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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 51
Quellenangabe
pfad/arnim/gedicht2/gedicht2.xml
typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Der Ritter und seine Frau

Willkommen! ruft die Freude
Aus Busch und Hecken laut,
Ein weißes Pferd trägt beide
Zu ihrem grünen Haus:
Gebaut in fernen Stunden
Erwacht des Frühlings Haus,
Die Frühling hat verbunden,
Die leben ew'gen Schmauß.

Tagtäglich kommen Gäste
Im Flug, zu Fuß, zu Pferd,
Durch Tag und Nacht zum Feste
Erflammet hell der Herd:
Durch Tanz und Jubelreihen
Die Frau entflammt die Schar,
Die Herren ihr sich weihen
Zur Jagd im Morgenklar.

Zu Paaren treiben frühe
Sie aus dem Tal das Reh,
Mit einem Hirsch so glühe,
Zu ihres Schlosses Höh',
Die schmückt sie bunt mit Bändern,
Verguldet sein Geweih
Und läßt sie frei, den Ländern
Zum jubelnden Geschrei.

Wenn dann die Helden schmausen,
So singt der Musen Chor,
Nach ihrer Art sie hausen
Nur, wo ein offnes Tor;
Und offen sind die Türen,
Am Tische immer Raum,
Sie weiß sie wohl zu führen
Mit frommer Sitte Zaum.

In ihrem Purpurnachen
Mit Rudern, hell von Gold,
Sie läßt sich sanft anfachen
Vom Winde, kühl und hold,
Sie läßt die Netze ziehen
Und läßt die Fischlein schön,
Daß sie vor Freude glühen,
Durch ihre Hände gehn.

Da findet sie mit Freuden
Des Ahns Verlobungsring,
Den er in Witwerleiden
An einen Brassen hing:
»Er war das erste Zeichen«,
So stand's darauf, »vom Glück,
Nichts wird dem Glücke gleichen,
Kommt er ins Haus zurück.«

Und wird der Abend länger,
So spinnt und singt die Frau,
Der Kreis wird still und enger,
Der Wind durchzieht die Au;
Den Sommer seht ihr ziehen,
Scheint wohl Gespinst von ihr,
Wenn hoch die Vögel ziehen,
Die singen noch von ihr.

Die Herren möchten bleiben
Bei dieses Hauses Frau,
Das Leben sich vertreiben,
Ins Auge ihr zu schaun;
So ziehen fort die Gäste,
Wie Wolken aus dem Blau,
Das Blau steht ewig feste,
Die Wolken ziehn so grau.

Doch wißt, daß jeder reise
Vergnüglich, ohne Harm,
Die Frau erteilet Preise
Beim Abschied an den Schwarm:
Sie stecket an die Helme
Die Blümlein voller Sinn,
Ei seht die armen Schelme
Fernwinkend weinen drin.

Dazu die Frau im Zwinger
Zieht täglich Blumen auf,
Doch alle viel geringer
Als die des Liebsten Kauf;
Die gibt sie nicht für Lieder
Und nicht im Spiele hin,
Die trägt kein bunt Gefieder,
Die ist der Liebe Sinn.

Der Mann erkennt die Blume,
Sie bleibt ihm ewig neu,
Sie ruht im Heiligtume
Von seinem Glauben treu:
Er kranket nicht in Sorgen,
Geht keck in dunkle Schlacht,
Ihm dann der helle Morgen
Aus ihrer Blume lacht.

Die Blume heißt nicht Rose,
Die schon voll Wunderblut,
Sie heißt die Zeitenlose,
Weil ihr die Zeit nichts tut;
Die Jungfrau früh sie pflanze
In frischem Herzensgrund,
Sie blüht mit vollem Glanze
In schönen Kindern bunt.

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