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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 75
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Die besondere Glühbirne

Es war einmal eine Glühbirne, die hing zwischen vielen anderen in einem riesigen Kronleuchter. Sie fiel aber dennoch auf, sie war nämlich die matteste und glänzte nicht golden, sondern nur silbern ein Schüler hatte in einem physikalischen Experiment Silber aufgedampft, so dass ihr Licht nach innen strahlen musste, nach außen drang nur ein Schimmer, der sich aus unzähligen winzigen Pünktchen zusammensetzte.

Es störte niemanden, dass die Birne nur für sich selber leuchtete und nur nebenbei, ohne guten Willen, etwas von ihrer Helligkeit nach außen abgab. Die vielen anderen Birnen glühten ja so tüchtig, dass die eine als Kuriosum geduldet werden konnte.

Mit der Zeit aber wurden die Birnen alt, eine nach der anderen erlosch, und in dieser Form gab es keine neuen mehr. Nun sollte der sich selbst bespiegelnde Eigenbrötler sich endlich nützlich machen und sein Licht nach außen scheinen. Das konnte er aber nicht, solange der Silbermantel ihn umhüllte.

Die Familie rief den Sohn herbei, der sich diese Spielerei geleistet hatte, und trug ihm auf, die Silberbirne in eine allgemein nützliche zu verwandeln. Der Schüler schüttelte den Kopf: »Aber das geht nicht, das Metall ist aufgedampft. Ich weiß nicht, wie es wieder entfernt werden kann.«

»Dann kratz' es ab,« sagte die Mutter.

Da nahm der Junge die Birne und eine Nagelfeile, setzte sich vor den Fernsehapparat und versuchte, die Birne zu reinigen, wie ein Friseur ein Kinn abrasiert. Er schabte und radierte mit feinem Tastgefühl, sah auch zwischendurch hin, um seinen Erfolg zu kontrollieren, und als der Fernsehfilm zu Ende war, fand er, dass er fertig sei.

Die Mutter sah sich die vom Silberglanz befreite Birne an und schüttelte den Kopf, als ob sie sagen wollte: »Also, Junge, zu gebrauchen ist sie ja jetzt, deine Birne, aber schön sieht sie nicht aus.«

Ihr Sohn aber wusste wohl, was ihre Miene ausdrückte. »Es geht nicht besser,« sagte er, »ist doch auch gut so, das Licht kommt jetzt voll durch. Komm', ich schraub' sie wieder ein.«

Die Mutter lächelte gütig und schwieg.

Die Birne aber fiel nun erst recht auf, denn erstens leuchteten die meisten anderen nicht mehr, und zweitens hatte sie so hässliche Fleckchen im Gesicht und strahlte weder ganz nach außen noch ganz nach innen.

 


 

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