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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 85
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der todkranke Hase

Es war einmal ein Hase, der hatte eine volle Schrotladung in den Bauch bekommen, starb jedoch nicht daran. Die kleinen Kugelsplitter verursachten dem Hasen grimmige Schmerzen, so dass er nicht einmal mit Vergnügen fressen konnte. Und jeder Schritt tat ihm weh.

Die anderen Hasen, die nichts von dem Unglück wussten, zumal da man die Einschusslöcher nicht sehen konnte, hänselten das kranke Tier:

»Was hockst du immer zu Hause, komm mit nach draußen zum Spielen oder zum Fressen. Du versauerst doch hier in deiner Sasse.«

Der Kranke schüttelte mühsam lächelnd den Kopf:

»Mir ist nicht danach,« sagte er vage, denn den wahren Grund mochte er nicht angeben, da man ihn nicht sehen und deshalb selbst bei eindringlichster Schilderung nicht ganz nachempfinden konnte.

In seiner doppelten Not beschloß der Hase, lieber zu sterben, als unabsehbar weiterzuleiden und dafür auch noch missverstanden zu werden.

»Ich setze mich einer neuen Schrotladung aus und sorge dafür, dass sie mich richtig trifft. Sollen die Menschen mich braten. Dann hat mein Leben doch einen guten Sinn gehabt.«

Das aber hörte eine Häsin, die zwar nicht mehr ganz jung war, aber auch nicht älter als er:

»Wenn das so ist, kann man ja offen mit dir sprechen,« mümmelte sie mit fast geschlossener Schnauze. »Ich hab dich nämlich gern. Wir müssen ja nicht gleich von Liebe reden. Schnickschnack. In der Ehe geht man gediegen. Das ist kein Tanz. Also, was willst du lieber, sterben oder als mein Mann Kinder bekommen?«

»Du bist verrückt. – Nein? Ja, wenn das so ist, dann komm. Aber schüttel mich nicht, das täte mir weh.«

Und so wurde aus den beiden ein Paar, alles in allem ein glückliches Ehe- und Elternpaar.

 


 

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