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Gedichte

: Gedichte - Kapitel 114
Quellenangabe
titleGedichte
authorHelmut Wördemann
modified20170815
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Die schwarze Katze

Es war einmal eine schwarze Katze, die war schon als Kind davongejagt worden, weil ihre Mutter – den Vater hatte sie nie kennen gelernt – zu viel Nachwuchs gehabt hatte. Erst wollte die Herrin sie verschenken, dann ersäufen, aber sie fand weder einen Käufer noch einen Henker, und so sperrte sie den kleinen Kätzchen einfach die Tür vor der Nase zu, so dass sie ihr Glück in der Ferne suchen mussten.

Die schwarze Katze hatte aber nun das Glück, eine Bäckerei zu finden, ein großes Haus, in dem sie wohl damit rechnen konnte, viel Futter zu finden. Es kam ihr aber nicht auf den Kuchen an und auf die Rosinen, sondern vor allem auf die Mäuse, die es vielleicht in jedem zweiten Mehlsack gab, vielleicht auch nur in jedem zehnten. Jedenfalls musste es in einem solchen Paradies auch Mäuse geben.

Das Kätzchen schlich sich also in das Schlaraffenland-Haus und lebte tagelang von der tatsächlich sehr ergiebigen Jagd. Da hörte sie, wie die Bäckersfrau zu ihrem Mann sagte: "Ich glaube fast, wir haben eine Katze im Haus, ich sehe gar keine Mäuse mehr." Da wagte sich die junge Katze aus ihrem Versteck hervor, um sich dem Ehepaar zu zeigen. Durfte sie doch hoffen, als erstklassige Kammerjägerin fest angestellt zu werden

Aber ohweh! Der Bäcker schrie auf und schlug die weißen Hände über dem Kopf zusammen: "Eine schwarze Katze, eine schwarze Katze! Das bringt Unglück, schafft mir das Vieh aus dem Haus!"

Da er des Hauses mächtiger war als seiner selbst, gehorchten seine Leute und trieben das Kätzchen fort.

Traurig schlich es an den Hecken entlang und lief am nächsten Morgen unversehens einem Hochzeitspaar über den Weg: "Sieh mal!" rief der junge Mann, "eine schwarze Katze! Die wird uns sicher Glück bringen. Komm, wir nehmen sie mit." Seine eben erst angetraute Ehefrau kam ihm sogar noch zuvor, schnappte sich das vor Staunen starre Glückskätzchen und nahm es mit in die Wohnung.

Dort brauchte es nur selten eine Maus zu fangen, aber es wurde täglich gefüttert und gepflegt. Für das Ehepaar war die schwarze Katze ein anhängliches Symbol, mal für das Pech, mal für das Glück, sie schien den Wechsel zu gewährleisten, so dass weder das eine noch das andere sich zu einem Dämon auswachsen konnte.

 


 

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