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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 39
Quellenangabe
pfad/arnim/gedicht2/gedicht2.xml
typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Becherklang

Seit nun Gott die Welt durchschnitten
Mit der Allmacht sausend' Schwert,
Liegt in Tag und Nacht inmitten,
Wer des Weines Becher leert:

        Tief und dunkel zieht der Becher,
        Licht und strahlend singt der Zecher,
        Schwingt den Hut und jubelnd singt,
        Daß der Becher schwirrend springt.

So soll Wein die Welt verbinden,
Die getrennt in Licht und Nacht,
Wie die Lichter mir verschwinden,
Scheinet licht, was ich gedacht,
Daß nun alle mit mir singen,
Muß mir Herz und Mund aufspringen,
Ja, des Paradieses Baum
Hat in diesem Keller Raum.

Seht, es steigt aus mir hernieder
Luzifer, der lang verbannt,
Er und Bachus sind zwei Brüder,
Es erscheint ein neues Land,
Weingelaubt der Jünger Scharen
Flammen in des Waldes Haaren,
Leuchten durch die Dämmerung
Alle in erhabnem Schwung.

Panter, Löw' und blaue Schlangen
Liegen auf dem Rücken schon;
Faunenweibchen ohne Bangen
Säugst du, Tiger, ohne Lohn?
Können sie dich nicht mehr missen,
Einen hab ich abgerissen,
Der hing fest an deiner Brust,
Nimm mein Söhnlein dran zur Lust.

Was erblick ich? Die Gesellen
Halten Kronen rings für mich;
Wollt ihr euch wie Menschen stellen,
Oder bin ein Gott auch ich?
Nun, so kann ich euch beglücken,
Kann erschaffen mit Entzücken,
Heute schaff ich euch die Welt,
Wie ein jeder sie bestellt.

Tanzet munter, tretet Leimen,
Tretet Rosenblätter drein,
Und ich will schon tüchtig reimen,
Feuchtet an den Stoff mit Wein,
Laßt den Honig aus den Zellen,
Seht, wie schlägt der Wein nun Wellen,
Macht den Kopf zur Töpferscheib',
Menschen formt zum Zeitvertreib.

Lebe jeder, der's verlanget,
Sterbe, wer nicht leben mag,
Was der Brüder Herz erlanget
Und verlanget, jeder sag,
Was der Wein jetzt offenbaret,
Sinkt in Nacht, wenn Tag uns klaret,
Nur der Augenblick sei ganz
Offner Herzen Flammenkranz.

Ich, der Becher geh im Kreise,
Tausend Geister send ich euch,
Jeder bleib bei seiner Weise,
Bin ich doch für alle reich.
Wie ein Meer ich kann euch fassen,
Und die Welt sie liegt im Nassen,
Jedem wird ein Schatz gezeigt,
Der sein Haupt recht tief mir neigt.

Kommt ihr, meine lust'gen Böcke,
Auf die höchste Felsenspitz',
Pflanzt mir da die schönsten Stöcke,
Daß der Wein hochthronend sitz',
Unter lichten Rebenlauben
Stoßen Ziegen sich um Trauben,
Mir zum Munde spritzt der Saft,
Alle Welt ist voller Kraft.

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