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Gedankengut aus meinen Wanderjahren

Max Dauthendey: Gedankengut aus meinen Wanderjahren - Kapitel 28
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authorMax Dauthendey
titleGedankengut aus meinen Wanderjahren
publisherAlbert Langen
printrun7. bis 9. Tausend
year1913
firstpub1913
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secondcorrectorJens Sadowski
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Einige unserer Freunde in Paris, junge deutsche Maler, erwarteten uns bei unserer Rückkunft am Bahnhof Saint Lazare. Und als sie meiner Frau zum Willkommengruß Blumen reichten und wir wieder durch das vornehme, bewegliche Paris fuhren, atmete ich tief auf. Hier war doch wieder Gesittung! Hier war doch nicht mehr offensichtliche Räuberwillkür! Mochten auch noch so viele Verbrecherleidenschaften im Dunkeln dieser Weltstadt hausen, das äußere Stadtgesicht war jedenfalls menschenwürdig.

In dieser Stadt herrschte vor allem das Lächeln der Frauen, das gnädig oder ungnädig die Willen der Männer lenkte, und die Frauenlust stand hier höher als die Goldlust.

Von der göttlich künstlerischen Herrschaft der Liebe in all ihren Sehnsüchten, vom wildesten und lüsternsten Sinnentrieb an bis zum zärtlichsten Sehnen nach dem Gunstblick der geliebten Frau, sprechen Straßen und Menschen in jedem Augenblick in Paris.

Paris trägt den Namen jenes Hirten, der den Apfel als Schönheitspreis der Venus reichte, und der sich dadurch einstmals Juno und Pallas Athene zu Feindinnen gemacht haben soll. Und es ist wohl kein bloßer Zufall, sondern ein dichterischer Einfall des Lebens, daß diese Stadt das schönste Venusbild der griechischen Liebesgöttin zu sich in den Louvre gerettet hat, das Bild der Venus von Milo, zu welchem jährlich Tausende von Europäern gewallfahrtet sind und noch wallfahrten.

Die Reise nach Mexiko hatte mir aber doch nicht bloß Verluste gebracht. Es war eine große innere Erkenntnis über mich gekommen, die, daß der Erdteil Europa, in dem ich geboren war, mich lebenslänglich nicht loslassen wird. Nirgends anders, in keinem anderen Weltteil, durfte ich mir als Künstler Haus und Heim schaffen. Dies war mir ganz klargeworden, und ich hegte nun keine überseeischen Niederlassungsträume mehr.

Aber Überlandträume konnte ich doch nicht aufgeben. Der unkünstlerischen Großstadtgeschäftigkeit und dem neuzeitlichen Maschinenwesen, das über Europa herrschte, glaubte ich nur entgehen zu können, wenn ich mich in einen, an edelsten Überlieferungen reichen Winkel Europas zurückzog und dort vielleicht doch ein Hirtendasein führen konnte.

Es müßte aber ein Land sein, sagte ich mir, wo ich Eichen, Buchen und heimatliche Flora finden konnte. Kein Land der Palmen. Und ich glaubte, daß Griechenland, von wo wir Europäer edelste Dichtung und herrliche Kunstwerke und unsere Menschlichkeitslehre im reinsten künstlerischen Sinn empfangen hatten, das rechte Land für mich wäre, um dort, ungestört vom Weltgetriebe, der Dichtung leben zu können.

In Athen und draußen vor Athen oder an irgendeiner griechischen Meerbucht müßte es möglich sein, einen Weinberggarten zu kaufen, dachte ich mir, und dort wollte ich in einem bescheidenen Haus, unter mildem Himmel, bei europäischen Eichen und Wiesen wohnen.

Ich hatte schon in Schweden in den letzten Jahren mit Vorliebe griechische Dramen gelesen, und ich fand sie viel festlicher und feierlicher als die Gesellschaftsspitzfindigkeiten und die Nervenlust der Ibsenschen Dramen, die damals die Begeisterung der Welt für sich hatten.

Als ich mit meiner Frau nach der Beerdigung meines Vaters im Jahr 1896 vor der Mexikoreise nach Sizilien gereist war, war ich auch durch Karlsruhe gekommen. Richard Dehmel hatte mir brieflich von einem jungen Dichter Mombert erzählt, den ich doch kennenlernen sollte, und der auch in Süddeutschland wohne. Ich sah dann A. Mombert in Karlsruhe einen Nachmittag, und als ich ihm sagte, ich wollte mir auf die Reise nach Sizilien Homers «Ilias» und «Odyssee» mitnehmen, da hatte er die Liebenswürdigkeit, mir diese beiden Bücher anzubieten und sie mir beim Abschied auf die Reise mitzugeben.

