Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Achim von Arnim >

Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 43
Quellenangabe
pfad/arnim/gedicht2/gedicht2.xml
typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
Schließen

Navigation:

Fabel von einer kleinen Kirche in einer großen Stadt

Dies Gedicht, das Arnim 1817 schrieb und veröffentlichte, bezieht sich auf die Gertraudtenkirche am Spittelmarkt in Berlin und den hochbejahrten Prediger Justus Gottfried Hermes, der an ihr wirkte. S. das folgende Gedicht.

Lang stand die Kirche klein und enge,
Von hohen Häusern fast versteckt,
Ihr Glöcklein gab nur sanfte Klänge,
Kein Reicher ward davon erweckt;
Nur Handwerksleute, ganz geringe,
Die gingen alle Sonntag hin,
Daß sie ein heilig Wort durchklinge
Mit treuem Mut, mit mildem Sinn.

In diesem Kirchlein abgelegen,
Gar unbeachtet von der Welt,
Ein alter Herr mit großem Segen
Seit fünfzig Jahren Predigt hält;
Und keiner wußte in Palästen,
Daß er so herrlich dient der Stadt,
Von seinen armen Sonntagsgästen
Wird jeder geistig voll und satt.

Da kommt ein Krieg, macht bang die Reichen;
Wohl mancher hört das Glöcklein nun
Und möchte sich mit Gott ausgleichen
Und gleich den armen Leuten tun,
Und hört des ew'gen Worts Vertrauen
Im Kirchlein von dem Gottesmann
Und fühlt ein kräftiges Erbauen
Und fährt im Glück da wieder an.

Bald rollen nach die hohen Wagen,
Und einer zieht den andern fort,
Die Brillen junger Leute sagen:
Daß viel zu sehen sei am Wort.
Die bunten Pelze, Federhüte,
Die ziehen hin, auch wenn's zu spät:
Sie nennen dies der Kirche Blüte,
Als ob nun Andacht erst gerät.

Sie drängen sich zu allen Stühlen,
Die Armen machen willig Platz,
Sie freuen sich, daß Reiche fühlen,
Was in dem Altenin dem Althergebrachten. für ein Schatz;
Der Duft der Werkstatt ganz verschwindet
In Wohlgerüchen geistig fein;
Doch der Gebildete jetzt findet:
Daß arme Leute gar sehr schrein.

Ist voll ihr Herz, ihr Mund geht über,
Wer singen lernte, singet sacht:
Bequem sein ist den Reichen lieber,
Sie nehmen alle Stühl' in Pacht,
Das treibt die Armen von den Sitzen,
Die mancher ein halbhundert Jahr
Durch die Verjährung zu besitzen
Und zu vererben sicher war.

Wär' Glaube bei euch Reichen mächtig,
Ihr schafftet Platz für jedermann,
Ihr bautet eine Kirche prächtig,
Die Kutscher führen Steine an,
Ihr lobt den Plan zur großen Kirche,
Doch euer Lob regt keinen Stein,
Fabriken baut ihr wie Gebirge,
Die Gotteshäuser fallen ein.

Getrost, ihr Armen, laßt euch lehren,
Vorüber ging hier manches schon,
Bald wird die Neugier andre ehren
Und spricht dann eurem Alten Hohn;
Ich sah vor manchem Gotteshause
Der Kutschen Reih', als war' da Schmaus,
Und jetzt, als war' es arm vom Schmause,
Wächst Gras davor, sie blieben aus.

 << Kapitel 42  Kapitel 44 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.