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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 38
Quellenangabe
pfad/arnim/gedicht2/gedicht2.xml
typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Sylvesterlied

Vorsänger
Herzchen im Turme,
Schlagende Uhr,
Klinge im Sturme
Durch die Natur;
Bring uns die ferne
Sonne zurück,
Feurige Sterne
Ahnen dies Glück:
Himmlisch getragen
Bringst du das Jahr:
Zwölf hat's geschlagen
Deutlich und klar.

         Chor
        Öffnet die Fenster
        Allem Geschrei,
        Wolkengespenster,
        Zieht nun vorbei!
        Was heut die sinkende
        Sonne bedacht,
        Zeigen schon blinkende
        Sterne der Nacht,
        Sind schon von wärmender
        Sonne durchblickt,
        Sind schon von schwärmender
        Liebe entzückt.

Vorsänger
Dreht sich das alte
Jahr nun zurück:
Daß sich erhalte
Älteres Glück, –
Kommt nun das neue
Jahr in die Welt:
Daß sich zerstreue,
Was uns mißfällt, –
So ist gestaltet
Göttergeschick,
Treulich verwaltet
Alle dies Glück!

         Chor
        Hände verschlinget,
        Herzen vereint:
         Was uns durchdringet,
         Festlich erscheint;
        Wir, als die Wissenden,
        Tun uns hier kund,
        Schließen mit küssenden
        Lippen den Mund,
        Daß uns magnetische
        Weihung durchglüht
        Und das poetische
        Neujahr erblüht.

Vorsänger
Geistig beginnet,
Was sich erneut,
Geistig gewinnet
Jeder die Zeit;
Tief im Gemüte
Waltet die Kraft,
Daß sich die Blüte
Hoffend erschafft;
Wünschet heut offen:
Was euch erfreut,
Sehet im Hoffen
Alles erneut.

         Chor
        Immer im Dunkel
        Kommt uns das Jahr,
        Weinesgefunkel
        Machet es klar;
        Bringt uns die klingenden
        Gläser herbei!
        Schließet die singenden
        Kehlen aufs neu:
        Sammelt die feurigen
        Wünsche beim Glas,
        Keiner der Eurigen
        Beiße ins Gras!

Vorsänger.
Fröhliche Schwestern!
Trinkt auf die Zeit:
Eben war gestern,
Eben ist heut;
Herrliche Brüder!
Schenket euch ein:
Zeitengefieder
Rauschet beim Wein,
Hebt uns zum Tanze,
Dreht uns im Kreis,
Schwinget im Kranze
Jüngling und Greis.

         Chor
        Lasset uns schweben
        Über die Welt,
        Allem ergeben,
        Was uns gefällt;
        Wenn der geflügelte
        Gott aus uns spricht,
        Flieht das geklügelte
        Faltengesicht,
        Und im erheiternden
        Hauche der Zeit
        Ziehen die scheiternden
        Schiffe noch weit!

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