Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Dauthendey >

Gedankengut aus meinen Wanderjahren

Max Dauthendey: Gedankengut aus meinen Wanderjahren - Kapitel 17
Quellenangabe
pfad/dauthend/wanderja/wanderja.xml
typemisc
authorMax Dauthendey
titleGedankengut aus meinen Wanderjahren
publisherAlbert Langen
printrun7. bis 9. Tausend
year1913
firstpub1913
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorJens Sadowski
senderwww.gaga.net
created20090226
modified20150521
projectidc11d162d
Schließen

Navigation:

Mein zweimaliger Aufenthalt im Norden, im bohuslänschen weltfernen Pfarrhause, hatte zur Folge, daß ich einsames und ursprünglichstes Naturleben kennengelernt hatte und dabei zugleich aus engen Kulturverhältnissen alter deutscher Vergangenheiten losgekommen war, so daß ich jetzt nicht mehr leicht ausgetretene Wege einschlagen konnte. Dieser zweimalige Aufenthalt in Schweden gab mir einen größeren Weltblick. Ein jahrelanges Auslandsleben folgte, wobei ich Kunsteindrücke und vielseitiges Menschenleben aufnahm und Zeit und Vermögen blindlings verschwendete, nie nach Nutzen und Einkünften, sondern nur nach Lebensbereicherung fragend.

Daß ich mir damals das Erleben noch durch die stete Frage störte: wird dieser Tag ein Gedicht bringen? Und daß ich mich bei jedem Weg fragte, ob ich auf ihm eine Dichtung erleben würde. Dieses gehetzte Fragen kam nicht aus meinem Innern. Es war teils von der äußeren jugendlichen Ungeduld, mich betätigen zu wollen, eingegeben, teils kam es aus dem Ansporn, den mein Vater brieflich auf mich ausübte, indem er von Vierteljahr zu Vierteljahr drängte, Neues von mir hören zu wollen. Immer sollte ich ihn auf dem laufenden halten mit Plänen und Hoffnungen für neue Bücher. Er glaubte wahrscheinlich, Faulheit könne mich hinter seinem Rücken auffressen.

Man wollte zu Hause nicht dem harmonischen und angeborenen natürlichen Entwicklungsfleiß, der jedem jungen Mann, der sich ernstlich ein Ziel gesetzt hat, innewohnt, vertrauen und glauben. Und man spornte den von selbst Fortschreitenden so an, als wenn er ein Eingeschlafener wäre.

O wieviel Sorge kann solche Übersorge anderer uns bereiten! Vertrauen ist das Gefühl, auf das die Jugend ein unbedingtes Recht hat.

Unter diesen Umständen war ich gezwungen worden zu fragen: Wird eine Dichtung aus dieser Reise entstehen? Werde ich diese Reise literarisch verwerten können? – Aber erst nach der Reise um die Erde, in meinem vierzigsten Lebensjahr, fühlte ich mich reif, Geschehenes und Gehörtes in Prosa und Dichtungen ununterbrochen wiedergeben zu können. Dann erst war es mir wieder zur zweiten Natur geworden, unbewußt erleben zu können, ohne dabei an literarisches oder dichterisches Verwerten denken zu müssen.

Bei meinem Sommeraufenthalt in Dänemark am Isefjord 1893 hatte ich den Entwurf zu einer neuen Dichtung gemacht.

Dieser gab ich den Titel «Die schwarze Sonne». In dieser Dichtung wollte ich im Gegensatz zur freudigen Sonne, die Sonne des Leides darstellen. So wie die Nacht dem Tag folgt, sagte ich mir, so wandert auch durch den Tag der Freuden der schwarze Strahl einer schwarzen Sonne, und die von ihm Gezeichneten ließ ich zu einer Leidensschar sich zusammenschließen. Es sollte dieser Zug von Leidenden ein Gegenstück zum Bacchuszug sein, den ich auf dem großen Gemälde von Rubens in der alten Pinakothek in München gesehen hatte.

Der Zug durchwandert die Heide. Nackte Männer, nackte Frauen, nackte Jungfrauen und Knaben, verwundet vom Leid, zusammengeschart im Leid und doch sich ihr Leid nicht eingestehen wollend, aber jeder gezeichnet vom Todeskeim, wandern und lagern abends im Wald. Die Stärksten unter ihnen, die reifen Männer und Frauen pflücken schwarze Giftbeeren, und Männer und Frauen sterben in einer letzten Umarmung.