Auf dem Schiff zwischen Genua und Neapel las ich dann zum erstenmal in der «Ilias», die ich noch nie gelesen hatte, und die ich nur öfters vorher in großen Prachtausgaben in der Hand gehabt und durchblättert hatte. In den früheren Jahren war mir Homers Sprache viel zu lebensfestlich gewesen, weil ich selbst noch vom Alleinsein bedrückt und ohne Liebe lebte. Jetzt aber hatte ich in mir Herzensfestlichkeit durch eine geliebte Frau gefunden, und Homers «Ilias» und «Odyssee» wurden mir so leicht verständlich, wie es nur sonst das deutsche Nibelungenlied uns Deutschen ist.

Die sonnige Schiffbank auf dem kleinen österreichischen Lloyddampfer, der uns damals von Genua durch das Mittelmeer nach Sizilien trug, war auch ein geeigneterer Platz, um Homer zu lesen, als die Schulbank. Das Schiff, das zwischen blauem Wasser und blauem Himmel, einer weißen Sommerwolke ähnlich, hinschwebte, ließ mir beim Lesen die unermeßlichen Rhythmen der «Ilias» so lebendig und kräftig werden, daß es mir vorkam, als trüge mich Gesang um Gesang durch die Bläue. Das Rauschen der Meereswellen vermengte sich mit dem Rauschen des Geistes und dem Rauschen der Bilder und der edlen Gefühle, die Zeile um Zeile aus der «Ilias» dringen.

Bei der Hinreise nach Mexiko aber las ich dann auf dem großen Ozean die «Odyssee». Und die Abenteuer des männertötenden Odysseus und die festlichen Schrecken, die der Held erlebte, hielten mich kräftig und aufrecht, als ich mich zwischen Neuyork, Havanna und Vera Cruz auf dem Goldsucherschiff von Abenteurergesindel umgeben fand. Unter den Verbrecherblicken und Verbrechergedanken, die mich dort und nach meiner Ankunft in Mexiko stündlich auf allen Straßen umgaben, war mir das Lesen Homers Bedürfnis geworden.

Auch hatte ich für die Künstlerniederlassung nach Mexiko einige Abgüsse griechischer Reliefs, Verkleinerungen vom Parthenonfries und eine Masse guter Photographien der besten griechischen Bildhauerwerke der Louvresammlungen, in Kisten eingepackt, mit mir. Und griechische Bilder und griechische Dichtung trösteten mich oft drüben über dem Atlantischen Ozean in dem wilden Vulkanland Mexiko, wenn ich vor Heimweh nach Europa zu verzweifeln meinte.

Durch den deutschen Konsul in Mexiko war mir auch ein Lehrer der deutschen Schule bekannt geworden, der mir und meiner Frau in jenen mexikanischen Monaten einigen griechischen Unterricht gab. Denn nachdem ich Homer in deutscher Sprache gelesen hatte, wollte ich gern dieselben Verse in griechischen Lauten nochmals hören. Aber der Unterricht war nur kurz und wurde durch die Rückreise nach Europa bald abgebrochen.

 

Am Abend des Karnevalsdienstages waren wir, von Mexiko zurückkehrend, wieder in Paris eingetroffen. Bei der Vorüberfahrt am Opernplatz bliesen vom ersten Stockwerk des Opernhauses über die Menschenmenge die Fanfaren, die die Eröffnung des Maskenballes anzeigten. Es war mir aber, als verkündeten die Trompeten zugleich das Ende des Winters, den Beginn und den Einzug des Vorfrühlings und einen Willkomm für uns in Europa.

Ich verabredete mit meiner Frau, die von der langen ozeanischen Sturmreise sehr erschöpft war, daß sie sich in ihrem Vaterhause in Schweden ausruhen und sich dort aufhalten sollte, bis ich in Griechenland Haus und Garten gefunden hätte. Sollte ich aber dort auch keinen geeigneten Platz entdecken, so wollten wir uns dann beide in Würzburg, in meiner Heimatstadt, treffen und wollten dort einstweilen wohnen.

Wir waren dann noch einige Wochen bis Mitte April 1897 in Paris.

Am Tage, da ich meine Fahrkarte nach Griechenland bei der «Schiffsgesellschaft des Mittelmeeres» in Paris bestellt hatte und meine Frau eben nach Schweden abgereist war, begegnete mir auf dem Boulevard St. Michel der Schriftsteller Karl Vollmöller, den ich kurz vorher kennengelernt hatte. Als er hörte, daß ich in zwei Tagen nach Griechenland reisen würde, sagte er mir, er würde gern auch nach Griechenland fahren. Er wolle nur an seinen Vater nach Hause telegraphieren, und wenn dieser zustimmende Antwort gäbe, würde er mit mir reisen. Wir fuhren dann einige Tage später von Marseille nach dem Hafen Piräus und machten die griechische Reise zusammen.

