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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 192
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Das Abenteuer der Porzellan-Ente

Es war einmal eine hübsche Porzellan-Ente, die glänzte am ganzen Körper in sanften, angenehmen Farben. Seit Jahren stand sie als Schmuckstück auf dem Fernsehgerät, so dass die Menschen immer eine wohltuende Abwechslung hatten, wenn das Leben auf dem Bildschirm ihnen zu arg wurde.

Eines Tages aber kam eine neue Putzfrau, eine Vertreterin. Die stellte die Ente nicht zwischendurch auf den Schrank, wie diese es gewohnt war, sondern auf die Fensterbank. Von hier aus blickte die liebenswürdige Porzellan-Ente zum ersten Mal in ihrem schönen Leben auf den Rasen im Hof – und fuhr erschrocken zusammen. Denn draußen liefen ihresgleichen, Enten wie sie. Nun ja, nicht so farbig und nicht so glanzreich, aber doch auch ein wenig bunt. Das Außerordentliche, das Unbegreifliche aber war, dass diese Enten sich bewegten. Sie watschelten plappernd durch die brusthohen Grashalme, pickten hier ein wenig und dort ein wenig, um sich nicht lange aufzuhalten, denn sie hatten ein Ziel. Mit rauschendem Gefühl im Bauch sah die Porzellan-Ente, dass ihre Artgenossen auf einen Teich zugingen.

»Lebendig sein,« dachte sie, während eine große Sehnsucht wie neuer Lebensatem durch ihren Körper zog, »ich wusste ja gar nicht, dass unsereiner sich bewegen kann wie die Menschen, ach nein, viel besser, mir jedenfalls gefällt der wiegende Gang besser als der steife menschliche Schritt. Sieh da! Wie sie schwimmen! Und sie fressen. Was mag das für ein Gefühl sein, sich Futter zu schnappen,um es durch den Schnabel und durch den Hals in den Bauch rinnen zu lassen!«

Die Porzellan-Ente war so begeistert, dass sie im Wind des offenen Fensters zu schunkeln begann. Als sie merkte, dass sie damit auch vorwärts kommen konnte, gab sie dem Rhythmus der Luft umso lieber nach, bis, ja bis sie schließlich über den Rand der Fensterbank nach draußen purzelte.

»Huch!« rief sie, halb erschrocken, halb selig vor Erwartung. Doch dann schlug sie auf und schrie so laut, dass die Putzfrau aufmerksam wurde und sie schnell wieder hereinholte.

Es war nicht viel passiert, wenn man von dem Abenteuer des Sturzes absieht. Die Porzellan-Ente war heil geblieben. Ihr Glanz allerdings hatte einige Schrammen bekommen, so dass sie nicht mehr ganz so gerne gesehen wurde. Trotzdem durfte sie ihren festen Standort auf dem Fernsehgerät behalten.

 


 

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