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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 148
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Der fleißige Lichtstrahl

Es war einmal ein Lichtstrahl, der war leicht und goldig mit vielen Geschwistern von der Sonne aus in den Weltraum gestartet. Zufällig zielte er in Richtung Erde. Als er ihr näher kam und sie erkennen konnte, freute er sich und jubelte: »Von allen Sternen ist mir dieser am liebsten. Blaue, grüne, bunte Erde. Ich werde dich verwöhnen – so gut ich kann, aber immerhin langen wir ja bündelweise hier an. Wir werden schon einiges auf die Beine stellen. Hurrah. Das Leben beginnt!«

In seinem fleißigen Eifer geriet der muntere Sonnenstrahl aber in eine glänzend lockende Pfütze. Nun, sie machte sich zunächst gar nicht viel daraus, sondern wärmte ihr Gebiet, küsste ein paar Samenkörner, die der Wind hergeweht hatte, und sorgte dafür, dass sie sich entfalten und vermehren konnten. Dabei ließ sich aber nicht vermeiden, dass der Goldstrahl dreckig wurde.

Als er nun zu Beginn des Winters, da es für ihn auf der Erde sowieso nichts mehr zu tun gab, heimkehren wollte zur Mutter Sonne, da ließ die ihr ausrichten, sie wolle keine schmuddeligen Kinder, er möge nur in seiner Sudelei bleiben. Da weinte der kleine Strahl so tränenreich, dass ihm das bittere Salzwasser vom Kopf bis zu den Füßen um den feinen Körper rann. Davon wurde er ganz sauber und klar.

So durfte er heim. Und mit einem Jauchzer, wie er gekommen war, schnellte er sich wieder davon, mitten hinein in die Sonne.

 


 

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