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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 165
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der traurige Mond

Es war einmal ein Mond, der kreiste bleich durch den Weltraum um die Erde. »Ich bin zu gar nichts nütze,« warf er sich vor, »ich bestehe nur aus wildem Gestein. Wenn ich mir die Erde ansehe: Wie fruchtbar und schön grün ist sie doch. Meine Krater und meine Berge sind öde und nichtssagend, tot, alles tot, und mein bester Schatz, das Licht, stammt nicht von mir, ein Gnadenakt der Sonne, mal umfassender, mal schmaler.«

Er hätte seinen Kummer gerne ausgeweint, doch er war so durch und durch trocken, dass er nicht einmal Tränen hervorbringen konnte.

Auf der Erde aber stand ein Mensch und sagte: »Was für ein gutmütig leuchtendes Gesicht! Wenn der Mond nicht wäre, könnte ich die Nächte nicht ertragen, ein wunderbares Glück, einen so zuverlässigen Begleiter zu haben. Der lässt sich nicht unterkriegen. Und wenn ihm das Licht ausgeht, so wartet er geduldig, bis es wiederkommt, und es kommt wieder, mit Sicherheit.«

 


 

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