Die Mädchen, Knaben und Greise aber steigen morgens vom Wald an den Felsenabhängen hinunter zum Meer und binden angeschwemmte Stämme zu einem Floß zusammen. Sie besteigen das Floß. Sie haben sich mit Waldkränzen geschmückt. Das Meersalz hängt sich an ihre Lippen, während sie singen. Und als die weiße Sonne des Tages im Mittag steht, schickt die schwarze Sonne des Leides aus der Tiefe des Meeres eine große finstere Welle herauf, die das Floß mit den bekränzten Singenden verschlingt. –

Der Einfall zu dieser Dichtung kam mir am Isefjord. Ich ging dort einmal bei einem Feldspaziergang in trauriger Stimmung, gequält von Einsamkeit und bedrängt von der Sorge um das tägliche Leben, an einem Moor vorüber. Vom Anblick der nachtschwarzen Moorerde und des unheimlichen Moorwassers angezogen, und angelockt von Todeslustgedanken, setzte ich mich am Rande des Moores nieder und fühlte, wie die Düsterkeit, die mich bei fröhlicher Stimmung vielleicht erschreckt hätte, mir jetzt in meiner Traurigkeit wohltat.

Ich hatte bisher noch nie erlebt, daß mich Düsteres angelockt hätte, und daß ich mich bei Düsterem wohlgefühlt hatte, denn ich war immer lebenswarm und lebensfröhlich gewesen. Nun aber sagte ich mir, als ich am Moor saß und eine Wohltat von der Düsterheit der Landschaft empfing: es muß zwei Sonnen geben. Eine Freudengesinnte, die dem Freudiggestimmten gefällt, und eine Leidgesinnte, die dem Leidtragenden wohltut. Und es war mir, als sah mich aus der Tiefe des Moores die schwarze Sonne des Leides an und begrüßte in mir die Düsterheit meines Kummers.

Die Dichtung «Die schwarze Sonne», die ich dann zu schreiben begann, dichtete ich zum erstenmal in Binnenreimen, wobei ich, um das Echo des Wanderns auszudrücken, die Reimworte mitten in die Zeilen stellte, um so die im Takt schreitenden Schritte der Wandernden ertönen zu lassen.

In Kopenhagen schrieb ich den ersten Gesang dieser Dichtung, in London den zweiten Gesang und später in Stockholm den Schluß. Das ganze Gedicht entstand im Laufe von ungefähr zwei Jahren. Ich hatte immer große Arbeitspausen zwischen den verschiedenen Gesängen eintreten lassen müssen, da ich nur dann an dieser Dichtung weiterschreiben konnte, wenn mich ein tiefes Leid grämte.

Auch dieses Epos, obwohl ich es später – noch vor zwei Jahren – in einer neuen Auflage erscheinen ließ, zähle ich unter die Entwicklungsschriften meiner Dichterlehrjahre, von welchen ich hier in diesem Buche nebenbei berichten will.

Diese Jugendbücher waren ekstatische Ausbrüche einer jungen Phantasie. Ich hatte noch nicht die Geliebte gefunden, die der geistigen Freudigkeit als Gegengewicht irdische Freudigkeit des Lebens gibt. Erst später, im Liebeserleben, wurde mein Dichten warmblütig, während meine Dichtungen vorher, Nordlichtstrahlen ähnlich, aus meinem Kopfe schossen und mehr Spukwerk als Kunstwerk waren.

 

Ich hatte in meiner Jugend immer einen heiteren und lebensfröhlichen Sinn, und wenn ich morgens aufwachte, war ich nie grämlich und ängstlich, immer von Hoffnungen und Lebenswärme bewegt. Alles Erlebte war für mich immer festlich gewesen trotz des unerbittlichen Ernstes, der in meinem Vaterhause geherrscht hatte. Denn mein Vater war, als ich zwanzig Jahre alt wurde, bald ein Greis von siebzig Jahren. Ich fühlte mich oft ein wenig zu weise erzogen und kam mir damals etwas greisenhaft und im Blute unbeholfen vor, besonders da ich nicht wie andere junge Leute meines Alters Liebesgetändel und flüchtige Liebesverhältnisse pflegen konnte. Ich war immer von einer steten Bangigkeit erfüllt, die große Leidenschaft versäumen und verfehlen zu können.

Meinen Vater und meine Mutter sah ich als Vorbild aufopferndster Liebe an. Ich wäre nur dann imstande gewesen, einem Mädchen von Liebe zu sprechen, wenn ich es zu meiner Frau machen wollte.

Aber die Bedrückung, in meinen damaligen Verhältnissen keine Frau ernähren zu können, und der Gedanke, daß ich vielleicht jeden Tag der Frau begegnen könnte, zu der ich hätte sagen mögen: «Wir wollen uns lieben«, und für die ich dann wohl Liebe, aber keine Mittel zum Zusammenleben bereit haben würde – diese Erwägungen verfolgten mich unausgesetzt und machten mich zurückhaltend der Welt gegenüber, der ich jeden Tag von neuem, seit ich mein Vaterhaus verlassen hatte, die Hoffnung auf Lebensmöglichkeit abringen mußte.

