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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 118
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Die abgestürzten Kinder

Es waren einmal ein Mädchen und ein Junge, die spielten vergnügt im Maienregen. Darin glitzerte die Sonne so lustig, als ob sie mitspielte, und oben über ihnen wölbte sich wie ein riesiges Diadem ein Regenbogen in allen Farben des Lebens und des Todes.

»Wie schade,« sagte das Mädchen, »dass die goldenen Tropfen alle im Erdboden versickern, einen See sollten sie bilden, damit wir darin baden könnten.«

»Ja,« meinte der Junge: »Es wäre herrlich, im Sonnenregen zu baden. Aber wir haben ja die Dusche.«

Im selben Augenblick versiegte die bis dahin so großzügige Wolke, ließ ihre letzten Tropfen niederkleckern und verschwand. Und während die Kinder ihrem letzten glühenden Nebelschleier nachtrauerten, brach unter ihnen die Erde ein, so dass sie in eine Höhle stürzten.

Sie erschraken sehr, doch dann fassten sie sich, standen auf und klatschten vor neuer Freude in die Hände.

»Da sind sie ja!« rief das Mädchen, »da sind ja alle unsere Regentropfen.«

»Ja,« sagte der Junge, »sie haben brav auf dich gehört und einen See gebildet, nicht so golden wie oben, aber silbern und größer. Springen wir hinein!«

Tatsächlich war das Pärchen in eine Höhle gerutscht, in der sich das Wasser zu einem See gesammelt hatte, um an geeigneter Stelle zur rechten Zeit ins Meer heimzukehren, erneut zu verdunsten, erneut niederzuregnen und immer wieder im See zu rasten.

 


 

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