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Bjørnstjerne Bjørnson: Gedichte - Kapitel 15
Quellenangabe
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typepoem
authorBjörnstjerne Björnson
titleGedichte
publisher
seriesBjörnstjerne Björnson gesammelte Werke in fünf Bänden
volumeErster Band
editorJulius Elias
year1911
translatorMax Bamberger, Ludwig Fulda, Cläre Mjöen, Christian Morgenstern, Roman Woerner
correctorreuters@abc.de
senderpg-us#12921
created20090714
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Bergliot

(In der Herberge)

Nun wird König Harald
Wohl Tingfrieden geben;
Denn Ejnar sammelte
Fünfhundert Bauern.

Die Burg umschließet
Ejndride, der Jüngling,
Dieweil sein Vater
Redet zum König.

Nun hoffe ich, Harald
Bedenkt, daß Ejnar
Zween Könige schon
Für Norge geküret –

Und schenkt uns Versöhnung
Auf Grund der Gesetze;
So war sein Gelübde,
Heiß wünscht es das Volk.

Wie auf den Wegen
Sandwolken stieben,
Und Lärm wacht auf! –
Schau' nach, mein Knappe.

– Es war wohl der Wind nur!
Denn unwirtlich ist's hier
Am offnen Fjord
In den niedren Bergen.

Seit früher Kindheit
Kenn' ich die Stätte;
Der Wind hetzt die grimmen
Hunde hierher.

– Doch tausendstimmig
Entfacht sich Getöse,
Durch Stahlklang wachsend
Zu kampfroter Flamme.

Ja, das ist Schildlärm!
Und sieh, welch Staubmeer,
Speerwogen turmhoch
Um Tambarskelve.

In Not ist Ejnar! –
Treuloser Harald.
Deinem Tingfried entsteigen
Die Totenvögel.

Fahrt zu mit dem Wagen.
Ich muß zum Kampfe, –
Jetzt müßig sitzen, –
Nicht um das Leben!

(Auf dem Wege)

O Bauern, bergt ihn
In schirmendem Kreise!
Ejndride, nun schütze
Den alten Vater!

Baut ihm eine Schildburg
Und reicht ihm den Bogen;
Mit Ejnars Pfeilen
Pflügt ja der Tod!

Und du, Sankt Olav!
O denk deines Sohnes,
Und bitte für Ejnar
In Gimles Hallen.

(Näher)

Kampflose Mengen – ...
In wirrem Drängen...
Gleich Wellen,
Den schnellen,
Zum Strande nun fliehn
Mit bebenden Knien
Und starren zurück.
Verließ uns das Glück?
Mit trauernden Zeichen
Halten die Scharen;
Sie pflanzen die Lanzen
Im Kreis um zwei Leichen.
Und Harald darf fahren?
Welch dumpfes Gedränge
Beim Tinghause dort!
Stumm wendet die Menge
Sich schaudernd fort.
Wo ist Ejndride! – –
Angstvolle Blicke,
Wohin ich sehe,
Wollen mich meiden...
Nun weiß ich's, wehe,
Tot sind die beiden.
– – Platz. Ich muß sehen.
Weh mir, sie sind es.
Konnt' es geschehen?
Ja, sie sind es.

Gefallen ist Nordens
Herrlichster Helde,
Norriges bester
Bogen zerbarst.

Gefallen ist Ejnar
Tambarskelve,
Der Sohn ihm zur Seite, –
Ejndride.

Ermordet im Finstern,
Er, der dem Magnus
Mehr als ein Vater,
Knuds, des Reichen,
Söhnen ein Freund.

Meuchlings ermordet
Der Schütze von Svolder,
Der springende Löwe
Der Lyrskogheide.

Tückisch geschlachtet
Der Bauern Häuptling,
Der Trönder Heide
Tambarskelve.

Mit weißen Haaren
Den Hunden zur Beute, –
Der Sohn ihm zur Seite,
Ejndride!

Auf, auf, ihr Bauern, er ist gefallen.
Doch er, der ihn fällte, er lebt.
Kennt ihr mich nicht? Bergliot,
Tochter des Håkon von Hjörungavaag:
Nun bin ich Tambarskelves Witwe.

Euch rufe ich an, Heerbauern,
Mein greiser Mann ist gefallen.
Seht, seht, hier ist Blut auf dem bleichen Haar.
Auf euer Haupt mög' es kommen,
Wenn es erkaltet, eh' ihr es rächt.

Auf, auf, Kriegsheer, es fiel euer Feldherr,
Euer Stolz, euer Vater, eurer Kinder Wonne,
Eurer Kinder Märchen, eures Landes Held, –
Hier liegt er, gefallen. Und ihr wolltet ihn nicht rächen?

Meuchlings ermordet, im Königshause,
Im Tinghaus, dem Hause des Rechtes ermordet,
Ermordet vom obersten Manne des Rechts!
Des Himmels Blitz zermalme das Land,
Läutert sich's nicht in der Lohe der Rache!

Stoßt die Langschiffe ab!
Ejnars neun Langschiffe liegen ja hier,
Laßt sie die Rache zu Harald tragen.

O stündest du hier, Håkon Ivarson,
Stündest hier auf der Höhe, mein Blutsfreund,
Nicht erreichte den Fjord dann Ejnars Mörder, –
Nicht müßt' zu euch, Feigen, ich flehn!

O Bauern, hört mich, mein Mann ist gefallen,
Meines Denkens Hochsitz durch fünfzig Jahre!
Zermalmt, zerbrochen, und ihm zur Seite
Der einzige Sohn, ach! all unser Hoffen!

Leer ist es nun zwischen diesen zwei Armen –
Kann ich betend sie je noch erheben?
Wohin auf Erden soll ich mich wenden?
Zieh' ich von hinnen zu fremden Stätten, –
Sehn' ich mich heim, wo wir beide gewandelt.
Aber wende ich mich heimwärts, –
Ach! sie selbst vermisse ich dann.

Odin in Walhall darf ich nicht suchen;
Den verließ ich ja schon in der Kindheit.
Und der neue Gott in Gimle? – –
Der hat mir ja alles genommen!

Rache? – Wer spricht von Rache? –
Kann Rache meine Toten erwecken?
Kann sie mich wärmen, wenn fröstelnd ich bebe?
Gibt sie mir traulichen Witwensitz,
Trost einer Mutter ohne Kind?

Geht mit eurer Rache! Laßt mich in Frieden!
Legt ihn auf den Wagen, ihn und den Sohn,
Kommt, wir geleiten sie heim.
Der neue Gott in Gimle, der fürchterliche, der alles nahm,
Laßt ihn auch Rache nehmen; denn die versteht er,
Fahrt langsam! Denn so fuhr auch Ejnar immer, –
Und wir kommen früh genug heim.

Nicht springen die Hunde heut freudig herbei, –
Sie winseln und heulen mit hängendem Schwanz.
Im Stalle spitzen die Pferde die Ohren,
Froh der Stalltür entgegenwiehernd,
Lauschend auf Ejndrides Stimme.

Doch nimmer ertönt sie mehr, –
Und nimmermehr Ejnars Schritt im Flur,
Der allen kündet: steht auf, ihr Leute,
Jetzt kommt euer Häuptling!

Die großen Stuben will ich schließen,
Fortschicken all unsre Leute;
Vieh und Pferde will ich verkaufen,
Von hinnen ziehn und einsam leben.
    Fahrt langsam!
Denn wir kommen früh genug heim.

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