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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 275
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der gutherzige Zahn

Es war einmal ein Zahn, der war seiner Aufgabe nicht gewachsen. Er war zu weich für das Leben im Mund. Immer wenn er etwas Kaputtkauen sollte, gab er lieber selber nach. So kam es, dass er langsam ausgehöhlt wurde. Als ihm daraufhin das ganze Leben auf die Nerven ging, schützte ihn der Arzt mit einer harten Füllung, die ihn vor den Schmerzen bewahrte und ihn zugleich befähigte, kräftiger zuzubeißen.

Dagegen konnte der Zahn nichts machen. Doch sein Mitleid ersann einen Ausweg: »Ich will nicht immer nur zerstören,« beschloss der Zahn, »lieber reiße ich aus.« Von nun an setzte er seinen ganzen Körper ein, um seiner schrecklichen Pflicht auszuweichen. Bei jedem Bissen zuckte er ein wenig zur Seite, bis er nach und nach ganz locker wurde und schließlich ausfiel. Nun lag er im Gras, hatte nichts mehr zu tun und träumte zerfallend vor sich hin.

 


 

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