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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 233
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der arbeitsscheue Star

Es war einmal ein arbeitsscheuer Star, der suchte ein Weibchen, denn er wollte eine Familie gründen. Er stellte sich auf den höchsten Giebel der ganzen Siedlung und sang Liebeslieder. Doch wie er auch schmetterte, flötete und balzte, die Starinnen flogen nicht auf ihn.

»So geht es nicht,« überlegte sich der Star, »so kriege ich nie eine Frau. Ist ja auch wahr. Musik hören können sie überall und von jedem, ist ja genug da, Allerweltsgut. Jeder Hinz und Kunz kann sich hinstellen und aufplustern und schöntun. Und wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass andere Vögel oft genug verführerischer singen als ich. So ein Weibchen will mehr. Okey, biete ich eben mehr. Ich suche mir, ich meine uns, erstmal ein Häuschen im Grünen.«

Also machte er sich auf die Wege, durchforschte die Gärten und fand auch bald einen leeren Nistkasten. Hier posierte er sich mit neuem Selbstbewusstsein.

Vor diesem Hintergrund hatte seine musikalische Balz tatsächlich schon bald eine packendere Wirkung. Eine hübsche Starin ließ sich gegenüber auf einem Birkenzweig nieder. Sie wollte sich den Mann und sein Häuschen erst einmal aus unverbindlicher Distanz betrachten.

»Was zögerst du?« dachte der Star, »glaubst du etwa nicht, dass der Nistkasten mir gehört und dass ich es ehrlich meine? Nun, ich beweise es dir.«

Er segelte in einem eleganten Gleitflug zum Rasen nieder, sammelte trockene Halme in seinen Schnabel und trug sie in den Kasten.

Das überzeugte die Starin. Nun gesellte sie sich zu ihm, küsste ihn zärtlich, und die Verlobung war vollzogen.

Von jetzt an aber kümmerte sich der Star nicht weiter um das neue Heim. Das war auch nicht nötig, denn in der Vorfreude ihrer baldigen Ehe wurde das Weibchen so emsig, dass er den Nestbau getrost ihr überlassen konnte. Dann heiratete das Pärchen, und sie legte nach und nach fünf grünblau glänzende Eier.

Zu seiner Ehre muss man aber sagen, dass er beim Brüten aushalf. Und als die Jungen geschlüpft waren, fütterte er sie so gut wie das Weibchen, mit leckeren Insekten, Larven, Puppen, Schreckchen, Würmern, Beeren und anderen Früchten.

 


 

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