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Giosuè Carducci: Gedichte - Kapitel 25
Quellenangabe
pfad/carducci/gedichte/gedichte.xml
typepoem
authorGiosuè Carducci
titleGedichte
publisherCoron-Verlag
seriesSammlung Nobelpreis für Literatur
volumeNobelpreis für Literatur 1906
editor
year1969
translatorBettina Jacobson
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090330
projectidcb077308
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Griechische Lenze

(Alexandrinisch)

Es fährt durch die schimmernden Säulengänge
Ein frostiger Windhauch: wie frierend erschauern
+  +  +  +  +  +  Auf Hügeln, darinnen wohl Knaben
+  +  +  +  +  +  Und blühende Bräute begraben,

Die Rosen im Regen; vom graubewölkten
Maihimmel fällt er mit fleißigem Rieseln
+  +  +  +  +  +  Herab in die Pfützen, in leisen
+  +  +  +  +  +  Eintönig gemessenen Weisen.

Da zog sie, ergriffen von plötzlichem Schauer,
Sich fester um Schultern und Busen den Schleier,
+  +  +  +  +  +  Der lieblich ums Haupt ihr gehangen,
+  +  +  +  +  +  Und schmiegte sich, wie im Verlangen

Nach sonnigem Glück, mir zur Seite, hier unter
Den gotischen Bogen, wie wohl die Palme,
+  +  +  +  +  +  Zu nordischen Lärchen verschlagen,
+  +  +  +  +  +  Ein Sehnen nach Osten getragen.

Ihr Auge sah heiter inmitten der düstern
Gefilde des Todes, und als sie die Stirne
+  +  +  +  +  +  Die schmale, die weiße erhoben,
+  +  +  +  +  +  Von blühenden Locken umwoben,

Die weich und verloren zum schlanken Halse
Hernieder sanken mit glänzendem Schimmern:
+  +  +  +  +  +  Da goß sie der Liebe Entzücken
+  +  +  +  +  +  Ins Herz mir mit Worten und Blicken;

So innigen, tiefen und süßen, daß nimmer
Äolias Leier sie schöner gesungen,
+  +  +  +  +  +  Noch süßere Seufzer die Myrten
+  +  +  +  +  +  In Hainen von Lesbos durchirrten.

Indes strich am schweigenden Marmor leise
Aufrauschend ihr Seidengewand vorüber,
+  +  +  +  +  +  Und mit ihren flatternden Haaren
+  +  +  +  +  +  Kam der Wind mir ins Antlitz gefahren.

Nie waren die Gräber so schön mir erschienen
In jugendlich ersten Träumen vom Ruhme!
+  +  +  +  +  +  O Liebe, du starke, du wahre,
+  +  +  +  +  +  Erhaben wie Schweigen der Bahre!

O Blume der Seele, auf liebenden Lippen
Erblüht zwischen Seufzern, und du unter Küssen
+  +  +  +  +  +  Geschauter unendlicher Frieden,
+  +  +  +  +  +  Du nimmer erreichter hienieden!

O Fabelgefilde Elysiums drunten,
Mit Saitengetöne und Spielen der Helden,
+  +  +  +  +  +  Im purpurnen ewigen Scheine
+  +  +  +  +  +  Des Maien, ihr Wiesen und Haine,

Wo abseits wohl wandelnd im Liebesgeflüster,
(Da menschliche Satzung und eisernes Schicksal
+  +  +  +  +  +  Nicht Trennung dort könnten erzwingen),
+  +  +  +  +  +  Sich Dichter und Liebste ergingen.

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