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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 62
Quellenangabe
pfad/arnim/gedicht2/gedicht2.xml
typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Der Liebesritter

Ein versuchter Liebesritter rührt der Jungfrau schuldlos Herz,
Führt als Braut vom Klostergitter sie zur Stadt in Lust und Scherz.
Zu dem großen Hochzeitmahle tritt der Bräutigam vermummt,
Naht der Braut mit dem Pokale, sie erkennt ihn und verstummt.

An dem ahndungsvollen Tage quälet sie dies seltsam Spiel,
Schwere Kleider sind schon Plage und der Fremden allzu viel.
Seht, ein Messer tut er zeigen, zierlich wie ein Pfeil geschliffen,
Es der holden Braut zu reichen, und sie hat es scheu ergriffen.

»Schenket mir, dem armen Blinden,« spricht er, »einen Tropfen Blut,
Und das Licht wird sich verkünden in der heil'gen Unschuld Glut,
Durch der Jungfrau blut'ge Gabe, die der Unschuld höchste Huld,
Senkt sich Licht zum Augengrabe, das ich ausgeweint um Schuld.«

Und die Jungfrau füllt den Becher mit dem edlen, reinen Wein:
»Trink den Glauben, lieber Zecher, und der Augen Licht wird dein.«
Schuld kann nicht an Unschuld glauben, Unschuld glaubt an Unschuld gern;
Nichts kann ihr Vertrauen rauben, sein Vertrauen bleibt stets fern.

Und er trinkt und spricht mit Tücke: »Dies ist keiner Jungfrau Blut,
Viele schwelgten da im Glücke, denn der Wein schmeckt allen gut.
Kannst du mir kein Licht mehr schenken, bleibet Nacht mein traurig Haus,
Vor dem Abend mag bedenken, wen die Gäste lachen aus.«

Schelmisch lächeln schon die Gäste, ganz unleidlich scheint's der Braut,
An der Unschuld Opferfeste Unschuld sich verhöhnet schaut.
Und sie spielt mit seinem Messer, gräßlich, in Verlegenheit:
»Deine Augen werden besser,« spricht sie, »nimm mein Blut noch heut.«

Mit dem Messer will sie ritzen ihre Brust so rein und weiß,
Und des Bräut'gams Augen blitzen, weil er sie nun schuldlos weiß;
Gleich als ob's ein Zufall wäre, sticht sie mit dem Messer tief
In ihr Herz aus keuscher Ehre, daß ihr Blut in Strömen lief:

»Füll den Becher, trink Vertrauen, deine Blindheit wird geheilt,
Kannst ins offne Herz nun schauen, ob es seine Gunst geteilt.«
Ihre Wunde will er schließen mit des Schmerzes Glaubenskuß,
Doch die blut'gen Ströme fließen, ihn ersticken im Genuß.

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