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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 60
Quellenangabe
pfad/arnim/gedicht2/gedicht2.xml
typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Der Förster

Die Eichen klüften auf vom Frost,
Die Wölfe heulend weichen,
Jetzt sucht nur Not im Walde Trost,
Jetzt, Förster, laß dein Schleichen.

Die Diebeswagen krachten fort,
Du hast sie nicht gehöret,
Der Wilddieb schoß vor deiner Pfort',
Du hast ihn nicht gestöret.

Was hieltest du so lange Rast
In deines Weibes Armen?
Hast große Diebe nicht gefaßt,
Mit kleinen hab Erbarmen.

Der Oberförster kommt nun bald,
Den soll dein Eifer blenden:
Ein Weib keucht fernhin durch den Wald,
Die willst du tobend pfänden!

Sieh rings, wie mancher Baum erstarrt
Zum Himmel hebt die Arme;
Dich füllt, die Erd' ist eingescharrt,
Vom Leichenschmaus die Wärme.

Der Schnee glänzt wie ein Leichentuch
Im letzten Abendschimmern,
Kein Vogel wagt sich auf zum Flug,
Schneenadeln einzeln flimmern.

Die Glocken schallen kaum noch her,
Die ersten Steine zittern,
Zusammenfielen Land und Meer
Zu eines Kerkers Gittern.

Die Alte saß in Frostes Haft
Beim kranken Enkelkinde,
Schnell sucht sie Holz mit letzter Kraft,
Daß sie's noch lebend finde.

Nun trägt sie, als er halt! ihr schreit,
Ein Reisbund auf dem Rücken,
Sie steht um diese Kleinigkeit:
Und muß sich vor ihm bücken.

Er stößt sie nieder mit dem Bund
Und droht mit Straf' und Klagen,
Sie tut die grimme Not ihm kund,
Er soll' die Nachbarn fragen.

»Die trocknen Zweige brach der Wind,
Ich hab sie nicht gebrochen,
Gar krank liegt heim mein Enkelkind,
Kann ihm nichts Warmes kochen.

Das Mädchen habt Ihr wohl gesehn,
Als sie ist eingesegnet,
Sie ist so fromm, so wunderschön,
Wie keiner Ihr begegnet.«

Der Förster lacht: »So schick sie her,
Die Schöne kann ich wärmen,
Ja trüg' sie Kloben fort so schwer,
Ich wollte drum nicht lärmen.

Du laß das Reisbund und als Pfand
Die dick bepelzte Mütze,
Die trägst du nur aus Unverstand,
Die treibt zum Kopf die Hitze.«

Die Alte droht: »Werd' nimmer warm,
Wenn mir das Kind erfrieret,
Werd' leichenkalt in Weibesarm,
Kein Feuer dir gebühret.

Dein Winter sei die Ofenglut,
Dein Atem kaltes Fieber,
Beim Weine starre dir das Blut,
Als ging' der Tod vorüber!«

Die Augen blitzen ihr beim Wort,
Er wagt sie nicht zu schlagen,
Es überrieselt ihn sofort
Wie Fluches Strom in Sagen.

Er kehrt nach Hause zum Kamin
Und reiches Feuer findet,
Doch mag das Feuer knisternd ziehn,
Der Fluch die Wärme bindet.

Von ihm die Flamm' sich wendet ab,
Als ob ein Sturm sie treibe,
Sein Federbett ist kaltes Grab,
Ihm friert der Wein im Leibe.

Ein Kuß der Frau durchschauert ihn,
Er hört ein Totenläuten,
Der Alten Kind ihm da erschien
Und sprach: »Mußt dich bereiten.«

Des Försters Herz von Eis zersprang,
Sein Blut war ihm gefroren,
Indessen rings in Feuers Drang
Ihm Hab' und Haus verloren.

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