Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Gedichte

: Gedichte - Kapitel 133
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
typefable
Schließen

Navigation:

Die faule Kuckuckin

Es war einmal ein Kuckucksweibchen, das war zu faul, sich ein Nest zu bauen. Da flog es zu Tante Ani, einer Madenfresserin, die ihrerseits auch sehr bequem war. Sie hatte sich aber mit anderen Kuckucksfrauen zusammengetan, um wenigstens eine gemeinsame Notunterkunft herzurichten, worin sechs Weibchen nebeneinander brüten konnten. Für die Kuckucksnichte war kein Platz mehr.

Inzwischen aber wurde der Druck ihres ersten Eies so unerbittlich, dass sie es dringend ablegen musste.

In ihrer Not suchte die faule Kuckuckin Unterschlupf bei ihrer Tante Pirinche, die ebenfalls in einem nur notdürftig zusammengestocherten Zweigwerk nistete, so dass man fürchten musste, die Eier würden durch die Ritzen fallen und auf der Erde zerplatzen.

Nun wusste die Nichte sich keinen anderen Rat, als ins nächstbeste Bachstelzennest zu kriechen. Darin lagen bereits zwei Bachstelzeneier, aber die Mutter war gerade ausgeflogen. Schnell legte das faule Kuckucksweib sein Ei dazu und floh erlöst davon.

Nach gut zwölf Tagen sprengte der kleine Sohn seine Eierschale und ließ sich von der Bachstelze füttern. Zehn Stunden später schubste er die echten Eier seiner Pflegemutter mit seinen kräftigen Flügelstummeln aus dem Nest, das der gefräßige Kuckuck fortan allein beherrschte. Die Bachstelze aber war so dumm, dass sie nicht einmal merkte, was sie da heranzog. Ihre eigene Brut vermisste sie nicht, war doch der eine Schnabel so gefräßig wie drei andere.

Die Kuckucksmutter aber, die inzwischen weitere Eier gelegt hatte, wusste nicht mehr, wo ihr Nachwuchs heranwuchs. Unstet irrt und sucht sie nun umher, macht sich den Menschen nützlich, indem sie die Obstbäume und das Gemüse von Raupen befreit, sitzt jedoch zwischendurch immer wieder auf einem Zaunpfahl und ruft »Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!« – unentwegt, aber ihre Jungen hören nicht auf ihren Lockruf.

»So heißen viele,« sagen sie sich, »und sowieso, die Mutter hat uns als Baby nicht gewollt. Jetzt brauchen wir sie nicht mehr.«

 


 

 << Kapitel 132  Kapitel 134 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.