Mein Vater drohte von Brief zu Brief, mir meinen monatlichen Unterhalt zu entziehen, deshalb waren meine Sorgen nicht unbegründet. Und jeden Tag genoß ich nur wie ein Mensch, der schnelle Blicke auf eine Landschaft wirft, indessen immer unterirdisches Erdbeben grollt, das ihn jeden Augenblick aufscheucht und ihm von seinem, in den nächsten Sekunden möglichen, Untergang redet.

Da ich auch nicht die Leichtigkeit in mir fand, im Plauderstil für Tageszeitungen schreiben zu können, um mir dadurch Geldmittel zu verschaffen, – weil ich mich in einer geistigen Umwälzung befand und bewußt und unbewußt einer neuen Dichtungsart zustrebte und unzersplittert, aufmerksam für den neuen Dichtungsgeist leben mußte, – so war ich oft recht unglücklich in allen Reisetagen, und trotz aller neuen Eindrücke, immer unglücklich umgeben von der mich hilflos machenden Tagessorge.

Es sollte mir natürlich in Kleidung, Auftreten und Haltung niemand meine oft recht verzweifelte Lage anmerken. Und so trug mein Gesicht meist ein Lächeln, das nur zur Hälfte Lebensfreudigkeit war, zur anderen Hälfte aber eine Anstandsmaske über meine Sorgen legen sollte.

 

Ich hatte im Winter 1893, ehe ich zum erstenmal nach Bohuslän kam, eine kleine philosophische Betrachtung geschrieben, die ich «die Kunst des Intimen» betitelt hatte. In Bohuslän fügte ich dieser Schrift einen zweiten Teil an, «die Kunst des Erhabenen». In der «Kunst des Intimen» sprach ich von Jakobsens Schreibweise, von Ola Hanson und von ähnlichen, auch vom Maler Munch. Wogegen ich in der «Kunst des Erhabenenden« vorgenannten Künstlern den Dichter Homer, Dante und ähnliche gegenüberstellte. Ebenso verglich ich in der Malerei Michelangelo und die großen Italiener mit den alten Holländern und den Sezessionisten der Neuzeit. Und verglich in der Musik Beethoven und Wagner mit Mozart und Grieg. Mit diesem Überblick über das Kunstleben aller Zeiten wollte ich zeigen, wie die Anforderungen im Künstlertum immer auf Erhabenes und Intimes zugleich gerichtet waren.

Von dieser Handschrift, die, ich glaube, nur fünfzig Druckseiten aufwies, hoffte ich, daß sie mir nebenbei auch eine kleine Einnahme bringen möchte. Ein Kopenhagener Rechtsanwalt, den ich kennengelernt hatte, und dem die Arbeit gefiel, legte die Druckkosten für das Buch aus. Der junge Schwede hatte die Handschrift ins Schwedische übersetzt, und so erschienen diese Gedanken eines Deutschen in schwedischer Sprache bei einem dänischen Buchhändler in Kopenhagen gedruckt. Die deutsche Handschrift habe ich später auf den Reisen verloren, und die kleine Arbeit ist niemals anders als in schwedischer Sprache erschienen. Ich erzähle dieses, um an manche Hoffnungen und Pläne zu erinnern, die man sich als junger Schriftsteller macht, und die absterben wie Schößlinge eines Baumes, die neben den Hauptästen entstehen und verdorren müssen.

Während ich in Berlin im Winter 1893 jene Abhandlung über «intime Kunst» niederschrieb, war mir auch der Gedanke gekommen, daß man intime Schauspielbühnen einrichten müßte, Bühnen in Zimmern oder Sälen, die nicht durch einen viereckigen Ausschnitt das Bühnenbild vom Zuschauer getrennt zeigen, sondern den Zuschauern, – welche zwanglos in Gruppen im Saal verteilt sein müßten –, den Eindruck geben sollten, als erlebten sie nicht bloß ein Schaustück, sondern ein intimes Ereignis, an dem sie selbst teilnahmen. Durch das Nichtgetrenntsein vom Bühnenbild sollten sich die Zuschauer enger mit den Erlebnissen verkettet fühlen.

Auch hatte ich geglaubt, da die Schauspieler damals das Pathos noch nicht ganz abgelegt hatten, es müßten die Schriftsteller zuerst noch selbst in einigen Schauspielen auftreten und die neue Spielart den Schauspielern zeigen. Denn die intime Wirklichkeitskunst bahnte sich zuerst in den Köpfen der Schriftsteller den Weg, und nur durch sie, meinte ich, könnte dem Schauspieler das damals noch fast unbekannte Wirklichkeitsspielen beigebracht werden.

Ich hatte ein Jahr vorher im Winter 1891, als ich noch zu Hause in Würzburg war, ein damals noch ziemlich unbekanntes Maeterlincksches intimes Drama, «Der Eindringling» ( l'Intruse) aus dem Buch «Die Blinden» übersetzt. Von Maeterlinck erhielt ich dann das Einführungsrecht dieses Stückes für Deutschland.

