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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 119
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
typefable
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Der arbeitsame Kork

Es war einmal ein Kork, der diente einem Angler als Schwimmer. Unter ihm, im Wasser, hing ein Angelhaken mit Köder, und er sollte dem Angler anzeigen, ob ein Fisch angebissen habe.

»Gehst du unter,« hatte dieser Mensch gesagt, »so weiß ich, dass ein Fisch angebissen hat, denn beim Versuch, davonzukommen, zieht er dich mit. Dabei gerätst du unter den Wasserspiegel, und ich weiß Bescheid.«

Der Kork hatte wie alle Korken dazu gedient, eine Flasche zu schließen, um den Inhalt festzuhalten und vor schädlichen Einflüssen aus der Luft zu bewahren. Das war seine Lebensaufgabe gewesen, zu schützen und nicht zu verderben. Nun aber sollte er dazu beitragen, unschuldige Wesen zu fangen.

»Was soll ich machen?« überlegte sich der Kork, der zwar dicht war, aber nicht hart. »Meinen Beruf musste ich aufgeben, weil die Flasche leer wurde. Ich bin eigentlich froh, dass ich überhaupt noch zu gebrauchen bin. Also gebe ich nach.«

Er ließ sich geduldig an die Angelschnur binden. Ach, und dann merkte er, wie gut seine neue Arbeit war. Er tanzte vor Vergnügen auf den kleinen Wellen des Flusses und ließ sich vom Wind treiben, bis die Schnur ganz gestreckt war und wieder eingeholt wurde. Dann schwirrte er wie ein Vogel durch die Luft, um mit Hurra wieder im Wasser zu landen.

Unangenehm waren nur die Zwischenfälle: Wenn tatsächlich ein Fisch anbiss und den Korken unter Wasser zog, fürchtete er zu ertrinken. Das waren so schreckliche Erlebnisse, dass er dachte: »Es ist doch eine gute Tat, wenn ich Helfe, die Fische aus dem Wasser zu ziehen. Ich merke nun an mir selber, wie gefährlich es ist, darin unterzugehen.«

 


 

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