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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 8
Quellenangabe
pfad/arnim/gedicht2/gedicht2.xml
typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Rundgesang gegen Unterdrücker des Werdenden

Auf, ihr meine deutschen Brüder,
Feiern wollen wir die Nacht,
Schallen soll der Trost der Lieder,
Eh der Morgenstern erwacht,
Laßt die Stunden uns beflügeln,
Daß wir aus der dunkeln Zeit,
Wie die Lerchen von den Hügeln,
Flüchten in die Göttlichkeit.

Alter Glanz ist nun verflogen,
Gestern ist ein leeres Wort,
Scham hat unsre Wang' umzogen,
Doch der neue Tag scheint dort.
Unerschöpflich ist die Jugend,
Jeder Tag ein Schöpfungstag,
Wer mit froher, reiner Tugend
Fördert, was sein Volk vermag.

Eine Ernte ist getreten
Von dem Feinde in den Kot,
Eh ihn unsre Schwerter mähten,
Doch wir wuchsen auch in Not,
Eine Saat ist aufgestiegen,
Drachenzähne setzt die Brut,
Mag es brechen, will's nicht biegen,
Jugend hat ein heißes Blut.

Bei gestürzten Edeltannen
Steigt die Saat viel freier auf,
Als wenn seltne Strahlen rannen
Durch der Wipfel Säulenknauf;
Ruhmessäulen setzen Grenzen
Unsrer Jugend frischem Glück,
Frischer Lorbeer soll dich kränzen,
Deckt kein alter Kranz den Blick.

Hebt die Hüte auf zur Sonne,
Lüftet euch im frischen Wind;
Atmet ein die Segenswonne,
Erster Atem sei dir's, Kind;
Bade rein vom alten Staube,
Heb dein Aug in Morgenglück,
Und es kommt der alte Glaube
Mit dem neuen Mut zurück.

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