Ich machte dann Ende Winter 1892 mit Frau Marholm einige Besuche bei verschiedenen Schriftstellern in Berlin und forderte sie auf, ein «Intimes Theater» zu gründen. Ich fand offene Ohren. Es schien, als sollten einige Aufführungen zustande kommen, denn die Lust nach einer intimen Bühne lag allgemein in der Luft.

Da es aber schon Frühjahr wurde, verschob man die Angelegenheit auf den nächsten Winter. Doch war keine rechte Sicherheit zu erlangen, und meine Reise nach Schweden und mein langjähriger Aufenthalt im Ausland, brachen dann die verschiedenen Unterhandlungen ab.

Etwas mutlos hatte mich der Ausspruch des damaligen Vorstandes der «Freien Bühne» gemacht, dem ich Maeterlincks Drama «Der Eindringling» in meiner Übersetzung eingereicht hatte. Er meinte, daß es jetzt keine Zeit wäre für eine intime Kunst im Maeterlinckschen Sinne, die zu zart und Phantasieblau sei. Besonders, da eben Gerhart Hauptmann das deutsche Publikum zu starker Nüchternheitskunst bekehren wolle, würde Maeterlinck keine Aufmerksamkeit wecken.

Und ich sah auch ein, daß Berlin wirklich im Augenblick nicht der Boden für intime Phantasie und seelische Zartheit war, wie Maeterlinck sie bot. –

In Kopenhagen hatte ich außer der kleinen Handschrift «Die Kunst des Intimen» und «Die Kunst des Erhabenen» auf eine Aufforderung der Zeitung «Politiken» eine kleine Skizze geschrieben. Wie ich schon vorher erzählte, war ich damals noch nicht ganz frei von dem Wahn, Phantasien schreiben zu müssen, in welchen ich – als Gegensatz zu den alten abgebrauchten Menschenverkörperungen in der Natur, wie Elfen, Faune, Ungeheuer, Gnomen usw. – die Natur ohne menschliche Figurenwelt, einzig als Bild und Erlebnis für sich, geben wollte.

So hatte ich in jener Zeitungsskizze farbig beschrieben, was das Licht der Sommersonnenstrahlen erlebt, wenn es sich durch die Ritzen geschlossener Fensterläden von den Kornfeldern in einen alten Gobelinsaal eines dänischen Herrenhauses hineinstiehlt und dort bei den alten verstaubten Möbeln einen Aufruhr von neuem Leben hervorbringt.

Die Kopenhagener Zeitung brachte die erbetene Skizze, zugleich mit meinem Bild und einer Besprechung über meinen Roman «Josa Gerth». Und diese Zeitung war es, die zum erstenmal das Wort «Farbendichter» auf mich anwendete, das Wort, das nachher noch jahrelang mein Begleitname in der literarischen Welt bleiben sollte. –

 

Nach meinem zweiten Aufenthalt im Winter 1893 bis 1894 im bohuslänschen Pfarrhause reiste ich zu Anfang April 1894 von Schweden nach London. Ich fuhr auf einem Küstendampfer vom schwedischen Hafen Uddevalla, südlich von Fjellbacka, ab und erreichte, die Nordsee überquerend, in drei Tagen die Themsemündung.

Ich kann heute noch nicht den Eindruck vergessen, den mir die englischen Fischerflotten machten, die da still lagen im Meer am Themseeingang auf der großen Silberbank des Wassers, über dem die Vorfrühlingssonne bei silberberänderten Wolken blitzte. Die still arbeitenden Boote sahen aus wie unzählige dunkle Fische auf einer weißen Metallplatte.

Dieser Anblick der Vereinigung von Meer und stillen Meerarbeitern ließ mich noch einmal vor der Ankunft in London weit und frei aufatmen. Es sammelt sich in jedem jungen Herzen ein beklemmendes Gruseln an, wenn man zu einer fremden Weltstadt kommen soll. Es gruselte mich, von London verschluckt werden zu können, von den dort angestauten verschiedenen Lebensbegriffen und sich widerstreitenden Lebensgefühlen. Und so genoß ich noch einmal, wie im Abschiednehmen von der Meereseinsamkeit, die mir in Schweden ein weiser Kamerad geworden war, den letzten Meerblick, der mir so unendlich hell und friedlich mit seinen Meerarbeitern einen unzerstörbaren Glückszustand zuspiegelte.

Es wurde Abend, als wir in London in den schmutzigen Dockwassern, an rußigen düsteren Ausladehallen, im Finstern lautlos landeten. Und mehr als die See am Mittag gebraust, toste jetzt rundum das millionenträchtige London in der Nacht.

In einer Pension am Upper Wooburn Place, die in der Nähe des Britischen Museums lag, und wo die Freunde des jungen Schweden, das amerikanische junge Künstlerehepaar, lebten, nahm ich Wohnung.

