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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 151
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der süße kleine Löffel

Es war einmal ein kleiner Löffel, der war so süß, dass ihn alle liebten oder beneideten. Eigentlich war er nur eine hübsche eiförmige Mulde aus Metall mit fein geschwungenem Stil. Da er aber dazu benutzt wurde, Zucker in den Kaffee oder in den Tee zu kippen, galt er selber als süß und ließ es sich gerne gefallen.

Besonders missgünstig betrachteten ihn die großen Löffel, denn sie durften immer nur Suppen oder Soßen schleppen, die meistens auch noch unerträglich heiß durch den ganzen Löffelkörper glühten. Wie gerne hätten sie dem Kleinen einmal gezeigt, was er wirklich verdient hatte, dieser Wichtigtuer.

Ein Löffel sprach allen aus der Seele, als er mit scheel blinkendem Blick meinte:

»Als wenn das was wäre, ein bisschen Zuckerschaufeln. Da würden wir doch glatt in derselben Zeit das Vier- und Fünffache leisten. Aber nein, wir gelten ja nichts, wir sind wohl nicht fein genug.«

Eines Tages wurde der kleine Löffel sogar zum Essen eines weichen Sahneteilchens gebraucht. Das brachte auch die Kuchengabeln gegen ihn auf, die anderen Gabeln schlossen sich an, so dass nun alle gegen den Löffel waren, nur die Messer hielten sich glatt zurück.

Nach einem größeren Essen kam das ganze Besteck zusammen ins heiße Spülwasser. Das nutzten die Verschwörer. Sie nahmen den kleinen Löffel in die Zange, klemmten ihn zwischen sich ein und bogen ihm den Kopf nach unten.

»Damit du demütig wirst,« höhnte der Löffel, der als Anführer der empörten Rotte galt.

Der kleine Löffel konnte sich nicht wehren; ihn tröstete nur das kosende weiche Wasser. Das konnte ihn aber nicht wieder geradebiegen.

»Ich bin für immer verunstaltet,« seufzte der kleine Löffel ganz verzweifelt, »noch schlimmer aber ist, dass ich jetzt weiß, wie sehr man mich hasst.«

Er gab sich auf und interessierte sich für gar nichts mehr. Erst einen Tag später, morgens zur Frühstückszeit, kam der kleine Löffel wieder zu sich. Denn die Hausfrau nahm ihn wie immer aus der Schublade. Sie steckte ihn aber nicht in die Zuckerdose, sondern ins Marmeladenglas.

»Seht mal, Kinder,« rief sie fröhlich, »ist der Löffel nicht zu einer süßen kleinen Kelle geworden!«

 


 

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