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Gedichte

Achim von Arnim: Gedichte - Kapitel 18
Quellenangabe
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typepoem
authorAchim von Arnim
titleGedichte
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
seriesAchim von Arnims Werke
editorReinhold Steig
volumeDritter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091115
projectidc4abe48c
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Dem 24. Januar 1814

Mel.: Gaudeamus igitur etc.

Zur Feier des Geburtstages Friedrichs d. Gr., am 24. Januar 1814, von der christlich-deutschen Tischgesellschaft gesungen.

Wiederum zum hohen Fest
Klingt des Tisches Glocke,
Doch viel wen'ger sind der Gäst',
Manchen hält das Grab schon fest
In dem hölzern Rocke.

Wer zum Feste kommen will,
Komm' im Freudenkleide,
Schweig, mein Herz, von Toten still,
Wenn ich meinen Becher füll
Zu der Tafelweide.

Zwingen läßt sich nicht das Herz,
Nichts von ihm erzwingen,
Gönnt ihm den geliebten Schmerz,
Bis sich in des Lebens Scherz
Lebende umschlingen.

Unsern Toten dieser Wein,
Den die Träne weihte;
Nun ich nicht mit mir allein,
Ist auch die Versammlung klein,
Rückt der Schmerz zur Weite.

Weit und öde wird die Welt,
Wenn so viele fallen,
Nicht mehr fest zusammenhält,
Was der leichte Scherz gesellt
Freunden zum Gefallen.

Fremde wurden wir uns nicht,
Sahen uns doch selten,
Wenn Gewohnheit heut gebricht,
Guter Wein vertraulich spricht,
Und das soll heut gelten.

Nahe schien, was jetzt erreicht,
Uns beim vor'gen Feste,
Daß der Feind aus Deutschland weicht,
Schien uns damals schon so leicht
Und vollbracht das Beste.

Wer den Becher trinken soll,
Muß ihn vorher füllen;
Bis das Maß des Guten voll,
Prüft die Zeit uns zweifeltoll,
Wer von echtem Willen.

Wer vor sich bestanden hat,
Dem kann sie auch glauben,
Sei erkannt die Ehrentat,
Auch vergebner Mühe Saat
Läßt sich keiner rauben.

Großes hat die Zeit getan,
Größres zu verlangen,
Fühlet jedem auf den Zahn,
Prüft, ob er auf steilrer Bahn
Würde schwindelnd bangen.

Friedrich sieht von seinem Stern
Glänzend zu uns nieder,
Denn er gründete von fern
Als Magnet den Eisenkern,
Gab dem Pfeil Gefieder.

Während alle Deutsche schon
Sich dem Joche beugten,
Sahn wir noch auf seinen Thron,
Sprachen allem Unglück Hohn,
Mut in Hoffnung zeugten.

Und an Preußens Hand sich hob
Deutschland aus den Ketten,
Das ist Friedrichs höchstes Lob,
Daß sein Kriegsgeist die erhob,
Die ganz Deutschland retten.

Keiner läßt von Frankreichs Wahn
Sich jetzt mehr betören,
Daß auf künstlich neuer Bahn
Große Völker steigen an
Wie in Springbrunns Röhren.

Wo ein Strom sich bilden soll,
Muss er weit entstammen,
Und der Quellen reicher Zoll,
Der aus stiller Flur entquoll,
Trifft von selbst zusammen.

Wie von selbst erfüllt sich auch,
Wo umsonst wir sinnen,
Nicht durch list'ger Worte Hauch,
Durch der Menschen frommen Brauch
Wächst ein Volk tief innen.

Krieg zerstört den Eigensinn,
Lehrt im Ganzen leben,
Dann durchdringt des Ganzen Sinn
Die Verfassung mit Gewinn,
Wird Gesetze geben.

Diese goldne künft'ge Zeit
Laßt uns all' erleben,
Schwört es heut mit lust'gem Eid,
Keiner soll aus Traurigkeit
Sich dem Tod ergeben.

Und so leb' denn jeder hoch,
Der den Tag verehrte,
Unsre Krone lebe hoch! –
Unser Volk! – der König hoch!
Der es siegen lehrte!

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