 

Bei der Fahrt um den Peloponnes entzückte mich besonders die rhythmische Berggestaltung dieses griechischen Landteiles. Die Berge waren dort, als ob eine Hand die Berglinien in der Luft vorgezeichnet hätte, als wären die Wellen der Erde einst bezwingenden rhythmischen Handbewegungen gefolgt und dann als zur Erde gewordener Rhythmus stehengeblieben.

In zarten Morgensonnenfarben, in einem kühlen Grün, das wie bereift aussah, und in einem fleischigen goldigen Rosa erschienen auf ätherblauem Meer diese ersten griechischen Landlinien des Peloponnes vor meinen Augen. Und ich hoffte bei ihrem Anblick bestimmt, daß hier der Boden für glücklichsten Dichterfrieden sein könnte, denn ich war beglückt vom Anschauen der rosigen Küste.

Ich saß, vom tönenden Meer getragen, auf dem sauberen silberweißen Schiffsverdeck, halb hinhorchend auf den Arbeitstakt der Schiffsmaschine, und baute mir in Gedanken ein Haus dort hinüber an eine der stillen weltverlassenen Meeresbuchten.

Vom Schiff aus gesehen, sprach jenes griechische Land keine andere Sprache als meine Heimatlaute, die ich in der Brust trug, und kein anderes Leben lebte an der nahen Küste als das Traumleben und die Traumgeschichten, die ich vom stillen Schiffsdeck hinüberschickte unter die Ölbäume dort.

Von jenen frühesten Morgenstunden an, als wir um den Peloponnes fuhren, bis zum Abend und bis zum nächsten Morgen, solange die Reise bis Piräus währte, füllte sich mir das leere Schiffsdeck, auf welchem wir nur vier Passagiere waren, mit allen Helden der ‹Ilias›, mit allen großen Geistern Athens.

Das Schiff war dann nicht mehr nur ein gewöhnliches Dampfschiff; es wurde hoheitsvoll ein Argonautenfahrzeug voll herrlich gerüsteter Männer, voll festlicher Götterfrauen. Sie kamen in hellen Zügen wie aufsteigender Meerschaum über das türkisenblaue Meerwasser. Sie kamen aus den fernsten Ölbaumhainen. Und als spät am Tage der Berge lange Abendschatten sich dunkelgrün in das Meer hinaus bis an unseren Schiffsbord hinlegten, da kamen immer mehr griechische Helden und Heldinnen, griechische Götter und Göttinnen, gefolgt vom frohen singenden Volk, auf den Abendschatten, wie auf Brücken, über die Meerflut heran.

– Nur wieder neun Jahre später erlebte ich ähnliches Entzücken, als ich in einem ähnlichen silberblauen Vorfrühlingslicht in der japanischen Inlandsee fuhr, zwischen japanischen Ufern, in der Heimat des naturseligsten Volkes der Erde. –

Als ich die Uferbilder und Meeresbuchtenlinien Griechenlandes zum erstenmal zwischen den Wimpern meiner Augen in mein Herz einziehen fühlte, schienen sie unwirkliche Gefilde zu sein. So verklärt schimmerte das Tageslicht von den melodisch geschweiften Bergen, als wäre die Küste von dem Licht einer geistigen, unirdischen Sonne beschienen.

Jene Erde, die so viele Schritte ernster Helden einst gehört hatte und sich von Homer besungen fühlte, lag da vor mir, als hätte sie sich unter Homers Gesang verklärt – wie eine Frau, die lautlos ein Liebeslied immer wieder singt, das ihr der gestorbene Geliebte einst gedichtet hat.

Und wie das Antlitz eines Menschen, der ein Gedicht wiederholt, das er liebt, und dessen Auge zwischen irdischem und unirdischem Ausdruck geteilt, verklärt in den Tag sieht, so sah Griechenland – das Lied Homers lautlos vor sich hinsingend – mit seinen feierlichen Höhen an jenem Tage, an dem ich vom Morgen bis zum nächsten Morgen im Meer an der Küste vorüberfuhr, in meine Augen und war eine heilge Geisterwelt, eine heilige Dichterwelt.

Es schien keine Stunde nüchterner Alltag an jenen Ufern zu sein. Eine köstliche Festlichkeit begleitete mich an dieser Küste entlang bis zur nächsten Morgenstunde, bis zum Augenblick, da das Schiff in Piräus anlegte.

In Piräus, im Hafengetriebe, zwischen Hafenhallen und Haufen von Fischerbooten, bei schmutzigen Fischerkneipen, bei den Kähnen, die, beladen mit gelben Orangen und grünen Zitronen, fremdartig leuchteten, wußte ich nicht mehr, als ich den Fuß ans Land gesetzt, daß ich in Griechenland war. Es lag vor mir ein kleinstädtischer lebendiger Mittelmeerhafen mit dem üblichen Hafenlärm, mit Zollbeamten, Fuhrleuten, Fischern. Nur die griechische Lebhaftigkeit, das fliegende Verständnis für jeden Augenblick des Lebens, eine gewandte Eile und eine bestrickende Gefälligkeit, die den Nordländer argwöhnisch macht, in ihnen war griechischer Geist zu fühlen.

