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Richard Zoozmann: Gedichte - Kapitel 89
Quellenangabe
typepoem
authorWalther von der Vogelweide
titleGedichte
publisherWilhelm Borngräber Verlag
editorRichard Zoozmann
year1907
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071027
projectidbc6f353d
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An Frau Welt

L. 59. Werlt, du ensolt niht umbe daz

   Zürne, Welt, mir nicht so sehr,
Wenn ich auf Belohnung denke,
Grüße mich ein wenig mehr,
Einen Liebesblick mir schenke.
   Du kannst mich wohl pfänden
Und mein Glück beenden,
Das steht, Frau, in deinen Händen.

    Du hast manches gute Ding,
Deren eins sollst du mir schenken;
Welt, mein Dank war nicht gering,
Was du solltest wohl bedenken.
   Wich ich Spannenbreite
Je von deiner Seite,
Sprich, seitdem ich dir mich weihte?

    Doch wie soll ich folgen dir,
Suchst du dich mir zu entwinden;
Willst du dich entziehen mir?
Nun, ich werde mich drein finden.
    Groß ist deine Eile,
Mir wird, ob ich weile,
Nur Verschmähn von dir zuteile.

    Wie ist denn dein Herz bestellt
Wider mich?   Bei mir ist gut.
Was ich will – was willst du, Welt?
Willst du mehr als hohen Mut?
   Willst du bessres Leben,
Als an dem dich eben
Zu erfreun, was ich gegeben?

    Tu, o Welt, was ich dich bitt:
Folge weiser Leute Tugend.
Du verdirbst dich selbst damit,
Nimmst du nur der Toren Jugend.
   Mach, daß alte Ehren
Wieder zu dir kehren
Und dein Ingesind belehren.

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