Der Amerikaner hieß James mit Vornamen, und seine Frau hieß Theodosia. Er war New Yorker und sie aus San Franzisko, und beide hatten sich in Frankreich auf dem Pariser Montparnasse, dem Künstlerstadtteil der Pariser Amerikaner, kennengelernt. Sie hatten sich eben in England trauen lassen und lebten hier auf einem Zimmer der Pension, sorglos bei Künstlersorgen.

In ihnen lernte ich nicht bloß die Menschen eines neuen Zeitgeistes kennen, sondern es sprach auch die Einfalt und Unverbrauchtheit des jungen Erdteils, aus dem sie kamen, aus ihren Handlungen und ihren Gedanken.

Bei unsern ersten Gesprächen erschien es mir, als unterhielt ich mich mit Schulkindern. Die beiden amerikanischen Künstler hatten in allem einen etwas belehrenden Ton, so wie Schulkinder untereinander reden, die sich und ihre Gefährten ganz richtig für unerwachsene Menschen halten. Da sie kein Deutsch sprachen, wurde unsere Unterhaltung auf Englisch oder in schlechtem Französisch geführt, was den belehrenden Ton bei den beiden erhöhte.

Ich hatte noch nicht viel von Okkultismus gehört und nicht viel von Astrologie, nichts vom englischen mystischen Maler Blake und seinen Geisterdichtungen, ebensowenig kannte ich Swedenborgs übersinnliche Philosophie. Ich wußte nichts von Geheimbünden. Ich wußte nur, daß diese Art Gelehrsamkeit in Deutschland mittelalterliches Treiben genannt wurde, und daß sie mir auch immer aus der Ferne als solches erschienen war. Ich glaubte nie an Wahrsagungen, nie an Aufstellung von Horoskopen, noch an ägyptische, arabische oder indische Sterndeuterei. Das amerikanische Ehepaar aber nannte sich Adepten eines mystischen Geheimbundes, über den sie nicht reden durften.

James wollte Bildhauer werden, Theodosia Malerin, und deshalb waren sie von Amerika nach Europa gekommen. Und als ich sie fragte, wozu sie denn die mystische Lehre für ihre Kunst nötig hätten, so sagten sie mir ganz richtig, jede Kunst brauche einen seelischen Inhalt, eine geistige Bildungslinie. Und als ich sie fragte, ob ihr Geheimbund die Freimaurerei sei, da lachten sie und meinten, daß die Freimaurer weit entfernt seien von dem Kreis, dem sie angehörten.

Das Zimmer, das sie bewohnten, war geräumig und bildete für sie beide: Schlafzimmer, Wohnzimmer, Eßzimmer und Atelier. Bisher hatte ich noch nie ein junges Ehepaar der gebildeten Stände kennengelernt, das, auf einen so bescheidenen Raum angewiesen, so glücklich lebte wie diese Amerikaner. Und wenn ich heute an jenes Londoner Zimmer zurückdenke und an das Kaminfeuer, an den Londoner Nebel vor den Fenstervierecken und an das ewige Teewasser, das auf den Kohlen des Kaminrostes den ganzen Tag gekocht wurde, dann entzückt mich immer noch der bescheidene Geist jener strebenden und sich gegenseitig anspornenden amerikanischen jungen Eheleute.

An den Wänden ihres Zimmers waren mit Heftnägeln unzählige Photographien an die Tapete gesteckt. Botticelli, dessen Ruhm damals alle Amerikaner mit besonderer Vorliebe in Mode gebracht hatten, war mit seinem Bild «Primavera» vertreten. Leonardo da Vincis «Mona Lisa», einige Photos von Holzschnitten Albrecht Dürers und verschiedene Bilder von Michel Angelos Arbeiten waren hier zum Studium und zur künstlerischen Augenlust ganz willkürlich an der Wand um den Kamin verteilt.

Zuerst wollte ich nicht recht zuhören, wenn die Amerikaner mir die Mystik der Darstellungen Michel Angelos, die Mystik Leonardo da Vincis und Albrecht Dürers erklärten und immer von Mystik und Symbolik bei allen alten Meistern sprechen wollten. Aber zwei Menschen gefunden zu haben, die eine neue Weltanschauung in der Mystik suchten, die ein neues Heil in ägyptischer, arabischer und indischer Astrologie zu finden glaubten, die überhaupt nach einem Sinn des Lebens fahndeten, das fesselte mich an diese amerikanischen Künstler.

Und ich machte mich geduldig, um ihnen zuzuhören bei ihren ganz unglaublichen mystischen Ergründungen, die sie immer wieder von neuem aus ihrem Geheimbund mit nach Hause brachten.

Ich hätte gern etwas Näheres über diese geheimen Versammlungen erfahren. Sie aber sagten, ich wäre noch viel zu ungläubig und zweifelnd und müßte, blind ergeben, ohne Mißtrauen, mich zuerst in Astrologie und okkultistische Lehren vertiefen, und wenn ich dann von dem heiligen Drang erfüllt wäre, ein Adept werden zu wollen, so würde ich ganz von selbst den Weg zu diesem Geheimbund finden.

