedichte.

Als Thurlow diesen Unsinn machte
(Die Welt mich nicht als grob betrachte!),
Wußt' Gott und Mensch nicht, was er dachte.

Und da selbst Rogers Lobberichte
Verstand nicht gaben der Geschichte,
Warum dann drucken die Gedichte?

O gib, Apoll', in meine Fänge
Hermilda's erste zwei Gesänge
Als Kofferfutter und Behänge.

Um jenen niedlich auszupappen,
Reicht nicht der Inhalt meiner Mappen,
Gib, Thurlow, mir auch deine Lappen.

 

An Lord Thurlow.

Ich lasse meinen Lorbeer schwinden;
Um so Apollo's Kranz zu winden,
Mög' Jeder los den eignen binden.

Lord Thurlow an Rogers.

»Ich lasse meinen Lorbeer schwinden«.
Du lässest deinen Lorbeer schwinden;
Der, den du stahlst, reicht hier nicht zu.
Doch würd' er dich mit Recht umwinden,
Braucht Rogers mehr ihn oder du?
Behalt' nur deine welken Schlehen,
Wo nicht, schick' sie zu Doctor Wichts,
Wär' beiden euch nach Recht geschehen,
So hätt' er wenig und du nichts.

»Um so Apollo's Kranz zu winden.«
Den Kranz! nun, winde immerzu,
Die Narrenkappe doch trägst du.
Wenn du nach Delphi dich verloren,
So frage der Collegen Schwanz;
Sie sagen dir: eh' du geboren,
Gab Phöbus Rogers seinen Kranz.

»Mög' Jeder los den eig'nen binden.«
Wenn man Kohlen nach New Castle führet.
Und Eulen Athen schickt als neu,
Der Regent die Gemahlin berühret,
Und Liverpool weinet aus Reu;
Wenn Tories und Whigs ausgestritten
Und Castlereagh kriegt einen Sohn,
Soll Rogers um Lorbeern uns bitten
Und du ganz bedeckt sein davon.

 

An Thomas Moore,

am Vorabend, ehe er Leigh Hunt Derselbe hatte eine Satire auf den Prinz-Regenten geschrieben im Gefängniß von Cold Bath Fields besuchte, den 19. Mai 1813.

O du, den man kitzelt in jeder Natur:
Als Little, Anacreon, Brown und Tom Moore,
Ich weiß nicht, beim Styx! womit mehr du magst prahlen;
Mit dem Werk, das zwei Pfund, das zwei Pfennig bezahlen.

*

Doch nun zu dem Briefe, als Antwort auf deinen:
Komm morgen, sobald als du nur kannst erscheinen,
Bereit und geputzt, um (wie wir beschlossen)
Im Kerker zu huld'gen dem Geistesgenossen.
Bitt' Phöbus, daß unsre politischen Saiten
Nicht uns auch noch dort eine Wohnung bereiten.
Du bist wol heut' Abend bei niedlichen Frauen
Und opferst Sam Rogers und Sotheby's Blauen:
Auch ich, den Erkältung fast brachte zum Tode,
Muß Hosen anziehen und gehn nach Heathcote;
Doch morgen um vier Uhr da spielen wir Scurra,
Du bist dann Catull, der Regent der Mamurra.

 

Impromptu

als Erwiederung an einen Freund.

Wenn aus der Brust, wo Leiden wohnen,
Ihr düst'rer Schatten steigt empor,
In meinen Zügen streng zu thronen,
Um Stirn' und Aug' zu ziehn den Flor;

Beacht' es nicht, bald wird er fallen,
Er kennt den Kerker gar zu gut
Und kehrt nach meines Herzens Hallen,
Wo er in stiller Zelle ruht.

September 1812

 

An Genevra

Der Augen blaue Glut, die schönen Flechten,
Dein Antlitz bleich von der Betrachtung Wellen,
Wo Sonnenblicke sich zu Nacht gesellen
Und mit Verzweiflung süßre Schmerzen fechten,

Verbanden sich, so deine Stirn' zu nächten,
Daß, wüßt' ich nicht, wie deinen Busen schwellen
Der Tugend reinste, fleckenlose Quellen,
Ich wähnen müßt', daß Schuld und Gram dich schwächten.

Ein solches Antlitz in so holden Farben,
Hat Guido's hehrer Pinsel uns geboren,
(Nur daß dich gleiche Sünden nicht verdarben),

Als Magdalenen er heraufbeschworen.
Ganz so bist du – nur ohne jene Narben,
Hier nagt nicht Reu, hat Tugend nichts verloren.

Den 17. December 1813.

 

An Dieselbe.

Bleich von Gedanken, nicht von Schmerz und Mühen,
Ist deine Wang', doch so voll Reiz-Geschoßen,
Daß, wenn die Lust gefärbt die weißen Rosen,
Mein Herz verwünschte dieses röth're Blühen.

Und blendet nicht der blauen Augen Glühen,
So macht' es doch, daß harte Lider floßen,
Mir selber aber alle Schleußen goßen,
Sanft wie Gewitters letzte Tropfen sprühen:

Denn durch der Wimper lange dunkle Franze
Glimmt wie ein Seraph, den's herabgetrieben,
Der Seele holde, schwermuthvolle Pflanze,

Das Weh bedauernd, das ihr ferngeblieben;
Und dieses Milde mit der Hoheit Glanze
Ehr' ich nur mehr, doch kann's nicht wen'ger lieben.

Den 17. December 1313.

 

Aus dem Portugiesischen.

Tu mi chamas.

»Mein Leben!« nennst du zärtlich mich
In des Entzückens Glutmomenten.
O theures Wort, ich schwärmt' für dich,
Könnt Jugend welken nicht, noch enden!

Doch solche Stund' auch endet hier,
Drum künde anders deine Triebe,
Sag' lieber: »Meine Seel'!« zu mir,
Die währet ewig wie die Liebe.

Eine andere Version

Du sagst: »Mein Leben!« Aendre doch das Wort,
Das Leben muß wie jedes Ach! zerstieben;
Sag' lieber: »Seele!« Das ist mehr am Ort,
Denn wie die Seel' stirbt nimmermehr mein Lieben.

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