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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 152
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der unersättliche Luftballon

Es war einmal ein Luftballon, der freute sich immer, wenn er aufgeblasen wurde, denn er kam sich unnütz vor, wenn er schlaff in der Schublade lag. Immer wieder feuerte er die Kinder an:

»Feste! Pustet, was das Zeug hält! Wer kann's am besten? Wie? Mehr schafft ihr nicht?«

Die Kinder bliesen, dass ihre Köpfe vor Anstrengung rund und rot wurden. Wenn sie dann erschöpft aufhörten, dankte ihnen der Luftballon mit einem vergnügten Pfeifgebrabbel. Als ein Junge einmal seine ganze Kraft in den Ballon geblasen hatte, so dass er ihn vor zittriger Anstrengung nicht mehr halten konnte, stieß der Ballon den Überdruck so heftig aus seinem Mundstück, dass ein Rückstoß entstand und er davonbrauste wie ein UFO.

Er kam jedoch nicht weit. Deshalb rief er die Kinder gleich wieder zu einem Puste-Wettbewerb auf.

»Ich bleibe bei dem, der mich am weitesten fliegen lässt!« forderte er sie heraus.

Und nun begann ein Spiel, das den Kindern das Letzte abverlangte: Die Atemluft bis zu den letzten, nur noch hinausgehusteten Resten. Jedes Mal wurde der Ballon dicker, und jedes Mal flog er beim Entweichen der Luft weiter. Nach jedem Flug aber wollte er noch mehr.

Schließlich einigten sich die Kinder darauf, sich nicht kaputtzumachen, sondern nacheinander zu blasen, ohne den Luftballon zwischendurch fliegen zu lassen. Nach jedem Blasen hielten sie die Hülle zu, so dass von einem Kind zum anderen nur wenig Luft herausstrudelte, umso mehr aber hineingefüllt wurde. Der Schlussmann brauchte gar nicht mehr viel Ausdauer, sondern nur

noch gute Nerven. Denn während er noch blies, platzte der maßlos gierige und nun völlig überfüllte Ballon, so dass dem Jungen die Fetzen um die Nase flogen.

 


 

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