Manchmal in den ersten Tagen fragte ich mich, ob ihr ganzes Gebaren nicht vielleicht ein Künstlerscherz sei. Vielleicht würden sie später über mich belustigt lachen. Denn es schien mir ungeheuerlich, daß zwei aus dem Wirklichkeitsland Amerika, zwei aus dem Arbeitsland kommende Neuzeitmenschen, in die Dunkelheiten der Astrologie, der Alchemie, der Scholastik und Mystik zurückkehren wollten. Es war mir, als ob freie Menschen um Ketten und Kerker bettelten.

Der Amerikaner Weisheit hatte aber nichts mit dem Wissen der Theosophen gemein. Sie verneinten es lebhaft, als ich sie fragte, ob ihr Bund etwas mit Theosophie zu tun hätte.

Sie malten und bildhauerten in London nicht, sondern sagten, das würden sie wieder aufnehmen, wenn sie nach Paris zurückgekehrt wären. Sie waren nur jetzt nach London gekommen, um sich in die Geheimwissenschaften zu vertiefen und sich in jenem Geheimbund unterrichten und belehren zu lassen.

Sie waren aber niemals düster gestimmt, immer fröhlich und glücklich. Nur hatte für mich ihre Fröhlichkeit etwas Körperloses. Sie konnten sich nur immer bei übersinnlichen Gedanken aufhalten, ähnlich wie es jene Theosophen getan, denen ich in München begegnet war.

Sie lachten mich aus, als ich sie fragte, ob die Lehre, der sie nachgingen, der Spiritismus sei. Ich wußte damals noch zu wenig von Okkultismus, und erst später erfuhr ich, daß jene beiden einer okkultistischen Gesellschaft angehörten.

Dadurch, daß die Unterhaltungen mit jenen beiden Okkultisten immer halb Englisch, halb Französisch geführt wurde, fühlte ich mich sehr aus meinem Gleichgewicht gehoben und aus meinem Deutschtum fortgerückt, und die Einsamkeit meiner Gedanken war dadurch in dem unendlichen London unendlich viel größer, als sie im Pfarrhaus im Bohuslän gewesen, wo ich mit der Natur erquickenden Gedankenaustausch gepflegt hatte. Denn die Gespräche über Mystik bereiteten mir zuerst nur Qual. Es war mir, wenn ich der Geistesrichtung jener Okkultisten folgte, als ginge ich in den Spuren der schwarzen Sonne, die ich am Isefjord in Dänemark in das schwarze Moor hineingedichtet hatte.

Das große düstere London selbst erschien mir wie eine schwarze mächtige Sonne. Als ich in jener Nacht, vom schwedischen Schiff kommend, die finsteren Docks betrat und sofort in den Bauch der Erde steigen mußte und in rauchigen Tunnels, beinahe zwanzig Stationen weit, unterirdisch reisen mußte, um zum Upper Wooburn Place zu gelangen, da glaubte ich durch die Eingeweide der Erde zu jagen.

Noch am Mittag desselben Tages war ich auf der Silberbank des Meeres unter silbriger Sonne gewesen, war durch silbrige Luft in die Themse eingefahren, an dem grünen Ufer von Greenwich und Richmond vorüber, und jetzt schien es nirgends mehr Meerfreiheit und ländliches Grün zu geben. Seitdem ich da in der Unterwelt fuhr, war mir, als führe ich in die Erdfinsternis, von aller Natur und Natürlichkeit fort, als tauschte ich klare Gedanken gegen dunkle Hirngespinste ein.

Seltsamerweise wirkte aber London, als ich es dann bei Tage sah, gar nicht so himmelgetürmt und nicht so geschäftshastig und großstadtgierig wie Berlin in jenen Zeiten auf mich gewirkt hatte. Die vielen Straßenzüge in London, in denen sich kleine Familieneinzelhäuser überaus schmucklos und einfach, ohne Schaufenster und, nur zweistöckig, aneinanderreihten, wirkten in ihrer Schlichtheit und Unauffälligkeit und in ihrer gediegenen Nützlichkeit, wenn auch eintönig, so doch menschenwürdig.

Die Londoner Geschäftsstraßen waren sachliche Arbeitsstraßen, in denen einem das Geldverdienen als eine Naturnotwendigkeit erschien, wobei die Arbeit nicht fieberhaft war, sondern gründlich, stark und einfach verrichtet wurde.

Durch eine im englischen Volk eingewurzelte und durch Geschlechter eingeführte klare Lebensordnung, der sich die ganze Stadt wie eine gut arbeitende, nirgends von Willkür gestörte Maschine hingibt, wirkte diese Millionenstadt mit den kleinen Familienhäusern fast friedlich und traulich wie ein Riesendorf.

