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Richard Zoozmann: Gedichte - Kapitel 156
Quellenangabe
typepoem
authorWalther von der Vogelweide
titleGedichte
publisherWilhelm Borngräber Verlag
editorRichard Zoozmann
year1907
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071027
projectidbc6f353d
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Im gelobten Lande

(Kreuzzug von 1228)

L. 14. Nû alrêst leb ich mir werde

   Nun ich erst zufrieden werde,
Da mein sündig Auge sieht
Dieses Landes heilge Erde,
Die man singt und preist im Lied.
   Ward erfüllt doch, was ich bat:
Nun ich schauen darf den Pfad,
Den der Herr als Mensch betrat.

    Schöne Lande, segensreiche,
Hab ich wandernd viel gesehn,
Keins ist, das sich dir vergleiche;
Was sind Wunder hier geschehn!
   Eine Magd ein Kind gebar,
Hehr ob aller Engel Schar –
Göttlich-menschlich wunderbar!

   Hier ließ sich der Reine taufen,
Daß der Mensch gereinet sei;
Hier auch ließ er sich verkaufen,
Daß die Sklavenzeit vorbei.
   Flöß uns je des Heiles Born
Ohne Kreuz und Speer und Dorn?
Heidentum, das ist dein Zorn!

    Als er unser sich erbarmte,
Litt der Herrliche den Tod,
Daß sein Reichtum uns Verarmte
Ledig mache aller Not.
   Daß sein Blut uns kaufte los,
Er, das Reis aus Jungfraunschoß,
Ist vor allen Wundern groß.

    Nieder dann zum Höllenschlunde
Fuhr der auferstandne Sohn,
Ihm war Heilger Geist im Bunde
Mit dem Herrn im Himmelsthron.
   Nur der einge Gott allein,
Wie ihn Abram schaute rein,
Löst dies Bündnis auf von drein.

    Als er dort den Feind bezwungen.
Wie kein Kaiser siegt im Streit –
Hat er neu sich hergeschwungen
Auf die Welt zu Judas Leid.
   Daß er ihre Hut durchbrach,
Mit den Jüngern ging und sprach,
Den ihr Haß mit Dornen stach.

    Als der Retter hier verweilet
Vierzig Tage, ist er frei
Zu dem Vater hingeeilet;
Seinen Geist, der mit uns sei,
    Hat er auf die Welt gesandt:
Heilig drum wird dieses Land,
Heilig aller Welt genannt!

    Auf dies Land hat er gesprochen
Einen schreckensreichen Tag,
Da die Witwe wird gerochen
Und die Waise klagen mag
   Mit der Armut ob Gewalt,
Die sie litten mannigfalt:
Wohl ihm dort, der hier entgalt!

    Weltgerichtsbarkeits Gebrechen
Hemmt des Rechtes Gang nicht mehr;
Denn er selbst kommt Urteil sprechen,
Zieht der jüngste Tag daher.
   Wen noch Schuld drückt, wehe dann,
Dort, wo der verlassne Mann
Pfand und Bürgen haben kann.

    Laßt euch dessen nicht verdrießen,
Was gesprochen hat mein Mund,
Drum will ich die Rede schließen
Und zuletzt euch machen kund:
   Was im Anbeginn erdacht
Gottes Herrlichkeit und Macht,
Hier beganns und ward vollbracht.

   Christen schwören, Juden, Heiden,
Daß dies Land ihr Erbteil sei,
Diesen Zweifel wird entscheiden
Einst des Himmels heilge Drei!
   Alle Welt dies Land begehrt,
Uns ward drauf ein Recht beschert,
Unser sei es unversehrt!

Dieses Lied entstand nach der Ankunft in Palästina am 7. September 1228.

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