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Richard Zoozmann: Gedichte - Kapitel 159
Quellenangabe
typepoem
authorWalther von der Vogelweide
titleGedichte
publisherWilhelm Borngräber Verlag
editorRichard Zoozmann
year1907
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071027
projectidbc6f353d
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Der große Sturm

L. 13. Owê! ez kumt ein wint, daz wizzet sicherlîche

   O weh, es kommt ein Sturm gebraust,
Davon in unsern Tagen,
Wie er die ganze Welt zerzaust,
Man singen wird und sagen.
   Der soll – so hört man schreckensbleich
Pilgrim und Waller klagen –
Durchrasen jedes Königreich
Und Baum und Turm zerschlagen.
   Den Großen weht das Haupt er ab,
   Drum laßt uns fliehn zu Gottes Grab.

    O weh, wie doch die Ehre ward
Ein Fremdling deutschen Landen,
Wo Mannheit, edle Sinnesart,
Wo Gold und Silber schwanden.
   Wer noch alldies sein eigen nennt
Und bleibt daheim mit Schanden:
Ihn lohnt nicht Gott, für ihn entbrennt
Kein Weib in Liebesbanden.
   Er fürchte einst im Himmel Gott,
   Auf Erden schon der Menschen Spott.

   O weh uns müßig Volk, daß wir
Uns lässig niederließen,
Daß zwischen Lust und Freuden hier
Uns Not und Jammer sprießen.
   Zu keiner Arbeit mochten mehr
Im Lenz wir uns entschließen,
Er trug nur flüchtge Freuden her,
Die Dauer nicht verhießen.
   Uns trog der kurze Vogelsang –
   Heil dem, der sichres Glück errang!

    O weh dem Liede, das wir da
Zur Grillenfiedel sangen,
Statt daß wir, eh der Winter nah,
Zu sammeln angefangen.
   Ach, daß wir nicht mit Bienenfleiß
Uns mühten! Längst errangen
Wir Lohn dann als der Mühe Preis –
Es geht, wies stets gegangen.
   Es höhnt ein Narr des Weisen Wort,
   Wer recht hat, zeigt dereinst sich dort!

Die Chronisten berichten von einem Orkan im Dezember 1227.

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