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Ludwig Anzengruber: Gedichte - Kapitel 38
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Anzengruber
booktitleKalendergeschichten. ? Gedichte und Aphorismen
titleGedichte
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger
seriesLudwig Anzengrubers Gesammelte Werke in zehn Bänden
volumeFünfter Band
printrunDritte durchgesehene Auflage
editorA. Bettelheim. V. Chiavacci. V. K. Schembera.
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071214
projectidd942c059
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Prolog

Zur Festvorstellung im Theater an der Wien am 28. Sept. zur Feier der Rückkehr der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition.

(Gesprochen von Marie Geistinger im Charakter der »Horlacherlies«)

Do schreiben s' Neuzeit von dö Nordpolfahrer,
Mit großen Buchstab'n hob' is selber g'sehn für g'wiß –
A – 's Les'nkinna is a Seg'n, a wahrer –
Bin zum Schulmaster glei, hab g'fragt: was denn dös is?
Der sagt: »No, Lisl, hörst, bist ma a feini,
Vergißt's, do Erd' is rund, und auf der oanen Höh'
Da is a Land, da mag der koana eini,
So liegt's für ewig' Zeiten unter Eis und Schnee –
Da han si kuraschierte Manner g'funden
Und Oesterreicher, unsre braven Landsleut' soan's,
Dö han die tausend G'fahren überwunden,
Dö kemman hoam und dö erzähl'n der Welt hirzt oans!
Von alle, dö dös Stückl unternomma –
Verhungert und verfror'n san da gar bräve Leut' –
Dö Oesterreicher soand am weitsten komma,
Wo no koan Mensch is g'wen seit unvordenkli Zeit, –
Man kann dös koan unnütze Neugier nenna,
Dös steckt zu tiafst im Menschenherz'n eb'n,
Er will die Welt aufs letzte Winkerl kenna,
Den Wohnsitz, den uns hat der Herrgott geb'n!
Da gibt's so Leut', dö möchten s' gern verflucha,
Wann oaner' nur auf was er selber siacht, vertraut,
I moan, 'n Herrgott g'freut's, wann ihm oan Suacher,
A so a rechta, findig in die Werkstatt schaut,
Und moan, wir anderne, koan bißl minder
San dö ihm wert, und er is ihna z' Will'n
So will a Vater, der mit seine Kinder
Nach Feierabend thuat Verstecka spiel'n,
Dö kloana Sakra stürzen 's ganze Haus
Und endli geht nur a kloin Bröserl a,
Der Boda woaß si selber nimmer aus,
Und muaß hervor: no guckt's – da bin i ja!
Und wird er mänigsmal a müd und irrig,
Do sucht der Mensch, nur wohl, a Spiel is's net,
A Arbeit is's, wie andere hart und schwierig,
A Arbat moan i, frumm wie a Gebet!
No woaß i mi schon aus, dös kann i sagen,
Ich han Respekt vor meine Landsleut' 'kriegt:
Es braucht schon a Kuraschi, das zu wagen,
A richtig's G'schau, das do a woaß, was's siegt!
Und was hab'n s' alles ausstehn müssen,
Dö armen Hascher, da am Nordpol unt',
's Schiff g'friert ein, 's Eis wackelt unter 'n Füßen
Und 's Wetta, glaub' i, is dort a net g'sund.
Und Berg soll's geb'n von Eis, gar net zum messen,
Und wüste Viecher viel – no i wollt' wetten –
Wann oan a Eisbär traf, der möcht' koan fressen
Und d'Seehund lieg'n wohl a an koaner Ketten.
Dös B'sundere anschau'n is wohl a net z'wider,
Do wie si unsre Landsleut' g'freuen mög'n,
Nach a so langer Zeit, wann so dann wieder
Da unsre Berg' und unsre Viecher seg'n.
So hab'n aufg'wiesen vor der Welt ihr'n Augen,
Wir hab'n no Leut' voll Rührigkeit und Kraft
Und kemman s' frisch und g'sund, selb' möcht' schon taugen,
Daß ma si lang no g'freut der Landsmannschaft,
Und sachet i's, i war net lang bedacht,
I gebet freundli ihner d'Hand,
Seid 's schön bedankt für d'Ehr', dö ös uns g'macht
Und grüß eng Gott im Vaterland!

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