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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 244
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Die ehrgeizige Straße

Es war einmal eine Straße, die hatte einen Anfang und ein Ende. Es war ihr aber zu langweilig, nur in einer Richtung zu verlaufen und immer nur dieselben Orte zu verbinden.

»Ich muss mich verzweigen,« sagte sie sich und schickte Ausläufer nach links und nach rechts und verband sich auch mit anderen Straßen. Von nun an hatte sie viele Anfänge und viele Enden, so dass sie viel mehr Autos dienen konnte.

»Ach,« ächzte die Straße schon kurze Zeit später, »wie soll ich die alle bewältigen. Meine Hauptstrecke ist ja dermaßen überlastet, dass ich bald kaputtgehe.«

Es war aber zu spät. Sie war eine Allermannsstraße geworden, die sich nach allen Seiten verzettelte. Während früher nur diejenigen sie benutzten, die von einer Gemeinde in eine andere wollten, kamen die Autos jetzt aus allen Richtungen und rasten in alle Richtungen. Es war ein Hin-und-her in einem gewaltigen Netz.

Die Stammkunden aber, die guten alten Freunde, die sie früher geschätzt und geschont hatten, die suchten sich nun bescheidenere Verbindungen. Lieber schlichen sie auf Feldwegen zum Ziel, als sich in den stinkenden Lärmrummel zu begeben.

 


 

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