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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 120
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Die kecke Kirsche

Es war einmal eine gelb-rote Kirsche, die hing unter vielen ihresgleichen an einem Baum, der sich wie eine Mutter um sie kümmerte. Sie war so süß und so schön, dass sie von allen Geschwistern bewundert wurde, selbst die Kirschen am benachbarten Baum staunten sie an und sagten ihr eine glänzende Zukunft voraus.

Eines Tages, als die Kirsche reif war, riss sie sich von der Mutter los, um selbständig durchs Leben zu rollen. Sie fiel in weiches Gras, ging aber darin unter, so dass sie schließlich froh war, als eine junge Frau sie aufhob.

Die Frau legte sie mit anderen Kirschen, aber auch mit Äpfeln, Birnen und Pflaumen, in eine große Obstschale, wo sie sich sehr klein vorkam. Um sich mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, schubste sie eine Birne, die neben ihr auf der Höhe der Obstversammlung thronte, und forderte sie keck auf:

»He Kumpel, rück doch `mal ein bisschen zur Seite. Unsereiner will ja auch `was haben vom Leben.«

»Warum nicht?« knurrte die Birne und kippte ein wenig nach vorne. Dadurch aber entstand eine Spalte, so dass die süße Kirsche abwärts rollte und eingequetscht wurde.

Erst wollte sie nach ihrer Mutter rufen, dann jedoch beschloß sie, tapfer durchzuhalten. Bald darauf entdeckte die junge Frau die süße Schönheit der Kirsche, fingerte sie aus dem Spalt und steckte sie sich in den süßen Mund, wo sie sanft verging wie ein sonniges Wölkchen, das der Himmel sich einverleibt.

 


 

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