Der Segen des Sichunterordnenkönnens der einzelnen unter Vätersitte und unter unumstößliche gesellschaftliche Sitte wirkte bei einer Millionenbevölkerung ungemein wohltuend. Und die tadellose Ordnung im englischen Tagesleben umgab wie ein Schutz, wie die Weihe heiliger Naturgesetze, den Fremdangekommenen. Auch der willkürlichste Mensch wird vom englischen starken Ordnungsleben, das das riesige London, wie einen sicher geleiteten Gutshof, tadellos arbeitend zusammenhält, zur Selbstzucht angespornt. Denn ohne Selbstzucht und Unterordnung des einzelnen unter das Massengefüge konnte hier wie überall im Weltall keiner vorwärtskommen.

Der Engländer, der unausgesetzt Achtung oder Verachtung austeilt, züchtet sich auch die Fremden, die zu ihm kommen, so wie er gewöhnt ist, den Ländern, die er erobert hat, und ihren Eingeborenen englische Ordnung und englischen Lebenssinn beizubringen.

England hat es, wie man weiß, mit dieser Ordnungsstrenge erreicht, daß rund um die Erde seine Sprache die Reise- und Weltsprache wurde. Dieses von alters her feststehende, eingeschulte englische Wesen, das stolz auf sich selbst beruht und sich alles Fremde kraftvoll unterordnet, fühlte ich als wohltuende Macht vom ersten Schritt an, als ich englischen Boden betreten hatte.

Als ich an jenem Ankunftsabend, der Untergrundbahn entstiegen, zum Pensionshause am Upper Wooburn-Platz kam – das sich in nichts unterschied von den tausend stillgeordneten Nebenhäusern, und das dadurch häuslich und vornehm in sich zurückgezogen wirkte –, fühlte ich mich schon in jener Straße durch die schweigende Ordnung wohl aufgehoben.

Da war noch ein altmodischer Türklopfer außen an der Haustür, ein Klöppel, der auf eine Bronzeplatte fiel. Ein schlank gewachsenes Dienstmädchen in schwarzem Kleid mit weißen Manschetten, weißem Kragen und weißem Häubchen öffnete und geleitete mich durch die Vorhalle, die aber keinen kahlen Gang und kein kahles Treppenhaus aufwies. Selbst diese nebensächlichen Hausräume waren traulich mit Hausgeräten und Bilderschmuck ausgestattet, und mir war, als sei ich in ein altes Herrschaftshaus und in einen Kreis alter Familienüberlieferungen eingetreten.

Auch der überall sparsam verwendete Raum im Hause, wo eingebaute Schränke, Tapetentüren und eingeschachtelte Kammern den Hausraum ausnützten – ich möchte sagen das Hausleben verinnerlichten und einem den Wert von jedem Zoll des Londoner Bodens deutlich in Erinnerung brachten –, dieses Raumsparen erhöhte den Reiz des Wohnens. Man befand sich in einem solchen Hause wie in einer Schatulle, welche Geheimfächer barg, und an der das sorgsam Durchdachte dem Eintretenden Vertrauen einflößte und ihm Bestätigung vom Wert des Lebens gab. Sich beschränken müssen und sich klug und gewandt beschränken können, sich für das Leben züchten müssen, das redete hier jeden, der das Leben ernst nehmen wollte, wohltuend auf Schritt und Tritt an, innerhalb und außerhalb der Häuser Londons.

Daß das englische Volk auf einer engen Insel lebt und in seinem Vaterland jeden Fußbreit Erde liebt, daß es sozusagen im Meer verlassen lebt, auf sich allein angewiesen, umgeben von den ungeheuren Meereshorizonten, die dieses Volk weltblickend werden lassen und es zugleich heiß heimatliebend machen, dieses wurde einem in London täglich bewußt gemacht. Und daß dieses Meervolk, vom Festland getrennt, im Gegensatz zu den Festlandvölkern sich eigenwilliger und im besten Sinne eigensinniger entwickeln mußte, das wurde mir täglich beim Wandern und Beobachten englischer Eigenart und englischer Gediegenheit von den Londoner Straßen erklärt.

So erstaunte es mich auch bald nicht, daß hier im Mittelpunkt der fünf Weltteile, hier wo man täglich großzügige Fühlung mit Ägypten, Indien und mit dem fernsten buddhistischen Asien hat, eigenartige Gedankenmischungen entstehen können. Gedankenmischungen, die, ebensogut wie die neuzeitliche Wissenschaft, eine Fortsetzung in der Entwicklung des Menschheitsgeistes hervorbringen können. Da die Engländer im Fernen Osten mit fremdem Volksgeist in steter Berührung leben, können asiatische alte Weisheiten echter und unverfälschter durch den gradlinigen Meerverkehr der Engländer nach London kommen, als dieses in Deutschland oder in den anderen Festländern der Fall ist, die nicht so sehr im Mittelpunkt des Weltverkehrs stehen.

