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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 44
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
typefable
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Der selbstkritische Falke

Es war einmal ein Falke, der schwebte hoch über der Erde und sah unter sich ein weites Land. Da er jede Stelle erreichen und überall Beute schlagen konnte, fühlte er sich als Herrn der ganzen Gegend. Die kleinen Mäuse bestätigten seinen Größenwahn, indem sie sofort Unterschlupf suchten, wenn er an ihrem Horizont erschien. Ja, der Schatten des Falken genügte, sie so zu ängstigen, dass sie flohen, als spürten sie seine Schnabelspitze schon in den Nackenhaaren. Da der Falke seine Opfer auch fliegend fassen konnte, fürchteten ihn selbst die Tauben und die Krähen, die Rebhühner und die Enten, obwohl sie doch genau so groß oder gar noch größer waren als der Raubvogel.

Eines Tages aber, als der Falke eben auf einem Acker eine Maus verzehrt hatte, blieb er in der Furche stehen, als hinderte ihn die Last des Magens, sich wieder zu erheben. Da besann er sich und merkte, dass er nicht größer war als die friedlichen Tauben und Krähen, die über ihm kreisten, dass er nicht einmal groß genug war, über den Rand der Ackerfurche hinwegzusehen.

Da wurde der Falke ganz kleinlaut und wagte sich nicht mehr nach Hause. Er verschonte selbst die kranke Feldmaus, die aus Versehen in seine Nähe geriet. Demütig fastete er sich zu Tode.

 


 

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