Wir fuhren dann bald mit einem Wagen auf der alten Heerstraße hin, die in einer geraden Linie, wie mit einem Lineal gezogen, nach Athen führt. Ich hatte geglaubt, daß hier Ende März schon Frühlingsgrün zu finden wäre, und war nun erstaunt, daß die Weingärten an den Wegseiten nur braune Rebenstrünke und noch kein grünes Blatt zeigten.

Während der Fahrt sah ich immer geradeaus und wunderte mich, daß ich nirgends den Felsen der Akropolis entdecken konnte. In der breiten Ebene, die sich zwischen zwei Bergzügen von Athen nach Piräus ans Meer zieht, hätte ich geglaubt, den Berg und die Akropolis am Ende des Tales, groß, gegen den Himmel gezeichnet, sofort erkennen zu müssen. Aber erst nah bei der Einfahrt in Athen sah ich, umgeben von höheren Hügeln und verschwindend klein neben dem mächtigen Hymettosbergwall, die Anhöhe der Akropolis mit den Tempelresten. Aus der Ferne ließ diese Tempelruine noch nichts von ihrer Großartigkeit ahnen.

Das neue Athen, in das wir einfuhren, mit seinen bürgerlichen Häusern der Neuzeit, mit seinen Schaufenstern, Straßenbahnen, seinem Kaffeehausleben, mit dem Getriebe unseres Jahrhunderts in der langen Stadionstraße, war mir vom Anfang an im Wege. Ich wäre am liebsten draußen vor der neuen Stadt heimlich aus dem Wagen gestiegen und durch die Felder in weitem Bogen um das neuzeitliche Athen gegangen, hinauf zur Akropolis.

Am Tage vorher auf dem Meer war ich im Geist in einer stillen Ruinenwelt angekommen, die sich Athen nannte. Ich hatte in Gedanken nebenbei ein paar Gasthäuser oder ähnliche Häuser in ehrfurchtsvoller Entfernung, den Ruinen bescheiden Platz machend, gesehen und hatte geglaubt, daß die Fenster jener neuen Häuser, so wie die Augen der neuen Menschen dort, den ganzen Tag andachtsvoll träumend und vom Bewundern der großen Vergangenheit der Ruinen bewegt, keine Zeit zu eigenem Leben finden könnten.

Nun aber lärmte da eine sich selbständig dünkende junge Stadt, eine mit Trambahnen, elektrischen Maschinen, Telegraphen und Telephonen und mit Motoren arbeitende, zeitgemäße, laute, ehrgeizige Stadt. Diesen Zeitlärm konnte ich noch nicht mit meinen, nur feierliche Ruinen suchenden Wünschen vereinigen. Und ich war enttäuscht und wünschte mich wieder aufs griechische Meer zurück. Die Zeitungsverkäufer und die Lotterieverkäufer, die auf unserem Wagentrittbrett geschäftig schreiend emporkletterten, während wir in die lebendigen, gewerbetreibenden Morgengassen von Athen einfuhren, machten mich endlich lachen. Und Humor stellte sich ein, und ich freute mich, doch allmählich von der Meeröde wieder unter zappelnde Menschenkinder gekommen zu sein.

Das unterhaltende südliche Straßenleben, die Kupferschmiede, die Seiler, die Korbflechter, die Töpfer und das viele andere Kleingewerbe, das da zusammengepackt in den Gassen nistet, war in seiner herzlichen Irdischkeit reizvoll zu betrachten, und der Lärm, der mich zuerst abstieß, lockte bald vertraulich meine Ohren an. Eine arbeitende starke Gegenwart, meine Gegenwartswelt, erfüllte mich wieder und ich ließ die feierlichen Träume weit zurück und fühlte mich trotzdem wohl.

Mein Reisegefährte hatte von seinem Vater einige Empfehlungen an griechische Geschäftsleute, an den deutschen Konsul und an den deutschen Archäologen Professor Dörpfeld mit sich. Von dem letzteren erhielten wir bei einem Besuch einige gute Ratschläge für unseren Ritt durch den Peloponnes, den wir von Olympia aus nach Sparta unternehmen wollten. Zuerst aber wollten wir vorher noch Delphi, Apollos heilige Stätte, am korinthischen Meerbusen sehen. Französische Gelehrte hatten dort kürzlich das große Ruinenfeld der Heiligtümer wieder aufgedeckt.–

Morgens von sechs bis neun Uhr herrschte schon das lauteste Leben zwischen den blendend weißgetünchten Häusern von Athen. Keine Stadt ist mir je wieder so hell vorgekommen wie diese lichtdurchtränkte weiße Neustadt Athen. Und trotzdem herrschte Düsterkeit in den Straßen.

