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Friederike Kempner: Gedichte - Kapitel 308
Quellenangabe
typeanthology
authorFriederike Kempner
year1995
publisherMatthes & Seitz Verlag
addressMünchen
isbn3-88221-802-9
titleGedichte
pages3-21
created19991017
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1903
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Gedichte ohne r.

                          Wie viel Licht im Sonnenball,
Wie viel Staub im Weltenall,
Wie viel Staub und wie viel Sand
Gibt's nicht schon im Heimatland!
Wie viel hohes, schönes Licht
Hat's im deutschen Lande nicht!
Wie viel Angst in Blitzes Schein,
Wie viel Lust im Glase Wein!
Doch ganz komisch ging man um,
Alles schaffend, meistens stumm; –

Bloß den Menschen ausgenommen,
Lebt sonst alles still beklommen
Dem Menschen allein die Kunst man gab
Zu zählen all' sein Gut und Hab',
Zu sagen, wie's und was ihm tut,
Und wie ihm jetzt und je zu Mut:
Wenn ihn die Habsucht voll gefüllt,
Und wenn die heiße Sucht gestillt!
Wie wonneatmend das Gefühl,
Wenn nah' man einem hohen Ziel.

Kühn manche dies in's Auge nehmen,
Ohne des Mißlingens sich zu schämen,
Weil edle Pflanzen oft eingehen,
Wenn sie auf sandigem Boden stehen!
Ja, all' dies ist jenen nicht gegönnt,

Die man nach uns Geschöpfe Gottes nennt:
Das edle Wild kann es nicht sagen,
Wie Jagd und Hunde ihm behagen,
Und wenn man den Hals des Fisches sticht,
Denkt man, die Fische empfinden's nicht!

Ei, sehet doch, wie doppelt unbillig,
Die Fische zucken ja, doch böswillig,
Will man sie dennoch gefühllos nennen,
Weil sie nicht seufzen und klagen können;
Und so geht's bis zum Elephanten hin,
Still behält es den unabhängigen Sinn,
Das gut, weise, edle Vieh,
Denn Sklavendienst beugt seine Weisheit nie,
Stolz denkt es an das heimatlich Gebiet,
Sanft duldend, was im Ausland ihm geschieht.

Aus all' diesem ziehe ich den Schluß,
Daß die Sagekunst man haben muß,

Nicht um zu klagen stets Leid und Weh',
Da ich Elephanten standhaft seh':
(Und ach, wie langweilig ist man,
Wenn man niemals von sich schweigen kann);
Deshalb denk' ich lediglich alsdann,
Wenn man etwas sagt, was nützen kann,
Was man weise nennt, und edles denkt,
Wenn man dies dem Geist des Nächsten schenkt.

Böses so zum Besten wendet:
Wenn dann die Lippe niemals endet,
Sie hat sich damit nicht geschändet,
Dazu hat sie ein Gott gespendet;
Daß das Aug', das Wahn geblendet,
Sich dem hellen Tag zuwendet;
Seelen schwachen, schon im Sinken,
Heil und Hoffnung zuzuwinken!
Und die Besten und Gescheiten,
Mit den edlen Geistesgaben,
Die zu tun im Sinne haben,
An die Taten zu gewöhnen,
An die guten, menschlich schönen;
Ja, und mächtig hohen Seelen,
Die gottlob auch niemals fehlen,
Zu den Höchsten zu geleiten! –

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