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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 31
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Die verliebte Dampfwalze

Es war einmal eine Dampfwalze, die verliebte sich in eine Straße, die sie selber geformt hatte. Als die Straße aber fertig war, öffnete sie sich dem allgemeinen Verkehr. Zu der Walze sagte sie:

»Zisch ab, du bist mir zu schwer und zu plump; du hast mich lange genug gequält. Sieh dir die eleganten Autos an, die wissen, was sich gehört. Sie fahren auf Gummirädern, um mich zu schonen.«

Da rollte die Dampfwalze traurig auf einen abzweigenden Sandweg und rumpelte über dessen Löcher davon.

»Das ist nun der Dank,« dachte sie, und dicke Tränen rollten über ihr Gesicht, »wie habe ich mich bemüht, den Schotter zusammenzustauchen und die feinen Lücken mit Teer vollzupressen, um die Straße glatt und fein zu machen! Ohne mich wäre sie doch nie eine öffentliche Einrichtung geworden.«

»Hallo!« unterbrach der Sandweg den trübsinnigen Rückblick der Dampfwalze, »wo willst du hin? Fahr' doch nicht weg. Es tut so gut, von dir gedrückt zu werden. Ach Liebling, ich bitte dich, roll' zurück und wieder vor und wieder zurück und immer so weiter, mein Leben lang, bis ich so schön glatt bin wie die Straße.«

Die Walze brüllte auf vor Schmerz, blieb stehen und ließ den Rest seiner Lebenskraft sinnlos verdampfen.

Wären nicht die Straßenbauarbeiter gekommen, um sie neu unter Dampf zu setzen, sie hätte aus dem Sandweg nie eine Straße gemacht.

 


 

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