Denn in keiner Stadt sah ich jemals wieder so wenig Frauen, wie am Nachmittag dort auf dem Schloßplatz, während die Musik spielte. Nirgends war eine griechische Dame, nirgends ein griechisches Mädchen zu sehen. Nur manchmal fuhr ein weibliches Wesen in einem Wagen vorüber. Aber auf dem Schloßplatz standen wie eine einzige schwarze Masse, Schulter an Schulter, plaudernde Männer von allen Altern.

Nie wieder sah ich ein ähnlich einseitiges Dasein. Man könnte glauben, es würde hier Börse abgehalten unter freiem Himmel. Oder man konnte denken, es sei eine Verschwörung im Gang. Während im heutigen Rom zur Musikzeit in den Gartenanlagen des Monte Pincio die Römerinnen aller Gesellschaftskreise, zu Fuß und zu Wagen, plaudernd mit und zwischen den Herren erscheinen, sind in Athen zu den Musikstunden nur einige Ausländerinnen am Rand des Platzes bei den Kaffeehäusern zu sehen. Es entsteht deshalb hier kein fröhliches Gemisch, keine festliche gesellige Woge. Wie eine zusammengepferchte Stierherde stauen sich die Männer stumpf und stolz um die Musik.

Ich habe ähnliches nur im Hydepark in London gesehen, wenn ein politischer Redner auf einen Stuhl gestiegen war und sich Hunderte von Männern um ihn gesammelt hatten. Dort sah ich ähnlich viel schwarzbekleidete Rücken wie auf dem Schloßplatz von Athen.

Eine gähnende Langweile ging von dieser Musik aus. Denn die plaudernden und politisierenden eifrigen griechischen Männer ließen die Musik, wie es schien, nur in ihren Ohren verhallen. Die Frauen, die im Gehen und im Lächeln wandelnde Musik sein können, fehlten hier den Augen der Männer, und das machte, daß die Männerohren nur halb hinfühlten, und daß nur eine halbe Festlichkeit aufkam.

Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, sagt die Bibel. Und ich möchte hinzufügen: es ist nicht gut, daß der Mann ohne eine Frau Musik hört, daß der Mann ohne eine Frau ein Gedicht liest, daß der Mann ohne eine Frau ein Bild betrachtet, daß der Mann nur mit Männern spaziert. Ohne die Frau kommt nur die halbe Welt der Kunstwerte und die halbe Welt allen Lebens zum Mann. Ebenso können die Frauen die Welt und die Künste nicht allein ohne den Mann ganz verstehen und ganz genießen.

Als ich allein um die Erde reiste ohne meine Frau, merkte ich es zuerst gar nicht, wie wenig ich eigentlich sah. Ich merkte es aber gleich, wie viel ich sah, als ich heimkam von der Weltreise und meine Frau in meinen Erzählungen mit mir zusammenreiste.

Da erst wachten viele Blicke auf, von denen ich nicht gewußt, daß ich sie aufgenommen hatte, und Bilder und Landschaften und Begebenheiten kamen mir aus dem Unterbewußtsein ins Bewußtsein, als ich vor ihren Augen noch einmal die Weltreise zu Hause in Gedanken dichtete.

Was ich für mich allein erinnert hätte, das wäre kaum die Hälfte der Eindrücke gewesen. Für sie aber erinnerte ich noch eine Fülle, die ich im Unbewußten beim Reisen mit ihren Augen aufgenommen hatte, und die verlorengegangen wären, wenn nicht ihr Auge mir dann zu Hause das unbewußt Gesehene geweckt hätte.

Ich hatte auf der Weltreise unterwegs keine Notizen gemacht, was ich niemals auf Reisen tue, hatte mich auch durch keine Bücher auf die Reise vorbereitet, las auch nach meiner Heimkehr nicht die Briefe durch, die ich unterwegs geschrieben hatte, sondern hielt mich nur an mein und ihr Auge, an unsere inneren und äußeren Augen, mit denen ich die große Reise nochmals nachreiste, so wie ich heute nach sechzehn Jahren die griechische Reise wieder nachreise.

Von der Weltreise kam ich im Juli 1906 zurück, und erst im Juli 1907 begann ich mein Buch «Die geflügelte Erde», das jene Reise in Versen beschreibt. Nur einige Photographien und Ansichtspostkarten und nur kleine Geschenkerinnerungen, die ich von jedem Ort unterwegs für meine Frau mit nach Hause genommen hatte, nur diese winzigen Stückchen Wirklichkeit halfen mir zwei Jahre lang nochmals die sieben Meere und ihre Wunder in einer Dichtung aufleben zu lassen.

