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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 291
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der wunderbare Eiszapfen

Es war einmal ein Eiszapfen, der hatte drei glänzende Spitzen und noch mehrere geheimnisvoll glimmende Eckchen. Er hing an der Regenrinne des Stadthauses, direkt über dem Eingang.

Alle Menschen bewunderten das Glitzern, das sich im wechselnden Winterlicht bewegte, und hielten den Eiszapfen für überirdisch schön.

»Ich danke euch für euere wohltuende Aufmerksamkeit!« rief der Eiszapfen von oben herab, »aber wartet nur, bis der Frühling kommt. Er wird mich noch viel durchdringender erleuchten und die reinste Glut aus mir scheinen lassen.«

Die Leute nickten, als hätten sie nichts anderes erwartet. Wie sollte nicht das, was selbst im Winter prunkt, erst recht im Frühling und im Sommer betören?

Der Winter zog sich beleidigt zurück:

»Alles müssen die Menschen dem Frühling zugute halten. Selbst meine hübschesten Kunstwerke sind in ihren Augen erst vollkommen, wenn sich die Sonne darin niederläßt. Sollen sie doch in ihrer Verblendung glücklich sein wie der Regentropfen vor seinem Aufprall.«

Die Sonne durchglühte den Eiszapfen nun mit verzehrender Liebe. Vor Verwunderung blieben die Menschen unter dem Lichtgefunkel stehen wie unter einem magischen Stern.

Tropfen um Tropfen aber löste die Sonne den herrlichen Eiszapfen auf, und wer nicht aufpaßte, kriegte einen Klecks ins Auge.

 


 

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