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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 20
Quellenangabe
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typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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In Nepomuk Ringseis' Stammbuch

Berlin, den 22. März 1815

Nepomuk Ringseis ging beim Wiederausbruch des Krieges 1815 als Arzt nach Frankreich ab. Arnim schenkte ihm beim Abschied einen Eisenring, der auf einem am Kreuz befestigten Schilde den Stern des Glaubens umkreist. In dem obigen Gedichte setzt Arnim den Stern des Glaubens in überwindenden Gegensatz zu dem blutigen Vogel Greif (Napoleon).

Die blut'gen Flügel schlägt der Vogel Greif,
Haucht in die Zeit, erhebt die Teufelsklaue;
Wen wird er packen, wer ist überreif?
Die Guten feiern schon beim stillen Baue,
Sie hören nur auf laute Neuigkeit
Und sind gestört in ihrer Einigkeit.

Die goldnen Flügel schlägt der Vogel Greif,
Die leeren Herzen zu sich hinzurichten,
Von Ordensbändern glänzt sein bunter Schweif,
Wen wird er jetzt in stolzer Lust vernichten?
Die lieblos Ruhelosen lachen auf,
Bald trifft er sie im raschen, scharfen Lauf.

Kristallne Flügel schlägt der Vogel Greif,
Die weisen Meister können ihn nicht sehen,
Und wie die gift'ge Luft auch um sie pfeif',
Sie achten nur auf sich in ihrem Wehen,
Sie wissen alles, nur das eine nicht:
Wer ihrer Weisheit das Genick zerbricht.

Nun sperrt der Vogel seinen Schnabel auf
Und haucht die Glut durch eine schwarze Wolke,
Der fromme Ritter sieht nun seinen Lauf,
Beim Kreuze steht er still mit treuem Volke,
Und wo sein Wappenschild das Kreuz berührt,
Da hat ein heller Stern es klar geziert.

Des Wappenbildes starker Eisenring
Magnetisch wird er in des Sternes Strahlen,
Und wie der Ring die Weihung so empfing,
So kann er künftig sie zu andern strahlen,
Er heilt die Wunden, die der Greif bald schlägt,
Nichts störet ihn, wie auch sein Herz sich regt.

Wer höhern Ruf im eignen Leben ehrt,
Wird ihn im Weltgeschick nicht überhören,
So horche treu, was er dir sagt und lehrt,
Und laß dich nicht von raschem Glück betören,
Sich auf dein Wappenschild im Siegelring,
Wo dich des Zweifels böser Trug umfing.

Den Wanderstab reicht dir die harte Zeit.
Auf, wandre froh im frischen Morgentagen,
Durch Ring und Stab bist du zum Weg geweiht,
Wir sehn uns wieder, ich erstick die Klagen,
Du warst uns treu in einer dürren Zeit,
Bald grünt der Wald in neuer Freudigkeit.

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