Ich fühlte mich während der Reise um den Globus auch keinen Augenblick als Schriftsteller reisen. Wohl hatte ich jene Fahrt mit dem Gedanken angetreten, später einmal eine Dichtung über die Wunder der Erde schreiben zu wollen. Aber während der Reise enthielt ich mich jedes Gedankens an das künftige Buch. Und ich glaube, ich bewahrte mir dadurch einen möglichst unbefangenen innerlichen Blick, indem ich jedes übertriebene berufsmäßige Schauen, jedes berufsmäßige Aufnehmenwollen beim Reisen ausschaltete, wie ich das auch bei Erlebnissen immer zu tun versuche.

Nur dann lassen sich die Empfindungen und die Gefühle breit und tief in einem nieder, wenn man ihnen allmenschlich und zwecklos entgegenkommt. Jeder Zweck macht die künstlerischen Gefühle taub und öffnet nicht die Tiefen des Innenlebens im Menschen.

Aber ich habe gefunden, daß es für einen Schriftsteller einer jahrelangen Selbstzucht bedarf, einer immer wieder erneuten Zucht des Willens und einer immer wieder erneuten Zucht zur Ruhe und Geduld bedarf, um das Leben mit offenem Gefühl täglich von neuem in heiliger Zwecklosigkeit empfangen zu können. Nur jenen Zweck soll der Dichter hochhalten, den, dem Weltalleben nachzufühlen und nicht nur sein eigenes Leben, sondern alle Lebenserscheinungen in das Herz einmünden zu lassen.

Nur dann wird dem, der sich durch solches Weltallempfinden, durch das gerechte und empfindende Betrachten aller Leben bereichert hat, nicht bloß das geistige, sondern auch das leibliche Gefühl der Lebensunendlichkeit zuteil.

Die Lust an der Unvergänglichkeit der einzelnen Atome des Leibes überbietet dann das leise Weh über die Vergänglichkeit der Leibesform. Denn das Gefühl der leiblichen Unsterblichkeit ist für uns alle erreicht, sobald wir das Weltall als unseren Leib und Besitz fühlen lernten.

Als ich am Spätnachmittag des ersten Tages in Athen, am Theseustempel vorbei, dessen ehemals weiße Säulen jetzt wie gelbes Bienenwachs leuchten, auf dem Weg bei den alten Amphitheatern zur Anhöhe der Akropolis hinaufwanderte und dann über die breiten zerbrochenen Freitreppen, auf dem mit Quadern bepflasterten Platz beim kleinen Erechtheiontempel vor den ungeheuren Säulen des Parthenontempels stand, da, schien es mir, waren das keine Ruinen, was ich vor mir sah. Es waren Bauwerke noch im Aufbau begriffen.

Die Handwerksleute und die Architekten schienen den jungen Bauplatz des herrlichen Zukunftsbaues eben zur Abendstunde verlassen zu haben und waren hinunter in die Stadt gegangen. Da lagen Säulen und Quadern, die scheinbar noch am Mittag den Hammer und den Meißel der Steinmetzen gespürt hatten. Und die steinernen Frauengestalten, die das Sims des Erechtheion auf ihren Köpfen stützen, waren von den jungen Bildhauern vorhin erst mit den lebenden Frauen verglichen worden, die dazu Modell gestanden hatten, vor dem inneren und äußeren Auge der Künstler.

Jung, lebensvoll, wunderbar zeitlos waren die Formen und die künstlerischen Linien der behauenen Steine. Die gerillten Säulen standen jung aufrecht, als wäre in ihren tiefen Rinnen nur erst einmal ein Frühlingsregen herabgerieselt. Nichts sprach hier von jahrtausendaltem Regen, von jahrtausendalten Winden und Sonnenbränden, die diese Steine erlebt hatten. Nur neuzeitliche und zukünftigste Weltfestlichkeit tönte bei jedem Schritt auf den Fließen des Parthenons in mein innerstes Ohr. Diesem Bauplatz fehlten nur die Gerüste; man mußte annehmen, die Baugerüste seien zu früh abgenommen worden, ehe die Bauten noch ganz fertig waren. Einen andern Eindruck empfing ich nicht. Das Wort Ruine kam nicht in meinen Gedanken auf.

Welch stümperhafte Bauten waren dagegen die alten römischen Backsteinbauwerke des Forums in Rom! Welche stümperhafte, geistesbeschränkte, unharmonische Linien trugen nicht alle anderen Steinbauten Europas! Hier an der Akropolis waren nicht bloß geschickte Menschenhände und klug berechnende Gehirne an der Arbeit gewesen. Hier hatten weltfestliche Herzen die Pläne gezeichnet, weltfreudige Hände und Augen Meißel und Hammer walten lassen. Die aus den Gehirnen eines Volkes von Dichtern geborenen menschenherrlichen Götter hatten, ähnlich wie sie beim Kampf um Ilion die Krieger aneiferten, so hier die Künstler bei ihrer Arbeit beseelt. Diese Tempel waren gedichtet, waren jahrtausendalte Steingedichte. Und so wie jedes echte Gedicht kein Alter, keine Zeit, keine Vergänglichkeit kennt, so standen auch diese Bauten alterlos jugendlich in ihrer unvergänglichen Selbstverständlichkeit da.