Bei uns in Deutschland riß die Wissenschaft im letzten Jahrhundert in den Herzen und den Hirnen der Gebildeten alte Weltanschauungen ein, aber sie baute keine neuen Ideale auf. In England aber, wo Vätersitte unerschütterlicher feststeht als bei uns, reißt man nicht so leicht ein, sondern baut – eingeschachtelten Räumen in den Häusern ähnlich – buddhistische, mohammedanische und altägyptische Ideenwelten in die christliche Weltanschauung hinein. Und, indem man nicht bloß Rohprodukte aus den asiatischen Kolonien in London einführt, sondern auch die Geistesprodukte der unterworfenen asiatischen Nationen, versucht man in England, Gedankenreiche aus der Vereinigung fremder Weltanschauungen, zusammengeschmiedet mit der heimatlichen Gedankenwelt, zu gründen.

Die Inder, die Ägypter, Asiaten und Afrikaner, denen der Londoner täglich in seinen Straßen und in den Gesellschaften, als zum englischen Reich Zugehörigen, begegnet, konnte er auf die Dauer auch geistig nicht unbeachtet lassen und mußte über ihr ihm fremdes Geistesleben nachdenken.

So versteht sich meistens der Engländer heutzutage besser als irgendein Europäer auf japanische und chinesische Kunstwerke, und die englische Literatur ist reich an asiatischen Übersetzungen und an ernsten Werken schlichter getreuer Kunst- und Sittenschilderungen asiatischer Völker. Während die deutschen Reisewerke vielfach von deutschem Gelehrtenwissen beleuchtet niedergeschrieben werden, sind die vielen Werke der englischen Privatreisenden – deren es natürlich bei dem ungeheuren Weltverkehr englischer Schiffe Legionen gibt – allmenschlicher, freundlicher und traulicher gehalten. Der Inhalt dieser Werke ist mehr von allmenschlicher Bewunderung erfüllt als von geistiger Überhebung.

Während in England durch den ungeheuren Welt- und Völkerverkehr sich neue Anschauungen den alten Anschauungen beimischen und Möglichkeiten einer gedanklichen Umgestaltung zulassen, stocken in Deutschland seit der Wirklichkeitserkenntnis der neunziger Jahre die Entwicklungen zu neuen geistigen Idealen hin fast vollständig. Man spürt von der großen deutschen Flotte her noch keinen Völkerweltverkehr und Weltgedankenaustausch im deutschen Lande selbst.

Ich will aber nicht sagen, daß in England in den breiten Volksmassen große gedankliche Umwälzungen erreicht worden sind. Doch praktische Umwälzungen sind erreicht worden, wie zum Beispiel die von England kommende Einrichtung der segenstiftenden Heilsarmee oder die von England und Amerika kommende Lehre von der «Christlichen Wissenschaft», der « christian science», die durch bewußte geistige Erhöhung die Gesundheit des Körpers anstrebt.

In Deutschland selbst ist nichts der Art aus der Nation entstanden. Man lebt bei uns noch von einem wissenschaftlichen Wirklichkeitssinn befangen.

Aber ein Siebzigmillionenvolk sollte sich doch zu neuen geistigen Höhen, zu neuen Idealen hin aufraffen. Immer noch befangen vom Geist der achtziger und der neunziger Jahre, in denen die Künstler und Gelehrten den Weg zur Wirklichkeit wiesen und zum Niederreißen falscher Ideale, verrannte sich jetzt die deutsche Welt in Wirklichkeitslust.

Die Zeit Goethes, die sich an den griechischen Göttern Erhebung holte, die Zeit Walters von der Vogelweide, in der das Christentum noch ein jung blühendes Ideal war, soll natürlich nicht wiederkommen. Aber die Wirklichkeitslust, die heute herrscht, die ohne Geisteslust ist, sie artet auf die Dauer in ein niederes Vergnügen aus, bei dem die nach neuem Geist sehnsüchtigen Menschen nicht ewig mittun können. Und die Lust nach einer neuen Geisteserhebung schwebt überall in der Luft, so wie am Ende des Winters die Sehnsucht nach dem Frühling da ist.

Dieses Streben nach einer neuen Weltanschauung, das ich bei dem jungen amerikanischen Ehepaar schon vor zwanzig Jahren in London miterlebte, bestätigte es mir schon damals, daß die naturalistische Kunst, die in der Literatur in Deutschland in Gerhart Hauptmann ihren ersten größten Vertreter fand, nicht die alleinseligmachende Entwicklung in der Dichtung bleiben würde.

Eine Vereinigung von starker Wirklichkeit und höchster Geistigkeit, eine festliche Weltauffassung vom festlichen Weltallleben und aus einer sich demütig und doch allmächtig fühlenden Menschheit heraus wird eine neue Festwelt für die jungen Dichter entstehen.

 

 << Kapitel 16  Kapitel 18 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.