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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 5
Quellenangabe
pfad/arnim/gedicht2/gedicht2.xml
typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Die Wahrsagerin

Vater von allen,
Was soll ich flehen?
Klagen erschallen,
Müde Seufzer ergehen,
Woher der Wind mag wehen,
Wohin die Fahnen stehen:
Fürchten und Hoffen,
Donnernd steht der Himmel offen.

Was soll ich beten,
Bittend abwenden?
Über dein Beten
Schon mit uns kann es enden;
Woher die Boten kommen,
Sind alle schon beklommen,
Fürchten, nicht Hoffen,
Bebet in der Erd' verschlossen.

Löse, entbinde
Meine Geschwinden
Über dem Winde,
Ahndend Schicksal zu künden!
Bin meines Schicksals müde,
Der Zauberkessel siede,
Fürchten und Hoffen
Brause zu der Erde offen!

Lasse die Karten
Friedlicher fallen,
Menschlich wir warten,
Halten's zürnend mit allen.
Wer kann Vernichten künden?
Es weht in allen Winden,
Läßt sich nicht bannen;
Tränen von dem Himmel rannen.

Blaugrüne Reihen
Drängen wie Wellen,
Fürchterlich dräuen,
An der Küste zerschellen.
Ich kann nicht Sieger finden!
Ein Geist will sich verkünden!
Alle betroffen!
Schrecken scheidet Streit und Hoffen.

Keiner geht weiter,
Alle beklommen;
Wer ist der Streiter,
Der für uns kommen? –
Um den wir all' noch weinen,
Er führet an die Reinen;
Über den Höhen
Könnt ihr ihn als Stern schon sehen.

Reißen im Eise
Drohende Spalten,
Endet die Reise,
Laßt gewarnt euch halten!
Es stürzt ein Sturm die Wälder
Und trennt die blut'gen Felder,
Nein, ich vergehe,
Überm Sehn vergeht das Sehen.

Vater von allen,
Was soll ich flehen?
Klagen erschallen,
Schmerzensseufzer ergehen,
Woher der Wind mag wehen,
Wohin die Fahnen stehen:
Fürchten und Hoffen,
Donnernd steht der Himmel offen.

Nächtliche Feuer,
Feindegetümmel
Stören die Feier,
Stürmten gerne den Himmel.
Er läßt sich nicht erstürmen,
Die Fahnen stehn auf Türmen,
Gott wird sie halten,
Wird der Feinde Wut erkalten.

Löse in Ruhe
Menschlich Geschäfte;
Winter umtue
All' sünd'gende Kräfte
Mit kalter, weißer Decke;
Das Unglück sich verstecke;
Augen voll Tränen
Mögen sie in Unschuld wähnen.
Fliehende Feinde
Brennen mit Lachen,
Tobende Freunde
Hirtenhäuser zum Wachen:
Vom Herd ist nichts geblieben,
Die Herden sind vertrieben:
Lieber Gott! schreiend
Flieht der Hirt, dem Himmel dräuend.

Lämmlein von allen
Einzig ihm blieben,
Wölfe anfallen,
Kommen witternd von drüben.
Sie sind vom Wind geladen,
Die Toten zu begraben,
Heldenlied schweiget,
Heulend sie der Wolf umreiget.

Schon ist vergessen
Eigenes Leiden,
Nimmer vermessen
Stör ich ahndend die Freuden;
Und sollt' es auch geschehen,
Ich will's voraus nicht sehen,
Fürchten und Hoffen,
Wie mir steht die Zukunft offen.

Wisset, es glühet
Heilig im Sitze,
Über mir ziehet
Kühlung labend im Blitze.
Die Tränen fallen alle
Im Becher ein mit Schalle:
Trink sie, du Rächer,
Schrecklich ist ein Tränenzecher.

Lächelnd verzweifeln
Ist ein Entsetzen,
Nicht in den Zweifeln
Ist des Zaubers Ergötzen.
Die Sterne stehen feste,
Es geht noch all aufs beste,
Glaubet dem Hoffen,
Bläulich steht der Himmel offen.

Auge der Liebe,
Über den Schlachten,
Nimmermehr trübe,
Laß dich wieder betrachten.
Wie von Erinnerungen,
Von Sternen so durchdrungen:
Glauben und Hoffen
Hält den Himmel segnend offen!

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