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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 70
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
typefable
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Das ehrliche Gesicht

Es war einmal eine Maske, die war so schön, dass ihr Besitzer sie täglich trug, allerdings nur außerhalb der Familie. Mit ihrer Hilfe lächelte er den ganzen Tag. Das war auch notwendig, denn der Maskenträger arbeitete als Verkäufer in einem Lebensmittelgeschäft und musste immer freundlich erscheinen. Die Leute sollten nämlich denken, dass so ein netter Mann nur gute Waren verkaufen könne. Außerdem sollte das Kaufen auch dann Spaß machen, wenn man die Ware gar nicht unbedingt brauchte.

Die Maske aber fühlte sich mit der Zeit benachteiligt, weil sie nach Feierabend immer abgelegt wurde. Deshalb beschloß sie, sich aufzulösen und sich mit dem wahren Gesicht zu verschmelzen. Da sie sehr geduldig war,und da das wahre Gesicht sich längst an sie gewöhnt hatte, ja, sich oft gar nicht mehr von ihrer Maske unterscheiden konnte, gelang die Vereinigung Zug um Zug.

Von nun an war der Verkäufer nicht mehr ganz so freundlich. Dafür aber war der Feierabend-Ehemann und -Vater umso liebenswürdiger. Der ganze Mann aber war von nun an ganz natürlich.

 


 

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