Auch die Säulen, die gestürzt waren, sie wurden nicht zu Ruinenstücken. Sie blieben Vollkommenheiten. Sie schienen in jedem Augenblick neu aufwachsen zu wollen, da jeder einzelne Stein, jede Meißellinie Unsterblichkeit ausstrahlte und überzeugendste Weltallfestlichkeit.

Wenn ich mir heute vorstelle, daß dort auf der Anhöhe der Akropolis, um den freien Platz bei dem Parthenontempel, Flieger mit ihren Flugmaschinen landen und wieder aufsteigen sollten und um jene sogenannten Ruinen kreisen würden, und wenn ich mir dieselben Luftfahrzeuge aufsteigend und kreisend um alte deutsche Burgen denke oder um das Schloß von Versailles, um den Londoner Tower, um das Potsdamer Lustschloß Sanssouci – nirgends in Europa würden die Flugmaschine und der Motor in ihrer edlen stählernen Gelenkigkeit und gestaltet von neuzeitlichem Erfindungsgeist sich so klar und gleichberechtigt dem Geist der Baumeister anpassen als bei der Akropolis. Hier könnte man glauben, die Ururenkel jener Bauleute haben von ihren Vätern mit den Plänen der Tempel auch die Pläne zu den neuzeitlichen Flugmaschinen, die Pläne zu den stählernen Motoren, ebenso wie die Pläne der drahtlosen Telegraphie, die Pläne zu den Markoniapparaten und die Pläne zu allen heutigen technischen und elektrischen Erfindungen erhalten.

Wenn ich an Gotik-, Renaissance- oder Rokokobauten denke, selbst wenn ich an den arabisch-maurischen Stil mit seiner weiblichen Märchenhaftigkeit denke, – bei keiner dieser an sich harmonischen Stilarten tritt das Geistige und das Körperliche in so klarer, edler und einfacher Einheit auf. Dieser Baustil ist der Brudergeist unserer sich in Arbeit und Festlichkeit und Selbstzucht übenden Zeit. Jung tritt einem dieser Neuzeitgeist entgegen aus allen alten Bauten Griechenlands und besonders aus den alterlosen athenischen Bauten der Akropolis und des Theseustempels.

Es scheint mir oft, als hätten unsere Architekten in ihren neuesten Bauten noch nicht dem aufgeklärten festlichen Zeitgeist voll Rechnung getragen. Wohl wirkt die große Vereinfachung in der heutigen Architektur befreiend. Aber es fehlt noch die Selbstverständlichkeit der Formen.

Zu viel geschultes Wissen, zu wenig innerliche Freiheit gestalten den heutigen Baustil. Es sind noch nicht alle Dumpfheiten alter Weltanschauungen vollkommen überstanden. Es herrscht noch nicht in der Architektur die selbstverständliche einfache Weltallfestlichkeit, die angeboren in uns lebt.

Den meisten unserer Bauwerke fehlt in der Linie noch die natürliche Beherrschung, mit welcher zum Beispiel ein Vogel von Baum zu Baum fliegt, mit der ein Reh aus dem Waldsaum tritt, mit der die Biene arbeitet und die Forelle gegen den Bachstrudel schwimmt, mit der das Buchenblatt sich aus seiner braunen Schutzkapsel entfaltet, mit der jede Baumart ihre verschiedenen zackigen Blätter naturgefällig hervorbringt.

Bauformen müssen so körperlich klug wie geistig klug sein und Nutzen und Schönheit in unzertrennlicher klarer Einheit vereinigen.

Aber ich will nicht damit sagen, wenn ich die alten griechischen Baudenkmale lobe, daß man, wie man es zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts getan, zu Napoleon des Ersten Zeit und später, die griechische Säulenwelt nachgeahmt bei uns aufstellen soll.

Ich möchte nur darauf hinweisen, daß, wenn wir eine befreite festliche Innerlichkeit, mit der der Grieche das Alltagsleben in jedem Augenblick auffaßte, auch bei uns wirken lassen wollen, so werden wir dann auch zu geistig freieren Bauwerken, unserem Klima angepaßt, zu einem edlen, unveränderbaren feststehenden Stil kommen.

Eine festliche Weltanschauung wird alle Künstler verinnerlichter und vereinfachter arbeiten machen. Sobald das Leben von den europäischen Völkermassen nicht bloß als eine Pflicht oder gar als sündiges Jammertal oder als ein Durchgangsaufenthalt zu einem besseren Leben aufgefaßt wird, wird sich alles Menschenleben natürlicher und künstlerischer gestalten als jemals.

