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Richard Zoozmann: Gedichte - Kapitel 141
Quellenangabe
typepoem
authorWalther von der Vogelweide
titleGedichte
publisherWilhelm Borngräber Verlag
editorRichard Zoozmann
year1907
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071027
projectidbc6f353d
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Lebensart

L. 47. Zwou fuoge hân ich doch, zwie ungefüege ich sî

    Zu zwein bin ich geschickt,   wie ungeschickt ich bin.
Das ist mir eigen schon von Kindesbeinen.
   Ich zeige gern bei Frohen frohen Sinn,
Und lache ungern, seh ich jemand weinen.
        Mit den Leuten bin ich froh.
      Mit den Leuten will ich sorgen;
      Ist mir nicht zumute so,
      Schadets: Leid und Lust zu borgen?
        Wie sie sind, so will ich sein.
      Daß sie nicht verdrießet mein –
      Doch die nie bedauern.
      Wenn ein andrer fühlet Pein,
      Mögen auch bei Frohen trauern.

    Vordem, als minniglich   man noch um Minne warb,
Ist mein Gesang auch freudenhell erklungen,
   Da minnigliche Minne nun verdarb.
Da hab ich auch unminniglich gesungen.
        Immer, wie es grade steht,
      Soll man angemessen singen:
      Wenn der Unfug nun vergeht.
      Soll auch mein Lied höfisch klingen.
         Noch kommt Lust und Sangestag:
      Wohl dem, ders erwarten mag!
      Wer mir glauben wollte:
      Ich erkenne Ton und Schlag,
      Wo und wie man singen sollte!

   Vor Frauen sang ich einst   allein um ihren Gruß;
Den hab ich für mein Lob als Lohn erhoben.
   Da ich umsonst des Lohns nun harren muß.
Laß andre ich um solche Grüße loben.
         Wo ich nicht erwerben kann
      Solchen Gruß mit meinem Sange,
      Denen als ein stolzer Mann
      Zeig ich Rücken oder Wange.
        Das besagt: mir ist um dich
      Ebenso wie dir um mich.
      Frauen will ich ehren,
      Die da dankbar zeigen sich –
      Nicht die stolzen Überhehren!

    Vernehmt, was uns allsamt so großen Schaden tut,
Ist, daß die Fraun uns wenig unterscheiden!
   Sie fragen nicht, ob einer bös, ob gut:
Und dieser Gleichmut läßt uns Wackre leiden.
        Unterschieden sie uns noch,
      Daß auch sie sich sondern ließen.
      Beiden Teilen müßte doch
      Nur ein Vorteil draus entsprießen.
        Was steht wohl, was übel an.
      Wenn man es nicht scheiden kann?
      Frauen, laßt euch lehren:
      Zürntet ihr nicht, wollt ein Mann
      Über einen Kamm euch scheren?

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