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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 81
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der kriegerische Hamster

Es war einmal ein kriegerischer Hamster, der hatte sich eine gemütliche Unterkunft gebaut. Zwei Meter tief reichten die Kammern, die er im Lehmboden ausgehöhlt hatte: ein Wohnkessel mit Abort und mehrere große Vorratsräume.

Als die Herbstzeit vorüber war und er sich reichlich mit Lebensmitteln versorgt hatte, legte er sich zum Winterschlaf nieder. Nach drei Wochen aber rumorte ihn der Hunger wieder wach. Doch das war kein Problem, er hatte ja mehr als genug, sich satt zu fressen.

In der zweiten Phase seines Winterschlafes träumte der Hamster von dem Weibchen, das im Revier nebenan schlief.

»Wenn sie nicht den ganzen Winter durchschlafen würde,« fantasierte er versonnen vor sich hin, »könnte man sie zwischendurch zu einem kleinen Festmahl einladen und sich mit ihr ein wenig die Zeit vertreiben.«

In diesem lieblichen Augenblick rollte ihm ein Erdbrocken vor die Schnauze und weckte ihn. Gleich darauf bebte die ganze Unterkunft. Die Wände zitterten und rissen auseinander. Erschrocken stürmte der Hamster nach draußen. Hinter ihm stürzte schon alles zusammen, was er so mühsam gebaut hatte. Trotz des Gerumpels, das sich in seinem Bauch als Rumoren eines fast unerträglichen Schreckens wiederholte, erblickte er doch einen anderen Hamster, der hurtig davoneilte.

Kaum hatte sich die Aufregung der Erde gelegt, raste der kriegerische Hamster auch schon wütend zu der Stelle, wo er den Fremden gesehen hatte. Seine Vermutung bestätigte sich: Der Feigling hatte gleich neben ihm gewohnt, er hatte aber seinen Bau so stümperhaft ausgeführt, dass die Wände nach dem ersten heftigen Regen eingestürzt waren. Dabei hatten sie auch das Lehmgebäude des Nachbarn erschüttert.

»Den mach' ich fertig!« fluchte der kriegerische Hamster. »Und wenn es mein eigener Sohn ist, ich bringe ihn um.«

Er hatte nämlich Kinder, und eines davon, ein putziges Kerlchen, war so anhänglich, dass man wohl annehmen durfte, er habe in der Nähe seiner Eltern wohnen wollen.

Von dem Geschrei wurde auch die Hamsterfrau wach. Unwirsch robbte sie sich nach oben, wo sie die Bescherung gleich überblickte:

»Lieber Mann,« sagte sie verdrossen, »ob du den Übeltäter umbringst oder nicht, du brauchst ein neues zu Hause. Also verlier keine Zeit, sondern räum auf, iss dich müde und leg dich wieder schlafen.«

Der kriegerische Hamster, der sich schon auf einen siegreichen Kampf gefreut hatte, ohne zu bedenken, dass er damit nur Zeit verlöre, sah das Weibchen erstaunt an.

»Na gut,« knurrte er, »aber wenn ich fertig bin, schnapp ich mir den Kerl. Ich lass mir doch nicht ungestraft mein Haus kaputtmachen.«

»Jaja,« antwortete die Frau und lächelte überlegen, »mach nur zu. Und dann überleg dir, was du lieber willst, mit mir einen Festschmaus halten oder deinen Gegner fangen.«

Der Hamster räumte den Schutt weg, reinigte seine Vorräte und nahm die Einladung des Weibchens an. Den Rüpel, der ihm so schrecklich geschadet hatte, vergaß er ohne nachtragende Rachegelüste.

 


 

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