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Richard Zoozmann: Gedichte - Kapitel 66
Quellenangabe
typepoem
authorWalther von der Vogelweide
titleGedichte
publisherWilhelm Borngräber Verlag
editorRichard Zoozmann
year1907
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071027
projectidbc6f353d
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Frühlingslied

L. 114. Der rîfe tet den kleinen vogelen wê

    Es tat der Reif den kleinen Vögeln weh,
Da schwiegen sie im Leide;
   Jetzt wieder hör ich sie so hold wie eh
Auf neuergrünter Heide.
   Die Blumen stritten mit dem grünen Klee:
Wer länger wäre?
Ich sagte meiner Herrin diese Märe.

    Uns hat des Winters Frost und andre Not
Gar viel getan zu Leide.
   Ich glaubte schon, nie wieder Blumen rot
Zu sehn auf grüner Heide.
   Es schmerzte gute Herzen, wär ich tot,
Die Lust verlangen
Und sonst auch gerne sangen oder sprangen.

    Versäumt ich solchen wonniglichen Tag,
Mit Recht ich Tadel leide,
   Denn für die Lustbarkeit wär hart solch Schlag –
O weh, daß ich nun meide
   Die Freuden alle, deren einst ich pflag.
Daß Gott euch segne:
O wünschet doch, daß mir auch Heil begegne!

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