Wenn die Völker von der zweckmäßigen, daseinsklugen Weltfestlichkeit aller Leben, also auch von der Festlichkeit der Menschenleben, durchdrungen und überzeugt worden sind, wird der Kunstsinn festlich befreit sein.

Ebenso wie die Griechen, so hat man auch lange Zeit die Japaner nur vom Standpunkt einer schmachtenden Schönheitsschwärmerei aus bewundert. Man verstand nicht, wie herrlich nützlich in erster Linie alle Gebilde sind, die diese beiden Völker hervorbrachten, und die zuerst den Zweck erfüllen und bei wunderbarer Zweckdienlichkeit eine selbstverständliche Schönheit bieten.

Eine Bauernfrau im schlichten Arbeitskleid und jeder Arbeiter in seiner Arbeitstracht, die zweckdienlich erfunden wurde, wirken künstlerisch und zeitgemäß und sind nicht stimmungsstörend für den Künstler.

Zweck und Geist verhöhnend aber sind die heutigen, zerstückelten und zusammengenähten, sinnlosen Modekleider der europäischen Frauen. Grauenhaft verirrt ist das europäische Frauenkleid von heute und ist nicht mehr die kluge nützliche, schöne irdische Hülle für den schönen irdischen Frauenleib.

Die Japanerin, die Chinesin, die Araberin sehen ihr Kleid noch mit gesundem und klugem Natursinn als eine feierliche, zweckmäßige Umhüllung an.

Das europäische, zweckwidrige, schönheitswidrige, unedle, unsinnig zusammengestellte Modenungeheuer, das man nicht mit dem edlen Namen Frauengewandung benennen darf, ist ein Ergebnis dumpfer, verjährter und überwundener Weltanschauung. Und auch die europäische Männerkleidung beengt den Körper, wirkt zerstückelt und ist zeitraubend beim Anlegen. Sie besteht aus viel zu viel einzelnen Teilen und Teilchen.

Der Menschenkörper aber soll eingehüllt und nicht eingezwängt werden.

Wie man ein einziges Einpackpapier um einen Gegenstand wickelt, den man einhüllen und so geschützt heimbringen will, so wird von Chinesen und Japanern der Körper des Menschen bei der Kleiderfrage behandelt.

Man preßt den Leib nicht ein und behängt ihn nicht mit zehnerlei Lappen und Läppchen, nicht mit drückenden Knöpfen und mit überflüssigen Litzen, Kragen, Krawatten. Der Asiate hüllt den Leib wie einen kostbaren Gegenstand weit und reichlich und doch sorgfältig ein, ohne die Glieder herauszuschrauben oder sie zu beengen. Der Asiate läßt seinem Leib in der Hülle Bewegungsfreiheit, er behandelt seine Glieder gütig und selbstverständlich verständig und liebevoll.

Man betrachte nur die Bilder der Japaner und Chinesen, die seit Jahrhunderten die Frauen immer im gleichen Kleide zeigen. Jene Völker sind nicht müde geworden, dieses selbe Kleid immer wieder zu sehen.

Man nahm an dieser Kleidung nur kleine Abwechslungen in den Stoffmustern vor, von Jahrhundert zu Jahrhundert kaum merkbar. Unsere Frauenwelt aber ist von einer Kleiderkrankheit, von einer Kleiderverwandlungssucht besessen. Teils bewirkt dieses die kaufmännische Gewinnsucht der Männer, teils hysterische Eigenliebe der Frauen, die sich gegenseitig zu unsinnigsten gehetzten Formen anspornen.

Wenn aber einmal Frau und Mann sich nicht mehr belügen und sich nicht mehr als den Gipfel der Schöpfung betrachten, sondern sich als Weltallmitglieder sehen, dann wird die Eitelkeit edlere Wege gehen. Diese aufgeklärten Menschen werden den Modeirrsinn verschmähen und die Körper mit natürlichen Gewändern zweckdienlich, vornehm und freudig verhüllen, statt den Leib mit Stückwerk überreizt, unbequem, unschön einzupressen oder zu behängen.

Das chinesische Kleid, das weite Beinkleid, der ärmelweite, hemdartige chinesische Rock, könnte auch für uns Europäer eine Zukunftskleidung werden. – Die künftige Frau wird zugleich wie der künftige Mann die Schöpferkraft des ganzen Weltalls in ihrem Herzen als ewigen verantwortlichen Besitz und als unendlichen festlichen Widerhall fühlen. Diese dann nicht nur persönliche, sondern weltallfestlich gestimmte Zukunftsfrau, die im Garten und in der Natur, in der Gesellschaft, im Haus und bei der Arbeit, bei den Künsten und bei den Weisheiten ihres Volkes freudig und befreit aufgewachsen ist, diese wird sich ganz von selbst scheuen, sich unedler zu kleiden, als die Griechinnen es taten, unedler, als die Frauen der sinnenweisen Völker Asiens es tun.

 

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