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Richard Zoozmann: Gedichte - Kapitel 107
Quellenangabe
typepoem
authorWalther von der Vogelweide
titleGedichte
publisherWilhelm Borngräber Verlag
editorRichard Zoozmann
year1907
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071027
projectidbc6f353d
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Ein Gleichnis

L. 26. Ich hân hêrn Otten triuwe, er welle mich noch rîchen

    Ich habe Ottos Wort,   er woll mich reich beschenken,
Doch mocht er trügerisch   nur meines Dienstes denken!
Darf ich bei Friedrich nun   auf Lohn die Hoffnung lenken?
   Zu fordern hätt ich wohl   von ihm nicht eine Bohne:
Es sei denn, daß mein Sang   nachträglich noch ihn freue.
So sprach ein Vater einst   belehrend zu dem Sohne:
Dem ärgsten Manne dien,   daß dir der beste lohne!
   Otto, ich bin der Sohn,   ihr seid der ärgste Mann,
Nie traf ich ärgern noch,   das sag ich stets aufs neue:
Der König sei der beste,   nun er das Reich gewann!

Leider ging des Dichters Bitte, ihm für treu geleistete Dienste ein Heim zu bereiten, nicht in Erfüllung. Dieser Spruch ist wohl vor der Schlacht bei Vouvines (27. Juli 1214) entstanden.

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