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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 8
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Die unzufriedene Antenne

Es war einmal eine Antenne, die stand schon seit Jahren auf einem Dach und fing alle elektromagnetischen Wellen ein, die der Mensch für seinen Fernsehempfang brauchte. Sie tat es aber nicht gerne. Immer wenn sie ein Star besuchte, um von ihr aus helle Lieder in die Welt zu singen, jammerte die Antenne:

»Ist es nicht eine Schande, wie ich behandelt werde? Tag und Nacht stehe ich hier und sammle Informationen, Bilder und Musik, um sie fein geordnet ins Haus zu leiten. Bei jedem Wetter halte ich aus. Wenn du wüsstest, wie übel der Wind mir manchmal mitspielt, dieser Luftikus. Dir hilft er beim Fliegen und mich will er zur Erde `runterreißen, kaputt natürlich. Und kein Mensch dankt es mir, kein einziges Mal ist einer zu mir heraufgekommen, um mich zu putzen. Ich glaube, die Menschen wissen gar nicht, was sie an mir haben.«

Der Star unterbrach seinen gestörten Gesang und versuchte, die Antenne zu beruhigen:

»Aber du hast doch nichts zu tun. Die Menschen haben dich doch so konstruiert, dass du bloß dazustehen und auszuhalten brauchst. Es ist doch keine Arbeit für dich, die Bilder und Töne einzufangen, sie kommen doch ganz von selbst zu dir und gehen ganz von selbst weiter in den Fernsehapparat. Auch gegen Wind und Wetter bist du von Natur aus gewappnet. Dafür stehst du wie auf einem Aussichtsturm und kannst alles beobachten, brauchst kein Essen und kein Getränk, was willst du mehr.«

Für eine Weile schwieg die Antenne. Doch als der Vogel weg war, murrte sie wieder vor sich hin.

Eines Tages stellte ein Mensch neben ihr eine Parabolantenne auf, eine matt glänzende Schüssel, die viel mehr Programme in sich vereinigen konnte als die dürre Antenne. Da reckte sich diese und versuchte, ihre Arme noch weiter auszubreiten, umso tüchtig zu sein wie die unerwartete Konkurrenz. Sie hatte aber keine Chance. Von nun an jammerte sie nicht mehr, sondern freute sich ihres Lebens, und wenn der Star sie besuchte, sagte sie höchstens:

»Wie nett, dass du mal wieder vorbeikommst. Du denkst doch auch, dass der Parabolspiegel nicht viel taugt, nicht wahr?«

»Nun,« erwiderte dann der Star, »was mich betrifft, ich sitze lieber in deinem Gestänge als auf der Kante deines neuen Nachbarn.«

Damit gab sich die Antenne zufrieden. Nur manchmal zitterte sie davor, abmontiert zu werden.

 


 

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