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Richard Zoozmann: Gedichte - Kapitel 86
Quellenangabe
typepoem
authorWalther von der Vogelweide
titleGedichte
publisherWilhelm Borngräber Verlag
editorRichard Zoozmann
year1907
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071027
projectidbc6f353d
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Wahre Ehre

L. 102. Mir îst diu êre unmaere

    Ehre meid ich gerne,
Die mir Schande einträgt übers Jahr,
Daß ich klagen lerne:
»Weh mir! sonst wars anders – doch: es war!«
   So hab ich mir denn manchen Kranz versagt,
   Nach Blumen nicht gefragt;
   Wer Rosen bricht, hat oft den Dorn verklagt.

    Wer sich als Verwalter
So bewährt, daß man ihn loben mag,
Hat ein schönes Alter:
Ihn verdrießet nicht ein halber Tag.
   Erfreut ist jeder, der im Tanze springt,
   Des Herz nach Ehre ringt:
   Weh dem, der seinen Freund in Schande bringt.

    Immer soll man fragen,
Wie es um das Herz des Mannes steht.
Wems nicht will behagen,
Der vergißt, wie schnell die Zeit vergeht.
   Wohl mancher scheint in fremden Augen gut
   Und hat doch falschen Mut:
   Wohl ihm bei Hof, der Recht zu Hause tut!

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